Berichtssaison 2.0 – Die wahre Stärke deutscher Unternehmen

Die heiße Phase der US-Berichtssaison hat begonnen. Abgesehen von ein paar prominenten Enttäuschungen verläuft sie bislang überwiegend erfreulich. Laut der Researchfirma FactSet sagen Analysten für das zweite Quartal einen Anstieg beim Umsatz um neun Prozent für die Unternehmen des S&P 500 vorher. Gleichzeitig soll der Gewinn um gut 20 Prozent nach oben schießen. Das wäre das zweitstärkste Wachstum seit dem dritten Quartal 2010. Zu den guten Ergebnissen trägt neben der US-Steuerreform auch der zwischenzeitlich schwächere Dollar bei.

Deutschlands Konzerne sind nicht schlechter, konnten teilweise ebenfalls mit sehr guten Zahlen aufwarten. Ein Beispiel dafür ist Adidas, die nicht nur vom Sportgroßereignis Fußballweltmeisterschaft besser profitierten als gedacht, sondern auch erfolgreich neue, teure Produkte auf dem Weltmarkt positionieren konnten. Die Börse belohnte das mit entsprechendem Kursaufschlag.

Schaut man sich die Entwicklung des DAX der vergangenen Handelswochen zur Gänze an, so stellen wir fest, dass die Anleger dementsprechend an den Markt zurückgekehrt sind. Vor allem die Ausblicke der Unternehmen wurden positiv von den Börsianern quittiert.

Der Erfolg deutscher Unternehmen ist kein Zufall

Die wahre Stärke deutscher Unternehmen ist nicht allein der weltweite Absatz ihrer Produkte. Am Beispiel von Volkswagen erkennt man, dass zur Maximierung des Gewinns eines neu erschlossenen Absatzmarktes eben auch die Produktion der Güter vor Ort sehr von Vorteil ist.

Auf diese Art und Weise sind neue strategische Allianzen und Handelsabkommen – vor allem mit China und Japan – entstanden, die alte „Abhängigkeiten“ reduziert und somit die deutsche Wirtschaft „wetterfester“ gemacht haben.

Bei aller spürbaren Erleichterung über diese weitgehend positiven Entwicklungen der Unternehmenszahlen in Deutschland, der EU und auch weltweit, die wichtigste Voraussetzung für eine weiterhin prosperierende Weltwirtschaft ist der freie Handel. Der kürzlich verhandelte „Deal“ zwischen Donald Trump und Jean-Claude Juncker war ein wichtiges Signal hierfür und könnte im weiteren Jahresverlauf seine positive Wirkung entfalten.

Neben den bereits beschriebenen positiven Signalen sollte man eines der besten Argumente für eine gute Börsenphase in der zweiten Jahreshälfte nicht aus den Augen verlieren: Das aktuelle Kurs-Gewinn-Verhältnis des Deutschen Aktienindex liegt bei 12,7. Damit liegt es weit unter dem 30-Jahre-Durchschnitt von 19 und zeigt, dass deutsche Aktien noch günstig bewertet sind.

So glauben wir, bei aller Unsicherheiten, die durch die politischen Entscheider jenseits des Atlantiks immer wieder aufkommen, valide Chancen auf ein erfreuliches zweites Börsenhalbjahr zu sehen.

Fazit

Unser Kurs für die nächsten Monate bleibt weiter gesetzt: Wir glauben an die Chancen der Aktien, verlieren aber weder den Handelskrieg noch Italien aus den Augen und halten an unseren Gegengewichten fest. Wenn unser Risikoszenario eintritt, werden wir einem Kursverfall der Märkte nicht untätig zusehen, sondern entsprechend unserem Ansatz Gewinne sichern, unsere Risikobudgets verteidigen und, falls nötig, in »sichere Häfen« umschichten.