Investment Komitee Summary – Oktober 2020

Castell-Bank erwartet volatile Seitwärtsmärkte wegen Corona und US-Wahl

Die steigenden Corona-Zahlen und die politische Ungewissheit in den USA lassen die Anleger vorsichtig agieren. Momentan gibt es zwei ausgeprägt unterschiedliche Entwicklungen: Auf der einen Seite steht die besser als erwartete konjunkturelle Situation und die erfreulich laufende Berichtssaison. Auf der anderen Seite sorgen der ungewisse Ausgang der US-Wahlen, das verschobene US-Konjunkturpaket (Cares-2) und last but not least die stark anziehenden Corona-Infektionen für steigende Unsicherheit. Aus diesem Grund gehen wir mindestens bis zur US-Wahl von volatilen Seitwärtsmärkten aus.

Vor diesem Hintergrund haben wir im Investment-Komitee folgendes entschieden:

  • Wir belassen vorerst unsere Benchmarkgewichtung bei Aktien bis nach den US-Wahlen.
  • Falls es nach den US-Wahlen auch zu einer Abschwächung der Corona-Dynamik kommen sollte, werden wir Aktien übergewichten.
  • Innerhalb der nächsten 12 Monate sehen wir Chance in den konjunktursensitiveren nordischen Ländern Europas und – bei einer Fortsetzung der Erholung – auch für Mid-/Small-Caps. Erste Positionen in Nordeuropa planen wir noch im Laufe des Oktobers – abhängig von der Marktdynamik – aufzubauen.
  • Im Pazifischen Raum mögen wir die Schwellenländer China und Korea. Wir nutzen hier Rücksetzer, um unsere gut gelaufene Position weiter auszubauen.
  • Auf der Rentenseite sehen wir bei Unternehmensanleihen weiter Chancen und planen, auch wieder eine Position im Bereich der Hochzinsanleihen aufzubauen.
  • Wir halten an unserem Engagement in Staatsanleihen wie Portugal und Italien weiter fest.

Konjunkturelle Erholung spiegelt sich auch in den Bilanzen

 In den USA hat die Berichtssaison für das dritte Quartal begonnen und die meisten Unternehmen haben bislang die Erwartungen der Analysten übertroffen. Damit zeigt sich, dass es „nicht nur“ die volkswirtschaftlichen Indikatoren sind, die sich erholen, sondern dies auch in den Bilanzen der Firmen ankommt. Aus makroökonomischer Sicht folgen die Volkswirtschaften der entwickelten Staaten weiter dem typischen Erholungspfad nach einer Rezession. Insbesondere in den USA sind die Erwartungen der Volkswirte für 2020 von -5,3 % auf -4,0 % deutlich nach oben korrigiert worden. Dies lässt auch für das vierte Quartal hoffen, allerdings hängt die Entwicklung stark vom weiteren Verlauf der Corona-Neuinfektionen ab. Falls es zu massiven Lockdown-Maßnahmen kommen sollte, wird das auch erneut die Konjunktur in Mitleidenschaft ziehen.

US-Wahl – der politische Elefant im Raum

 Joe Biden führt momentan in den Meinungsumfragen das Feld an. Allerdings lagen die Meinungsforscher in den letzten Jahren auch oft falsch und hinzukommt, dass das US-amerikanische Wahlsystem nicht unkompliziert ist. So wurde Donald Trump 2016 Präsident, obwohl mehr Amerikaner für Hillary Clinton gestimmt hatten. Viele der US-Bundesstaaten sind traditionell entweder demokratisch oder republikanisch. Um die Wahl zum US-Präsidenten zu gewinnen, muss man die sogenannten Swing States für sich einnehmen.

Welche Staaten sind die Swing States?

Florida gilt als der Jackpot: Mit 29 Wahlleuten ist es einer der wichtigsten umkämpften Staaten. Dahinter folgen die traditionellen „Battleground States“ oder „Swing States“, also jene Bundesstaaten, die mal für einen Republikaner und mal für einen Demokraten stimmen. Dazu gehören Pennsylvania (20 Stimmen) und Ohio (18), genauso wie Michigan, Wisconsin und Minnesota (zusammen 36 Stimmen). Aktuelle Umfragen deuten auch in Georgia (16), North Carolina (15) und Arizona (11) auf einen offenen Stimmausgang hin. Ein wahres Erdbeben wäre es, falls es Biden gelingen würde, Texas zu gewinnen. Der große Staat mit 36 Stimmen geht seit Jahrzehnten an Republikaner – manche Umfragen räumen ihm dort aber zumindest geringe Chancen ein.

Corona – Neuinfektionen steigen stark an

 In Europa, aber auch in den USA und Japan steigt die Zahl der Neuinfektionen stark. Allerdings steigt die Kurve der Todesfälle nicht mit an. Das lässt zumindest vorerst den Rückschluss zu, dass die Medizin mittlerweile Erfahrungen mit dem Virus gesammelt hat und die Therapie erfolgreicher läuft. Falls die Mortalität nicht noch ansteigen sollte, dürfte es auch nicht zu großflächigen Lockdowns kommen.