Investment Komitee Summary – September 2020

Castell-Bank bleibt neutral bei Aktien – Volatilität könnte steigen

Die Erholung der Weltwirtschaft schreitet voran und es sind nicht mehr „nur“ die Stimmungsindikatoren, die eine Verbesserung andeuten, sondern auch die „harten“ Daten wie die Industrieproduktion und der Verbrauch. Auch wenn die zweite Welle der Corona-Infektionen Fahrt aufnimmt, steigen die Todesfälle nicht an. Damit dürfte ein erneuter Shutdown weiter Teile der Wirtschaft unwahrscheinlich sein. Die Berichterstattung der Unternehmen im zweiten Quartal ist im Mittel besser als erwartet ausgefallen, was sich aber auch schon in den Preisen an den Aktienmärkten widerspiegelt. Vor allem in den USA sind die Märkte sehr weit gelaufen, Potenzial für weitere Gewinne gibt es eher in Europa. Wir denken allerdings, dass es aufgrund von jahreszeitlichen Risiken und der anstehenden US-Wahl Anfang November besser ist, abzuwarten. Es könnte in den nächsten Wochen deutlich volatiler an den Märkten werden.

Vor diesem Hintergrund haben wir im Investment-Komitee folgendes entschieden:

  • Wir bleiben bei der neutralen Gewichtung von Aktien
  • Wir bleiben bei der Übergewichtung von europäischen Staatsanleihen der Peripherie (Italien und Portugal) und Unternehmensanleihen mit Investment Grade
  • Wir überlegen, Rohstoffe weiter aufzubauen und warten auf den richtigen Zeitpunkt
  • Wir wollen unser USD-Exposure weiter abbauen

Konjunkturelle Erholung setzt sich fort

Die Erholung der Weltwirtschaft setzt sich fort und gewinnt an Tiefe. Es sind nicht nur die Stimmungsindikatoren, die nach oben deuten, sondern auch harte ökonomische Kennziffern wie die Industrieproduktion oder der Konsum. Auch die Frachtraten für Schüttgut und Container sind wieder auf ihre langfristigen Durchschnitte gestiegen. Die Erholung ist schneller als nach einer „normalen“ Rezession, denn der Einbruch der Wirtschaft wurde durch einen Lockdown bedingt und nicht durch Ungleichgewichte wie verzerrte Preise am Immobilienmarkt oder hohe Verschuldung von Unternehmen. Das bedeutet, dass in der jetzigen Erholung keine Ungleichgewichte abgebaut werden müssen und es deswegen auch schneller wieder bergauf gehen kann. Momentan werden auch Unternehmen noch von den Staatshilfen aus den Rettungspaketen aufgefangen, deren Geschäftsmodell schon vor oder durch die Corona-Krise fraglich war bzw. wurde. Wenn diese Stützungsmaßnahmen auslaufen, wird es zu vermehrten Ausfällen kommen und manches Unternehmen wird diese Krise nicht überleben.

Sektoren, die es hart treffen wird

Diese Krise ist auch deswegen anders, weil sie die Art, wie wir leben, verändert. Durch Corona hat die Digitalisierung einen enormen Anschub bekommen und mit ihr alle Unternehmen, die damit zu tun haben. Der Technologie-Index NASDAQ ist auf neue Rekordstände geklettert, da sich die Aussichten für Unternehmen wie Amazon und Google nochmal deutlich verbessert haben. Die „Old economy“ – der Einzelhandel oder aber auch der gesamte Reise- und Luftfahrtsektor – werden Jahre brauchen, um sich zu erholen bzw. es nie wieder zurück zu den Vor-Corona Volumina schaffen. Die Lufthansa beispielsweise wird deutlich kleiner werden und Unternehmen nutzen diese Krise auch, um an den Kosten zu drehen und Dienstreisen zu reduzieren. Solange es keine zuverlässige Impfung gibt und ein Großteil der Urlaubsgebiete als Risikogebiet klassifiziert ist, wird es auch keine Erholung für die Reisebranche geben. Auf der anderen Seite ist ein anderer Gewinner der Krise sicherlich die Gesundheitsbranche; ein Trend, der sich durch die Überalterung der westlichen Gesellschaft schon vorher abzeichnete, aber nun durch die Krise nochmal verstärkt wird.

Die Dollarschwäche ist „here to stay“

Je robuster die wirtschaftliche Erholung voranschreitet, desto weniger suchen Anleger nach sicheren Häfen. Der Dollar wird in Krisenzeiten immer als ein solcher eingeschätzt und sobald die Krise vorbei ist, nehmen viele Investoren ihr Geld und suchen Anlagen, die ihnen mehr Rendite bringt. Sie gehen wieder mehr ins Risiko. Das belastet die amerikanische Währung. Hinzu kommt nun auch der Strategieschwenk der FED. Die Notenbank hat ihr Inflationsziel grundsätzlich angepasst und wird in Zukunft sogenanntes „overshooting“ der Inflation über 2 Prozent hinnehmen. Sie wird erst dann die Zinsen anheben müssen, wenn im langfristigen Durchschnitt die Inflation bei mehr als 2 Prozent liegt. Das kann dauern, denn in diesem Jahrhundert hat die Inflation in den USA noch nie diese Marke gerissen. Im Umkehrschluss bedeutet das, dass die US-Notenbank die Zinsen wohl für wesentlich längere Zeit als vorher antizipiert auf Rekordtiefen belassen wird und damit ihrem zweiten Ziel, der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit, den Vorrang gibt. Das belastet den Dollar zusätzlich, denn mit steigenden Inflationserwartungen fallen die realen Zinsen.