Investment Komitee Summary – Mai 2020

Aktienmärkte mit Rückschlagpotential angesichts schwerer Rezession

Die meisten Länder der Welt haben als Antwort auf die Ausbreitung des Coronavirus ihre Volkswirtschaften so gut wie komplett heruntergefahren. Das Ergebnis ist für fast alle Staaten die wohl schwerste Rezession seit dem Zweiten Weltkrieg oder der Großen Depression in den 1930er Jahren. Momentan fangen die unterstützenden Maßnahmen seitens der Notenbanken und der Öffentlichen Hand die negativen Effekte des Shutdowns noch auf. Das dürfte auch so bleiben, solange es nicht zu einer zweiten Infektionswelle kommt.

Vor diesem Hintergrund haben wir im Investment Komitee folgende Entscheidungen getroffen:

  • Wir halten an unserer defensiven Aktienpositionierung fest, da wir von einer spürbaren Gegenbewegung der Märkte ausgehen.
  • Wir halten Investment-Grade-Unternehmensanleihen weiterhin für attraktiv, da es dort zusätzlich ein starkes Engagement der EZB gibt.
  • Wir sind weiter skeptisch gegenüber Schwellenländern und bereinigen die bestehenden Reste in unserem Portfolio. Wir finden Asien/Pazifik und die USA attraktiver.

Corona-Epidemie: Wo stehen wir?

Die Ausbreitung des Coronavirus konnte durch die strenge Abschottungspolitik der meisten Staaten eingedämmt werden. Neuinfektionen und Todesfälle gehen fast überall zurück und viele Länder lockern die Restriktionen langsam wieder. Die nächsten Wochen werden zeigen, ob es wegen dieser Lockerungen zu einer zweiten Welle kommen wird oder aber, ob die Maßnahmen wie Social Distancing und Maskenpflicht ausreichen, um die Ausbreitung kontrollierbar zu halten. Die USA sind mittlerweile der Hotspot der Infektionswelle, in der Eurozone gehen die Zahlen deutlich zurück. Auch wenn eine Impfung wahrscheinlich erst im nächsten Jahr erhältlich sein wird, werden in einzelnen Ländern Medikamente, wie Remdesivir, für die Behandlung von Erkrankten zugelassen.

Gigantische Rettungspakete stützen die Wirtschaft

Sowohl die Zentralbanken als auch die Regierungen haben auf den „whatever it takes“-Modus umgeschaltet. Die Notenbanken pumpen so viel Liquidität wie noch nie zuvor ins Finanzsystem und die Staaten legen gigantische Rettungsprogramme auf. Die Volumina scheinen zum jetzigen Zeitpunkt ausreichend, um die Wirtschaft zu stützen, den Unternehmen Liquidität über das Bankensystem zur Verfügung zu stellen und – last but not least – auch Staatsbeteiligungen einzugehen, wie im Fall der Luftfahrtindustrie. Einzig die Schwellenländer und aber auch die Peripherie der Eurozone müssen wohl noch nachlegen, damit die Wirtschaft genug unterstützt wird. Angesichts dieser massiven Programme gibt es Hoffnung, dass die Wirtschaft im zweiten Halbjahr wieder anspringen könnte. Wie stark, steht allerdings in den Sternen, da die Unsicherheit der Verbraucher, aber auch der Unternehmen, momentan sehr groß ist.

Schwerste Rezession seit dem Zweiten Weltkrieg

Die meisten Staaten werden 2020 wohl die schwerste Rezession seit dem Zweiten Weltkrieg erleben. Die Rettungsprogramme von Notenbanken und Regierungen vermeiden zwar noch Schlimmeres, aber einen starken Einbruch der Wirtschaftsleistung können sie nicht verhindern. 2021 sollte dann eine starke Erholung folgen, vor allem in den USA. In Deutschland und Japan könnte das Niveau des Jahres 2019 erst wieder im Jahr 2022 erreicht werden, wenn überhaupt. Momentan ist es noch schwer abzuschätzen, wie schnell das Vertrauen der Unternehmen und der Verbraucher zurückkommt. Vor allem letztere sind durch einen starken Einbruch der Arbeitsmärkte in Ländern wie den USA unter großem Druck. Die jüngsten US-Arbeitsmarktdaten zeichnen ein sehr drastisches Bild: Die Arbeitslosenquote ist auf 14,7 Prozent, dem höchsten Stand seit dem Zweiten Weltkrieg, gestiegen, allein im April haben 20,5 Millionen Amerikaner ihren Job verloren. Da die US-Wirtschaft mehr als andere von Konsum abhängig ist, könnte das, sollte der Arbeitsmarkt nicht dynamisch zurückkommen, auf eine schwierige Erholung hindeuten.

Globale Rezession, aber Aktienmärkte sind stabil – wie passt das zusammen?

Die Aktienmärkte preisen momentan eine kräftige Erholung im zweiten Halbjahr ein. Wenn man von dem günstigen Szenario ausgeht, dass die Viruszahlen weiter sinken, obgleich die Abschottungsmaßnahmen zurückgenommen werden, dann ergibt für langfristige Investoren sogar momentan ein teilweiser Einstieg in den Markt Sinn. Aber das gilt nur, wenn die Entwicklung linear positiv verläuft und die Stimmungsindikatoren spätestens im Juni wieder anziehen. Wenn die Erholung weniger linear und positiv ausfällt und die Wirtschaft nicht so schnell wieder Tritt fasst, dann sind die momentanen Kurse deutlich zu hoch. Wir erwarten, dass der US-Markt noch einmal die 200 Tageslinie sehen möchte, es aber dann auch zu einem deutlichen Rückschlag kommen kann. Die Aktienmärkte haben zwar 50-60 Prozent der Einbrüche vom Februar und März aufgeholt, doch die Luft wird dünner. Die Bewertungen sind selbst mit normalisierten Gewinnen hoch und unangenehme Überraschungen von Unternehmensseite werden sich zum Teil erst im 2. Quartal zeigen. Das Rückschlagpotential ist in dieser schwierigen Zeit daher für die nächsten 4-8 Wochen hoch.