Die Europäische Wirtschaftsdynamik und das Comeback der Gemeinschaft

Die vor gut einem Jahrzehnt ausgebrochene globale Finanz- und Wirtschaftskrise hat die Weltmärkte erschüttert, ernüchtert und quasi auf den Kopf gestellt, da vielen nicht nur im übertragenen Sinne der Boden unter den Füßen weggezogen wurde und vieles auf wackligen Beinen stand.

Nun aber scheinen sich die Finanzmärkte weltweit wieder erholt zu haben und nicht nur eine kurze Verschnaufpause von den Verwerfungen der letzten zehn Jahre einzulegen. Zeichen dafür, dass die wirtschaftliche Wachstumsdynamik in der Breite der europäischen Staaten zurückgekehrt ist, zeigen sich an den Aktienmärkten, genauso wie auch die Spread-Entwicklung der Staatsanleihen dies reflektiert.

Der Beschluss der Europäischen Zentralbank, das Asset Purchase Programme (APP) ab Ende September schrittweise herunterzufahren und bis Ende des Jahres schließlich ganz einzustellen, aber auch die heutige Entscheidung der Eurogruppe, Griechenland bald aus dem Rettungsprogramm zu entlassen, deuten ebenso darauf hin, dass die Koordinaten in Richtung eines nachhaltigen Aufschwungs weisen. Zudem zeigen sie, dass künftig wieder die Zinspolitik als (einziges) Lenkungsinstrument der EZB im Driver Seat sitzt.

„As long as necessary“ statt „Whatever it takes“

Die Entscheidung des EZB-Rats in Riga, die Leitzinsen mindestens bis über den Sommer und so lange wie erforderlich auf dem aktuellen Niveau zu belassen, reflektiert, dass die EZB weiterhin einen wohldosierten und kommunikativ gut begleiteten Pfad der Normalisierung der Zinspolitik beschreitet. Aus „Whatever it takes“ ist zwar ein „As long as necessary“ geworden, geblieben ist jedoch die Überzeugung und Botschaft, dass der Weg „hin zu einer nachhaltigen Anpassung des Inflationspfads“ vor allem geduldig und schrittweise vollzogen werden muss.

Auch die jüngste EZB-Wachstumsprognose stützt diesen begründeten Optimismus. Für das laufende Jahr prognostiziert sie ein BIP-Plus von 2,1 Prozent. 2019 wird die europäische Wirtschaft dann voraussichtlich 1,9 Prozent und 2020 noch 1,7 Prozent wachsen. Entsprechend positiv fielen auch die Reaktionen an den Renten- und Aktienmärkten aus.

Merkel und Macron „marchieren“ voran

Derweil marschieren Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsident Emanuel Macron entschlossen und geschlossen in Richtung einer besseren und tieferen europäischen Integration. Das Mitte Juni in Meseberg getroffene bilateral erneuerte „Versprechen Europas für Sicherheit und Wohlstand“ ist nichts weniger als der mehrere Punkte umfassende Vorschlag einer grundlegenden Reform der Euro-Zone. Dazu gehören neben staatlichen Investitionen in Infrastruktur und Technologie vor allem auch die Einrichtung eines gesonderten Euro-Zonen-Budgets, der Umbau des Euro-Rettungsmechanismus ESM nach IWF-Vorbild, die Stärkung der Bankenunion und deren Transformation hin zu einer Kapitalmarktunion. Kurzum: Merkel und Macron geht und ging es um nichts weniger als um die längst überfällige Vollendung der Währungsunion.

Natürlich bleibt abzuwarten, welche dieser und anderer deutsch-französischen Beschlüsse auf dem EU-Gipfel am 28. und 29. Juni in Brüssel Anklang oder Ablehnung finden, welche anderen Staaten dazu bereit sind, das gemeinsame Euro-Währungsgebiet neu zu kartographieren und wie viel von Merkels und Macrons bilateralen Vorstößen in künftige Pläne der EU zur Reform der Eurozone einfließen werden. Doch gerade mit Hinblick auf eine mögliche Zuspitzung der politischen und wirtschaftlichen Krise in Italien, die vielleicht auch ein beherztes Eingreifen der europäischen Institutionen verlangen könnte, ist eine noch stärkere weil enger zusammengerückte Euro-Zone die adäquate Antwort.

Gerade hinsichtlich möglicher europäischer Krisen(staaten)szenarien haben Deutschland und Frankreich mit ihrer Initiative und ihrem Maßnahmenkatalog etwas Wichtiges und tatsächlich Bewegendes im Sinn.

Fazit:

Vieles, was über die weitere wirtschaftliche Entwicklung der Industriestaaten im Allgemeinen und der EURO-Zone im Besonderen entscheiden kann, ist positiv in Bewegung geraten. Welche Maßnahmen davon ihre Wirkung entfalten, kann noch nicht abschließend beurteilt werden. Umso wichtiger ist es für uns, alle möglichen Szenarien auf dem Radar zu behalten und im Hinblick auf die Erzielung einer nachhaltig absoluten Rendite die Portfolien unserer Kunden robust und wetterfest auf die jeweilige Situation anzupassen.