FEDe Beute oder abwarten und Tee trinken?

Langsam sinken die Temperaturen nach den vergangenen heißen Hundstagen und wir gönnen uns gerne mal wieder eine gute Tasse Tee. Vielleicht auch die richtige Strategie für die Kapitalmarktteilnehmer nach der letzten Sitzung der FED?

Nach Veröffentlichung des letzten FED-Sitzungsprotokolls am Mittwochabend wandten sich die seherischen Fähigkeiten der Marktakteure weg von der Glaskugel und hin zur Frage, was sie und damit praktisch die ganze Finanzwelt jetzt erwarten könnten. Das aktuelle minutes der FED lässt im Prinzip nur eine Lesart zu, das interessante sind dabei vielmehr die Betonungen:

• die aktuell gültige Zinsspanne von 1,75 bis 2,0 Prozent bleibt vorerst bestehen
• die (bereinigte) Inflationsrate von 2,0 Prozent als Zielmarke der US-Notenbank und auch
die Vollbeschäftigung scheinen mittelfristig immer noch erreichbar, die Inflationsrate
eventuell sogar bis Ende des Jahres
• die Zeichen stehen weiterhin auf akkommodierend, was bedeutet, dass die FED imstande
ist, ihre Geldpolitik jeder Entwicklung nach oben oder unten anzupassen
• weitere Zinsschritte sollen im Einklang mit der Entwicklung wichtiger Kennzahlen –
also Arbeitslosenquote (Juni: 4,0 Prozent), Konjunktur und Inflation – vorgenommen werden

So weit, so erwartet und so gut für den Dollar, der sich gegenüber anderen Währungen behauptete und damit die Zuversicht der Anleger widerspiegelte, dass die FED entschlossen ist, ihren eingeschlagenen Pfad weiter zu beschreiten, wenn auch bei offener Schrittgrößenordnung.

Handelskonflikte mit Argusaugen betrachtet

Einige Textpassagen aus dem FED-Sitzungsprotokoll sorgten jedoch dafür, dass mancher Marktbeobachter diese mit seinem Textmarker unterstrich: Escalating trade tensions between China and the United States prompted notable market moves, particularly in foreign exchange markets.

Die mittlerweile multilateralen Handelskonflikte, bei denen sich die USA mit China, der EU, Russland und der Türkei wechselseitig mit immer höheren Strafzöllen auf immer mehr Produkte überziehen, bereiten nicht nur der US-Notenbank Sorgen. Donald Trumps Ärger darüber, dass der von ihm ins Amt gehobene US-Notenbankchef Jerome Powell tatsächlich nicht der „cheap-money Fed chairman“ sei, den sich der US-Präsident gewünscht hatte, sendet verstärkende Signale aus. Denn der Versuch der Einflussnahme auf die unabhängige amerikanische Zentralbank könnte Unsicherheiten darüber aufkommen lassen, wie sich Donald Trump verhalten wird, wenn Powell im September den nächsten Zinsschritt verkündet und dem mächtigsten Mann der Welt trotzt. Die FED wiederum würde wieder einmal mehr ein starkes Signal als unabhängige Zentralbank ausstrahlen und damit einhergehende Zuversicht für die Märkte.

In diesem Kontext interessant sind die Ergebnisse einer aktuellen Reuters-Umfrage unter Ökonomen zu den zukünftigen Entwicklungen in den USA. Diese sagen ein Wachstum des US-BIP im dritten Quartal 2018 von 3,0 Prozent und in Q4 von nur noch 2,7 Prozent voraus. Zum Vergleich erreichte das abgelaufene Quartal ein Wachstumsplus von 4,1 Prozent.

Was das Timing der FED-Zinserhöhungen angeht, sind sich die Ökonomen einig: Sowohl dieses Jahr wie auch 2019 wird die US-Notenbank zwei weitere Zinsschritte ankündigen. Ob sie diese auch tun wird, um im Falle einer Rezession einen ausreichend großen Spielraum für dann etwaige wieder notwendige Zinssenkungen zu haben, bleibt nicht nur bei der Reuters-Umfrage unklar. Fest steht jedoch: Die Ökonomen schreiben die Verlangsamung des US-Wirtschaftswachstums dem fast schon inflationären Verhängen von US-Strafzöllen zu.

All eyes auf Jackson Hole

Daher wird mit umso mehr Spannung die Rede von Jerome Powell auf dem Economic Symposium in Jackson Hole Wyoming erwartet, einem von der Federal Reserve Bank of Kansas City organisierten Treffen der US-Notenbankchefs und anderer namhafter Ökonomen, Politiker und Finanzexperten. 1978 und damit vor genau 40 Jahren hatte das Symposium Premiere. Ob es auch für die Marktakteure einen Grund zum Feiern geben wird, entscheidet sich bei der Rede Powells.

Wird er den Analysten deutlich signalisieren, wie es nach 2019 mit den Zinsen weitergehen wird und wie die FED auf wachsende Unwägbarkeiten im Welthandel reagieren will? Strebt Powell wirklich die Marke von 3,0 Prozent an – und damit eine Normalisierung? Wird er womöglich die nächsten Erhöhungen für 2018 infrage stellen und sich damit Trumps Druck beugen, der den Wirtschaftsmotor gerne noch bis mindestens zu den Midterm-Wahlen im November mit billigem Geld anfeuern würde? Ein fatales Fanal für die Finanzmärkte. Wird er das Geld und damit auch den Dollar weiter verteuern, was für Trump wiederum strategische Nachteile bei den Handelskonflikten mit China und der EU brächte?

Die Gastgeberin in Jackson Hole, Esther George, Chefin der Federal Reserve Bank of Kansas City, setzt hier deutlichere Statements: Sie hält zwei Zinsanhebungen noch in diesem Jahr für angemessen, abhängig von der weiteren (positiven) Entwicklung der Wirtschaft. Zudem, so betonte sie in einem Bloomberg-Interview am vergangenen Donnerstag im Vorfeld des Economic Symposiums, wirke sich die Kritik von US-Präsident Donald Trump in keiner Weise auf künftige FED-Entscheidungen aus.

Für unsere Vermögensverwaltung halten wir weiterhin unseren Kurs: Aktien, Bundesanleihen, US-Staatsanleihen, Gold und sicheren Währungen. Wir glauben an die Chancen der Aktien, insbesondere US-Aktien. Im Zuge des stärker werdenden Dollars (Türkeikrise) haben wir unsere Dollarquote weiter angehoben. Die USA und die Handelskonflikte werden wir dennoch kritisch im Auge behalten. Sehen wir Anzeichen, dass unser Risikoszenario eintritt, werden wir einem Kursverfall der Märkte nicht untätig zusehen, sondern entsprechend unserem Ansatz Gewinne sichern, unsere Risikobudgets verteidigen und, falls nötig, in »sichere Häfen« umschichten. Nach Jackson Hole blicken wir daher mit einer guten Tasse Tee.