Trump traf Kim: Der Summit in Summe

Wer sich unter dem Akronym DPRK-USA Summit bisher nicht so recht etwas vorstellen konnte, wurde spätestens am 12. Juni um einen Aha-Effekt klüger. Denn hinter diesem kuriosen Wortkonstrukt verbirgt (bzw. verbarg) sich das historische Gipfeltreffen von US-Präsident Donald Trump mit Nordkoreas „Oberstem Führer“ Kim Jong-un in Singapur. Die Spannung vor, während und nach dem erst zugesagten, dann wieder abgesagten und letztlich doch abgehaltenen Treffen der beiden Alpha-Männer war groß. Die Ernüchterung teilweise auch.

Am Ende kam etwas mehr als nur heiße Luft aus dem unter hohem Druck stehenden USA-Nordkorea-Kessel: Ein Dokument mit vier Punkten, die auf Weltfrieden im Allgemeinen und DPRK-USA-spezifische Entspannung im Konkreten zielen. Zudem viele Fotos, freundliches Schulterklopfen und Hohn und Spott darüber, welchen Rang Pjöngjang künftig im Big-Mac-Index einnehmen wird oder ob die von US-Präsident Trump beim Singapur Summit versprochene McDonald’s-Filiale in der nordkoreanischen Hauptstadt am Ende doch eher auf Kim Jong-uns Index landet.

Wirtschaftskorridor zu – Wirtschaftskorridor auf

Bis man auch in Pjöngjang „Zum hier Essen oder Mitnehmen?“ gefragt wird, wird sicher noch einige Zeit vergehen, denn auch in Sachen Fastfood ist die Gangart bei der „De-Isolation“ Nordkoreas gemächlich. Darauf aber, dass es Schritte in Richtung einer Öffnung der nordkoreanischen Märkte für internationale Unternehmen geben wird, hoffen viele. Denn gerade jetzt, wo die Kündigung des Atom-Deals mit dem Iran durch die USA viele europäische Unternehmen aus Angst vor US-Sanktionen aus dem Land treibt und Banken die Iran-Geschäfte der wenigen Furchtlosen aufgrund drohender drakonischer US-Strafen nicht finanzieren, wäre eine Öffnung Nordkoreas zumindest ein Tunnel oder auch Sales Funnel mit Licht am Ende für den momentan doch sehr strangulierten Welthandel.

Auch in Sachen Nordkorea führt also kein Weg vorbei an Donald Trump, nicht nur, weil er es war und nicht Macron oder Merkel, der sich mit Kim Jong-un in Singapur getroffen hat. Auch und gerade weil Trump den Atom-Deal mit dem Iran aufgekündigt hat und die EU, Kanada, China und Mexiko seinen American Fury in Form von Strafzöllen auf Aluminium und Stahl spüren ließ, gibt es ohne ihn keine Deals mit Pjöngjang. Denn wir wissen nicht, ob der US-Präsident nach einem möglichen Aufheben der Sanktionen gegen Nordkorea, diese nicht doch wieder mit 280 Zeichen in Kraft setzt.

Sonderwirtschaftszone Kaesŏng als Eintritt in den nordkoreanischen Markt

Wenn sich Donald Trump aber genauso wie die EU und die UNO letztlich und langfristig für das Aufheben ihrer jeweiligen Handelsembargos entscheiden, geht der direkte Weg für europäische Unternehmen nach Nordkorea über Südkorea. Denn die unmittelbaren Nachbarn von Kim Jong-un haben wertvolle Erfahrungen mit beidseitigem Business gesammelt – vor allem im bis 2016 von beiden koreanischen Ländern gemeinsam betriebenen Industriepark in der Sonderwirtschaftszone Kaesŏng. Der „Zauber“ dieses Ortes besteht darin, dass er sich nur rund 60 Kilometer bzw. eine Autostunde von Seoul entfernt befindet, und nur zehn Kilometer von der entmilitarisierten Zone entlang der Grenze liegt. Zwischen der Eröffnung von Kaesŏng im Jahre 2002 und der Schließung der Grenzen 2016 waren über 50.000 nordkoreanische Arbeiter beschäftig, die ihrerseits nur ein Zehntel des Lohns südkoreanischer Arbeiter erhielten und damit für einen Produktionsschub für südkoreanische Unternehmen sorgten. Und sie versorgten Pjöngjang mit Devisen, da ihr Lohn (rund 90 Millionen US-Dollar pro Jahr) direkt an das nordkoreanische Regime gezahlt wurde.

Südkoreanische Unternehmen hoffen auch deshalb auf politisches Tauwetter. Und wenn die getauten Eisschollen neue Passagen für die Wirtschaft freilegen, könnte sich Südkorea einen direkten Zugang zu lukrativen Verbindungen nach Europa und damit auch nach Deutschland sichern – vor allem über die transsibirische Route, die Verkehrsroute zwischen China und Russland.

Auch deutsche Unternehmen warten auf Pjöngjangs grünes Licht

Wie der Ausblick auf gute Deals mit Nordkorea gerade auch in der deutschen Unternehmerlandschaft diverse Blüten der Hoffnung treibt, zeigen Einschätzungen des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK). Dessen Außenwirtschaftschef Volker Treier nannte jüngst konkrete Zahlen: In Südkorea würden etwa 500 deutsche Unternehmen mit Anlagen und Ausrüstungen im Wert von rund 10 Milliarden Euro und mehr als 35.000 Beschäftigen nur darauf warten, endlich in Nordkorea aktiv werden zu können.

Auch seien bereits konkretere Überlegungen im Gange, was beispielsweise die Weltbank, die KfW-Mittelstandsbank oder auch der Kreditversicherer Hermes zur Finanzierung und finanziellen Absicherung deutscher Unternehmen in Nordkorea beitragen könnten.

So führt der Weg zu wechselseitigen Wirtschaftsbeziehungen mit Nordkorea für deutsche Unternehmen zunächst also vor allem über den Süden. Verkehrte Welt, sozusagen, aber auch nur, wenn man nicht vergisst, die geopolitische Welt zumindest momentan auf dem Kopf stehend zu betrachten.