Investment Komitee Summary – April 2020

Wirtschaftliche Entwicklung wird durch Coronavirus Shutdowns stark gebremst

Der Shutdown weiter Teile der globalen Wirtschaft wird massiv negative Auswirkungen auf das Wachstum mindestes im zweiten Quartal haben. Andere Teile der Welt, wie die USA aber auch UK, werden die Hotspots von Corona werden, da die Regierungen dort zu spät gehandelt haben. Die große Frage ist, wie wird die Erholung nach Corona aussehen, wie lange werden die Maßnahmen in Effekt bleiben müssen und was bedeutet das für die Märkte?

Momentan gehen wir davon aus, dass die Aktienmärkte die Tiefstände von März nochmals testen könnten. Wir erwarten keinen schnellen Turnaround am Markt.

Vor diesem Hintergrund haben wir im Investment Komitee entschieden, unsere Positionierung nicht zu verändern.

  • Wir bleiben vorerst bei einem Aktienexposure nahe Null, d. h. wir haben unser Aktienexpositionen mit Derivaten wie z. B. Futures abgesichert.
  • Wenn auch in den USA die Zeichen wieder auf Erholung stehen, ist mit einer nachhaltigen Erholung an den Kapitalmärkten zu rechnen. Erst dann werden wir Risiken wieder substantiell aufbauen.
  • Bis dahin werden wir vorsichtig positioniert bleiben und nur selektiv Investments mit ausgezeichnetem Chance-Risiko-Profil für unsere Kunden tätigen.

Coronavirus – wo stehen wir?

Die Social Distancing-Maßnahmen fangen an zu greifen: Die Rate der Neuinfektionen in Spanien, Italien und Frankreich geht langsam zurück – das wird (hoffentlich) auch bald in Deutschland zu sehen sein. Die große Frage ist allerdings, bis auf welches Niveau sich die Neuinfektionen reduzieren lassen? Denn an China und Südkorea sieht man, wie schwierig es ist die Rate der Neuinfizierten auf unter 100 zu drücken und sie auch dort festzuhalten. Klar ist, dass es nicht möglich sein wird, das Virus komplett auszurotten. Damit ist die Politik mit der schwierigen Entscheidung konfrontiert, wann man die Social Distancing-Maßnahmen wieder lockern kann, ohne einen starken Anstieg der Neuinfektionen zu riskieren?

Am Beispiel Japans sieht man was passiert, wenn man aus einem Gefühl vermeintlicher Sicherheit zu schnell wieder zur „Normalität“ zurückkehrt: Hier steigt die Zahl der Erkrankten gerade wieder exponentiell. Das sogenannte „Endspiel“ im Kampf gegen das Coronavirus ist momentan nicht klar, denn eine langsame Durchseuchung bis zu 70 Prozent, wie vom Robert-Koch-Institut angeregt, könnte ein bis zwei Jahre dauern.

Die neuen Virus-Hotspots werden vorerst Großbritannien und die USA sein. Beide Länder haben sehr träge reagiert und verfügen über anfällige Gesundheitssysteme.

Wirtschaftliche Auswirkungen des Coronavirus

Mittlerweile ist klar, dass die Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Virus zu einer Rezession der Weltwirtschaft führen werden. Der IMF warnt nun sogar davor, dass die Auswirkungen gravierender als nach der Finanzkrise sein könnten. Kontinentaleuropa befindet sich im Lockdown. Das wird die Wirtschaft mindestens bis ins zweite Quartal dieses Jahres stark belasten und zu deutlichen Einbrüchen führen. Gegen Ende des zweiten Quartals gehen wir davon aus, dass abzusehen sein wird, wie groß der Schaden wirklich ist und wie der „Scherbenhaufen“ aussehen wird.

Die USA stehen wohl vor der tiefsten Rezession seit dem zweiten Weltkrieg. Der US-Arbeitsmarkt ist im freien Fall: Fast zehn Millionen Menschen in den USA haben in den vergangenen zwei Wochen ihren Job verloren. Wie das US-Arbeitsministerium mitteilte, stieg die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe in der vergangenen Woche auf 6,65 Millionen – nach 3,3 Millionen in der Vorwoche. Der Markit-Einkaufsmanagerindex für den Dienstleistungsbereich ist im März so stark wie noch nie gefallen, da die Nachfrage von Haushalten und Unternehmen kollabiert.

Gegenmaßnahmen der Notenbanken und Regierungen

„Whatever it takes“ gilt im Kampf gegen die wirtschaftlichen Auswirkungen der Virus-Eindämmung nun nicht nur für die Notenbanken, sondern auch für die Regierungen der meisten Industrienationen. Weltweit werden Konjunkturprogramme mit beispielloser Größe aufgelegt, was zu einem enormen Anstieg der Staatsverschuldung führen wird.

Die Notenbanken haben ihre Zinsen drastisch gesenkt und injizieren Liquidität. So kauft die EZB so viel Anleihen wie noch nie zuvor und auch die US-Notenbank hat ein unbeschränktes QE-Programm aufgelegt. Primär geht es darum, der Finanzindustrie genug Liquidität zu geben, da Unternehmen ihre Kreditlinien beanspruchen, Kredite nicht mehr bedient werden können und, im worst case, es wieder zu einer Vertrauenskrise kommen könnte. Aber auch die Märkte haben sich durch die Maßnahmen wieder beruhigt und der freie Fall der Märkte ist erst einmal gestoppt.

Wie geht es weiter? Wie könnten wir aus der Krise kommen?

Eine sogenannte V-förmige Erholung ist unserer Meinung nach unwahrscheinlich angesichts der Schwere der Krise. Elementar wird sein, wie die USA aus der Krise kommen. Wir gehen davon aus, dass es dort sicherlich bis Ende April spätestens Mitte Mai dauert, bis die Regierung Corona einigermaßen im Griff hat; in Europa sehen wir hierfür erste Anzeichen, weil schneller und entschiedener reagiert wurde. Wir gehen auf Basis dieses Szenarios von einer sogenannten U-förmigen Erholung aus. Zum Ende des zweiten Quartals werden wir erkennen, wie schlimm der Schaden für die Wirtschaft und wie groß der Scherbenhaufen wirklich ist.

Die Aktienmärkte werden allerdings schon vorher wieder anspringen – wir gehen davon aus, dass die Märkte nochmals in den nächsten Wochen die Tiefstände testen werden, um dann Ende April Anfang Mai wieder anzuziehen.