Investment Komitee Summary – September 2019

Angesichts der weiteren Eskalation im Handelskonflikt, gepaart mit deutlichen Zeichen einer wirtschaftlichen Abschwächung vor allem in der westlichen Welt, dürften die Aktienmärkte in den nächsten Monaten kein nachhaltiges Potenzial haben. Auch die anstehenden Maßnahmen der Notenbanken – Zinssenkungen in den USA und weiter unkonventionelle Schritte seitens der Europäischen Zentralbank – dürften zu großen Teilen schon in den Märkten eingepreist sein.

Executive Summary:

  • Reduzierung der Aktienquote über Investitionen in Discountprodukte
  • Übergewichtung USA noch beinhalten
  • Aufbau von japanischen Staatsanleihen in Yen als Alternative zu Bunds
  • Aufstockung von Gold als Alternative zu Staatsanleihen angesichts der negativen Renditelandschaft

Gewinnwachstum in Japan, Europa und USA tendiert gegen Null

Noch vor wenigen Monaten gingen die Märkte von einer Erholung der Wirtschaft und damit auch der Gewinnsituation im zweiten Halbjahr aus. Dies hat sich nun deutlich geändert. Der Handelskonflikt, die Unsicherheiten durch den bevorstehenden Brexit und auch die geopolitischen Spannungen um den Iran haben deutliche Bremsspuren hinterlassen und das Rezessions-Gespenst erweckt. Angesichts dieser Gemengelage wird wohl auch das dritte und vierte Quartal dieses Jahres schwierig sein. In den USA wird eine Gewinnwachstumsverlangsamung auf nahe 0 % bis Ende 2019 erwartet. Auch Europa und Asien werden kein Gewinnwachstum erreichen. Gepaart mit den eher teureren Bewertungen an den globalen Aktienmärkten und dem spätzyklischen globalen Wachstumsbild sehen wir derzeit kein größeres Potenzial an den Aktienmärkten. Wir verkaufen daher die nicht zu erwartenden Chancen und investieren in Seitwärtsstrategien.

Handelskonflikt eskaliert weiter – Einigung immer unwahrscheinlicher

Der Handelskonflikt zwischen den USA und China scheint zusehends unlösbar zu werden. Beide Parteien brauchen ein „gesichtswahrendes“ Verhandlungsergebnis. Auch wenn es wieder eine neue Ankündigung zu Gesprächen Anfang Oktober gibt, erwarten wir keine Lösungen. Präsident Trump wird zusehends unter Druck geraten, denn auch die US-Wirtschaft zeigt erste Zeichen einer Abschwächung und verliert ihre Immunität gegen den Handelskrieg. Die chinesische Wirtschaft hingegen scheint sich zu stabilisieren. Mit dieser Entwicklung könnte sich die Verhandlungsposition der USA abschwächen. China hat lange in dem Konflikt nur „reagiert“, Beobachter schätzen die jüngste, kräftige Abwertung der chinesischen Währung gegen den US-Dollar allerdings als ein Zeichen dafür ein, dass China zusehends aggressiver wird. China wird sich nach den historischen Erfahrungen des Kolonialismus von den USA nicht dominieren lassen.

USA vor Rezession?

Die Rentenmärkte spielen schon mit einem Rezessionsszenario. Die Zinsstrukturkurve ist invertiert (Die Zinsen für US-Staatsanleihen mit zwei Jahren Laufzeit liegen über den Zinsen für zehn Jahre Laufzeit), was in der Vergangenheit auf eine nahende Rezession in den USA hingedeutet hat. Hinzu kommt, dass nun auch die Frühindikatoren (Einkaufsmanagerindizes) unerwartet schwach waren. Die US-Notenbank hält zwar dagegen, hat schon im Juli einmal die Zinsen gesenkt, allerdings ist die Frage, wieviel die Geldpolitik gegen einen drohenden Abschwung unternehmen kann. Für den Moment stützt immerhin der private Verbrauch in den USA weiter das Wachstum.

Notenbanken – wieviel Feuerkraft haben sie noch?

Sowohl die FED als auch die EZB haben sich erneut in den „Lockerungsmodus“ begeben. Die FED hat die Zinsen schon im Juli erstmals gesenkt, der Markt geht von weiteren Zinsschritten in diesem und im nächsten Jahr aus. Die EZB hat es bisher bei Ankündigen belassen, doch sind die Erwartungen an die Notenbank sehr hoch, noch im September ein umfangreiches Maßnahmenpaket zu verabschieden. Europäische Staatsanleihen haben hier schon viel vorweggenommen – die Renditen sind zu großen Teilen negativ bzw. auf Rekordtiefstände gefallen, da der Markt von einer Neuauflage des europäischen „QE-Programm“ aufgrund der gestiegenen Rezensionsgefahr ausgeht. Klar ist allerdings auch, dass die EZB die Wirtschaft nicht retten kann. Sie benötigt die Hilfe der Politik dazu. Die Vorzeichen dafür sind angesichts negativer Zinsen insbesondere für Deutschland eigentlich ideal um Investitionsprogramme in Infrastruktur, Digitalisierung und Bildung aufzulegen, die positive Renditen für den Staat erwirtschaften. Folgendes Beispiel soll ein für den Staat risikofreies Vorgehen skizzieren: Wenn der deutsche Staat für 100 Mrd. € auf 10-Jahre Laufzeit neue Schulden macht und die Verzinsung bei -0,62 % liegt, muss er typischerweise keine jährlichen Zinszahlungen machen und am Ende der Laufzeit nur ca. 94 Mrd. € zurückzahlen. Wenn der deutsche Staat von den eingenommenen 100 Mrd. € also 94 Mrd. € bei der Bundesbank für die Begleichung der Schuld einlagert, verbleiben immer noch 6 Mrd. € für Investitionen – ohne jegliches Risiko für den Staat. Leider haben zumindest deutsche Staatslenker diese Arithmetik noch nicht verstanden.

Gold gewinnt an Attraktivität

Je mehr Staatsanleihen mit negativer Rendite notieren, desto attraktiver wird Gold, denn ähnlich wie bei einer Investition in Gold gehe ich als Investor in z. B. Bundesanleihen davon aus, dass ich jemanden finden werde, der die Anleihe oder das Gold zu einem höheren Preis von mir kauft. Ansonsten bleibe ich auf den Kosten (bei Gold) oder den negativen Zinsen sitzen und zahle jeweils für das Privileg Gold bzw. Bundesanleihen zu halten. Auch wenn der Goldpreis in den letzten Monaten schon stark zugelegt hat, bleibt Gold ein interessantes Asset solange die Notenbanken die Zinsen weiter senken oder negativ halten.  Da wir uns momentan am Anfang der konjunkturellen Abschwächung befinden, sind Zinserhöhungen in den vorhersehbaren Zeiten rundum auszuschließen, was die Attraktivität des Goldes unterstützt.

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