Von der Faszination des Individuellen

Standpunkt März 2018

Von der Faszination des Individuellen

Dr. Sebastian Klein – Vorsitzender des Vorstands der Fürstlich Castell’schen Bank

Individualismus ist in unserer freiheitlich demokratischen Ordnung ein grundsätzlich positiv besetzter Begriff. Solange die Rechte der anderen nicht beeinträchtigt werden, soll die freie Entfaltung des Individuums ermöglicht und gefördert werden.

Kein Wunder, dass sich auch die Konsumwelt diese positive Konnotation des »Individuellen« zu Nutze macht. Gerade im Luxusgütersegment gilt die individuelle Maßfertigung oder die Individualisierung von Produkten durch Monogramme, individuelle Farb- und Materialauswal als das »non plus ultra« und wird in der Marketing-Sprache als das »segment of one« bezeichnet.

Auch in der Betreuung von Vermögen ist die individuelle Beratung unerlässlich. Gerade für eine Privatbank, wie die unsere, stellt dies einen wesentlichen Teil unserer »DNA« dar und ist seit jeher fester Bestandteil unseres Selbstverständnisses und Markenkerns.

Aber heißt das auch, dass jedes Portfolio sich deutlich von anderen Portfolien unterscheiden sollte? Eine Antwort hierauf liefern Harry Markowitz, der wissenschaftliche »Vater« der modernen Portfolio-Theorie und seine Epigonen. Sie konnten zeigen, dass eine unter Rendite-Risiko-Gesichtspunkten optimale Anlage aus einem möglichst breit gestreuten Wertpapierportfolio und einer sicheren liquiden Anlage besteht. Das Wertpapierportfolio, das sogenannte Marktportfolio, ist dabei für alle Anleger gleich. Der Individualität der Anleger wird dennoch Rechnung getragen. So bestimmen individuelle Ziele, Wünsche, Vermögensdispositionen und Risikoneigungen die optimale Verteilung des investierten Geldes zwischen der sicheren Anlage und dem Marktportfolio.

Diese Grunderkenntnis haben wir in unserer Vermögensverwaltung um die Erkenntnisse der modernen Risikotheorie und der Behavioral Finance erweitert. In unserem Risikobudget, hochindividuell für jeden Kunden zu ermitteln, kommt dies zum Ausdruck. Diese Ermittlung braucht Gründlichkeit, Zeit und Erfahrung, alles Eigenschaften, die unsere Kundenberater für ihre Kunden mitbringen. Hierin kommt die Individualität oder »Maßschneiderei« einer typischen Privatbank zum Ausdruck. Dass sich dies nicht notwendigerweise in einem individuellen Portfolio zeigen muss, mag folgendes Beispiel verdeutlichen.

Wenn wir – wie derzeit – eine Übergewichtung europäischer Aktien für richtig erachten, dann ist diese Einschätzung im Sinne des Marktportfolios von Markowitz unteilbar. Dann bedarf es schon einer besonderen Begründung, warum die vermeintliche Individualität sich etwa in einer Übergewichtung von US-Aktien ausdrücken sollte. Der Anteil des Vermögens jedoch, der überhaupt risikobehaftet in Aktien angelegt werden sollte, der ist wiederum hochspezifisch und kundenindividuell bestimmbar.

Faszination der Individualität und Erkenntnisse der modernen Portfoliotheorie müssen in Kombination gesehen werden. Soviel Individualität wie möglich bei einer Festlegung des Risikobudgets, so wenig Individualität wie nötig bei der handwerklich sauberen Portfoliokonstruktion.

Das ist eine zeitgemäße Interpretation der Vermögensverwaltung, die Sie von uns als Ihrer Privatbank erwarten können.