Zwei Wünsche an Ricardo reloaded

Standpunkt April 2018

Zwei Wünsche an Ricardo reloaded

Dr. Sebastian Klein – Vorsitzender des Vorstands der Fürstlich Castell’schen Bank

Manchmal muss man sich schon wundern, wenn man die Schlagzeilen der Tagespresse verfolgt. Globalisierung und Digitalisierung schreiten unaufhaltsam voran: Die globale (Waren-)Welt ist mit unseren Fingerspitzen erreichbar. Wir erleben eine Diskussion um Schutzzölle und mögliche Handelskriege. Und schon fühlen wir uns in die Zeit des Merkantilismus zurückversetzt.

Ad fontes – manchmal hilft es zu den Ursprüngen zurückzugehen. Im Fall der internationalen Handelsbeziehung heißt das bis ins späte 18. Jahrhundert. David Ricardo hat danach mit seiner Theorie der Kostenvorteile den methodisch-ökonomischen Rahmen für den freien Handel zwischen Ländern gelegt. Er konnte zeigen, dass internationale Handelsbeziehungen zu mehr Wohlstand für die beteiligten Länder führen als eine geschlossene, das heißt durch Zölle oder sonstige auch nichttarifäre Handelshemmnisse abgeschottete Volkswirtschaft. Kern seiner Argumentation sind die Spezialisierungsvorteile. Diese greifen selbst für den Fall, dass ein Land alle Güterund Dienstleistungen günstiger produzieren kann als die übrigen Länder. Sogar in dieser Konstellation sollten sich die einzelnen Länder auf die Herstellung derjenigen Produkte konzentrieren, bei denen sie die geringsten komparativen Kostennachteile haben und alle anderen Güter im Wege des freien, internationalen Handels importieren. So werde der Wohlstand für alle Länder maximiert.

Folgt man dem grundsätzlichen Gedanken von Ricardo, dann müsste man der Androhung des US-amerikanischen Präsidenten über die Erhöhung von Zöllen nicht mit Gegendrohungen begegnen. In diesem Fall können dann alle nur verlieren: Spezialisierungsgewinne schwinden, eigentlich nicht wettbewerbsfähige Industrien in einzelnen Ländern werden »künstlich« am Leben gehalten, notwendiger Strukturwandel unterbleibt, der Wohlstand aller Länder sinkt.

Um diesen Nachteilen zu begegnen, sollten vielmehr konstruktive Verhandlungen, zum Beispiel zwischen den USA und der EU, über den Abbau von Handelshemmnissen aufgenommen werden. TTIP lässt grüßen. Und vielleicht sind ja die Drohungen des »transatlantischen Dealmakers« als verhandlungstaktisches Anchoring zu verstehen.