Investment Komitee Summary – November 2020

Erneute Corona-Lockdowns belasten den Ausblick für 2021

Die US-Wahlen sind vorbei und, mit Ausnahme des amtierenden US-Präsidenten, erkennen alle den Wahlsieg für den Demokraten Joe Biden an. Eine große Unsicherheit für die Kapitalmärkte ist damit passé. Die erneuten Lockdowns, um die schnelle Ausbreitung des Corona-Virus einzudämmen, werden die Wirtschaft allerdings im vierten Quartal belasten und die Erholung des dritten Quartals ausbremsen. Es steht zu befürchten, dass sich auch im nächsten Jahr Phasen von hohem Wachstum mit Phasen, die durch Lockdown-Maßnahmen schwach ausfallen, abwechseln werden; zumindest bis ein Impfstoff flächendeckend verfügbar ist.

Für die nächsten Wochen stellt sich die große Frage: Wie belastend werden die Lockdown- Maßnahmen sein und wie lange werden sie bestehen bleiben?

Vor diesem Hintergrund haben wir im Investment-Komitee folgendes beschlossen:

  • Wir haben nach den Kursverlusten Ende Oktober mit Anfang November US-, Pazifische und Emerging Market Asia Aktien nachgekauft.
  • Jetzt haben wir nach dieser Erhöhung eine neutrale Aktienquote.
  • Unternehmensanleihen halten wir weiter übergewichtet, sind vorsichtig bei High Yield aufgrund drohender Ausfälle. Hier wäre das Bekanntwerden eines wirksamen Impfstoffes für uns der Einstiegszeitpunkt.

US Wahl ist vorbei – was erwarten die Märkte?

Der neue Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika wird aller Voraussicht nach Joe Biden heißen. Ob die Demokraten auch den Senat kontrollieren werden, wird sich am 5. Januar entscheiden, wenn in Georgia abgestimmt wird. Falls beide demokratischen Kandidaten in Georgia gewinnen würden, wäre der Senat genau geteilt. De facto würden die Demokraten damit die Kontrolle im Senat haben, wenn Joe Biden als Demokrat Präsident wird. Denn bei Gleichstand entscheidet die Stimme des Vize-Präsidenten.

Bidens Plattform „Build Back Better“ – „Der bessere Wiederaufbau“ – entspringt seinen schon als Vizepräsident unter Präsident Barack Obama vertretenen Vorstellungen, Mehrausgaben mit moderner Strukturpolitik zu verbinden. Geplant ist, Milliardeninvestitionen in öffentliche Güter von moderner Infrastruktur über saubere Energie bis hin zu Bildung und Gesundheit zu stemmen – und sie über höhere Steuern für Wohlhabende zu finanzieren. Eine Sparpolitik ist von Biden nicht zu erwarten. Wie viel Gewicht die Linken in seinem Team haben werden, ist aber noch unklar.

In jedem Fall wird Biden ein Land im Ausnahmezustand vorfinden. Bidens erklärtes erstes Ziel ist eine nationale Strategie zur Bekämpfung des Corona-Virus, denn auch die USA sind von einer sehr starken zweiten Welle getroffen. Gegen die Krise will er mit einem Wirtschaftsprogramm angehen, das Millionen von Jobs schaffen und der Konjunktur ordentlich Schwung verleihen wird, so das Versprechen.

Das Thema Handelskrieg zwischen Europa und USA wäre wohl vom Tisch, die härtere Gangart gegenüber China allerdings nicht.

Drittes Quartal mit starker wirtschaftlicher Erholung

Die Erholung der Weltwirtschaft ist im dritten Quartal deutlich stärker ausgefallen als erwartet. Das vierte Quartal dürfte nun allerdings erneut durch die Covid-bedingten Social Lockdowns belastet werden. Solange es keinen Impfstoff gibt, werden wir uns wohl daran gewöhnen müssen, dass es Perioden von hohem Wachstum gibt, auf die dann Zeiten wie jetzt folgen, in denen es zu partiellen Lockdowns kommen wird. Das wird dazu führen, dass die Wirtschaft ihr volles Potenzial nicht entfalten kann und auch die Gewinnaussichten der Unternehmen angepasst werden müssen. Das letzte Quartal hatte eine sehr robuste Berichtssaison. Ob das vierte Quartal bedingt durch die Lockdown- Maßnahmen auch so stark sein wird, ist unwahrscheinlich. Denn selbst wenn es nur ein Teil der Wirtschaft ist, der „geschlossen“ wurde, belastet die Situation dennoch die Stimmung.