Investment Komitee Summary – Dezember 2019

Der Dezember wird ein „Make or Break“-Monat für die Kapitalmärkte

Für Investoren wird es im Dezember nochmal spannend. Alle Augen richten sich auf den 15. Dezember. Das ist der Tag, an dem es entweder ein Phase 1 Abkommen zwischen den USA und China geben wird oder aber neue Zölle auf chinesische Güter. Falls es zu einer Einigung käme, stünden die Zeichen gut für eine Fortführung der Jahresendrally und den Start einer zyklischen Erholung der weltweiten Konjunktur. Vor diesem Hintergrund haben wir folgende Entscheidungen getroffen:

  • Falls es am 15. Dezember zu einem Deal kommt, erhöhen wir die Aktienquote im ausgewogenen Profil.
  • Bei Renten halten wir die Durationen gering und bauen sie sukzessive ab.
  • Den Dollar lassen wir untergewichtet.
  • Gold-Position behalten wir als sicheren Hafen und Versicherung „no Deal“ am
    15. Dezember.

Phase 1 Deal am 3. Advent?

Es bleibt wie gewohnt spannend bei den Handelsverhandlungen zwischen den USA und China. Der 15. Dezember wird entscheiden, ob es an den Kapitalmärkten eine Belebung oder eine Erschütterung geben wird: Knecht Donald oder aber Santa Donald werden den weiteren Weg der Märkte bestimmen. Falls es keinen Deal gibt, ist auch eine Wiederholung des letzten Dezembers nicht ausgeschlossen. Donald Trump gerät innenpolitisch immer mehr unter Druck. In den sogenannten „Purple States“ oder „Wechselwählerstaaten“ verschlechtert sich seine Popularität zusehends. Das liegt nicht zuletzt an seiner Wirtschaftspolitik, unter der die Industrieproduktion in den USA leidet und mit ihr potenziellen Wähler in den Staaten, in denen der Großteil der amerikanischen Industrie beheimatet ist. Rational sinnvoll wäre es für Trump also, einem Deal zuzustimmen.

Chinas Wirtschaft erstaunlich stabil

In China gibt es zwei Einkaufsmanagerindizes: Den offiziellen und den des Wirtschaftsmagazins „Caixin“. Im Dezember ist der Caixin PMI für das Verarbeitende weiter gestiegen und deutet auf eine moderate Erholung der Industrie in China hin. Die fiskalpolitischen Maßnahmen und die Zinssenkungen der chinesischen Notenbank scheinen Früchte zu tragen. Natürlich leidet die Wirtschaft weiter unter den Handelsauseinandersetzungen; aber es gibt Anzeichen für eine Stabilisierung.

Die USA schwächen sich ab

Der Handelskrieg hat vor allem zu einer globalen Schwäche der Industrieproduktion geführt. Während sich die USA lange Zeit wegen des großen US-amerikanischen Binnenmarkts als immun ansahen, verdeutlichen sich die Zeichen, dass die amerikanische Industrie sich deutlich abschwächt.

Der Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe ist im November überraschend auf einen Wert von 48.1 Punkten gesunken – alles unter 50 deutet auf eine Kontraktion der Industrie hin. Auch die Industrieproduktion im Oktober ist auf den niedrigsten Stand der vergangenen 17 Monate gefallen. Hier wird Donald Trumps Problem noch einmal sehr deutlich: Es sind genau die sogenannten „Blue Collar Worker“– also die Arbeiter, die unter seiner Politik leiden und es sind aber auch genau diese Menschen, die über seine Wiederwahl entscheiden könnten.

Europa ist erleichtert – ein harter Brexit vom Tisch

Der harte Brexit, ein unkontrolliertes Ausscheiden Großbritanniens aus der EU, ist mit großer Wahrscheinlichkeit vom Tisch. Am Donnerstag, den 12. Dezember, steht die Parlamentswahl in Großbritannien an. Da sich das derzeitige Parlament nicht auf einen gemeinsamen Kurs bezüglich des Brexit einigen konnte, wurden Neuwahlen beschlossen. Es gilt als relativ wahrscheinlich, dass die Konservativen und damit Premierminister Boris Johnson als Sieger aus der Wahl hervorgehen werden. Aktuellen Umfrageergebnissen zufolge dürften die Tories auf 43 Prozent kommen, während die Labour-Partei 32 Prozent erreichen dürfte. Sollten die Konservativen die Wahl tatsächlich für sich entscheiden, wäre der Weg für den geordneten Ausstieg Großbritanniens aus der Europäischen Union am 31. Januar 2020 frei. Im Anschluss daran dürften sich die EU und Großbritannien in Verhandlungen auf ein Freihandelsabkommen einigen.

Investment Komitee Summary – November 2019

Schon lange gab es nicht mehr so viele positive Nachrichten auf einmal: Die politischen Unsicherheiten haben sich mit der Ankündigung eines „phase one“-Deal zwischen den USA und China deutlich verringert und selbst ein harter Brexit ist mehr oder weniger unmöglich geworden. Nach dem Stimmungstief im September haben sich die Stimmungsindikatoren – vor allem die Einkaufsmanagerindizes und die OECD-Frühindikatoren – erholt und die Marktteilnehmer scheinen wieder deutlich optimistischer zu sein. Deshalb haben wir im Laufe des Oktobers und in unserem Investmentkomitee Anfang November folgendes entschieden:

  • Wir haben die Zinssensitivität unserer Portfolios durch den Verkauf von US-Staatsanleihen und Bundesanleihen nahezu auf Null reduziert.
  • Wir wollen die Aktienquote im ausgewogenen Profil, je nach Marktentwicklung, bis auf 40 Prozent steigern und uns regional vor allem auf Europa, Japan und die Schwellenländer fokussieren.
  • Die Goldposition verbleibt als einzige nennenswerte „safe haven“-Position in den Portfolien.

Deutliche Verringerung der politischen Unsicherheiten

Ein harter Brexit und damit ein herber Schlag für die europäische Wirtschaft ist vom Tisch. Es wird am 12. Dezember Neuwahlen in Großbritannien geben. Falls Boris Johnson und die Tories gewinnen, hat er versprochen den ausgehandelten Deal bis Ende Januar umzusetzen. Falls Labor gewinnen sollte, könnte es ein neues Referendum geben.

Der US-China Handelskonflikt hat mit dem angekündigten „phase one“-Deal eine ebenso überraschend positive Wende genommen. Es wird nicht der große Wurf werden. Wichtig ist die Symbolik und der offensichtlich politische Wille des US-Präsidenten Trumps, sich auf die Chinesen zuzubewegen.

Trump braucht einen Deal für die Wiederwahl

US-Präsident Trump will im nächsten Jahre wiedergewählt werden. Amerikaner wählen gerne die Kandidaten, von denen sie sich mehr wirtschaftlichen Erfolg für sich persönlich erhoffen. Und hier liegt die Crux:  Die wirtschaftliche Entwicklung der Bundesstaaten, die keine feste Mehrheit bei den Republikanern oder Demokraten haben, entscheidet die US-Wahl. Diese Bundesstaaten werden gerne „Purple States“ genannt. Die Ergebnisse der letzten Wahl zeigen, dass diejenigen „Purple States“, die Trump gewählt haben, ein deutlich niedrigeres Gehaltsniveau im Vergleich zu den anderen Bundesstaaten aufweisen. Dass diese „Purple States“ bei der nächsten Wahl nicht zu „Swing States“ – also Demokratischen Staaten – werden und die Wahl verloren geht, muss Trump handeln: Wir gehen daher davon aus, dass es einen „phase one“-Deal geben wird.

Zyklische Erholung ist das wahrscheinlichste Szenario

Der sogenannte „Schweinezyklus“ des Abbaus der Lagerbestände scheint einer der großen Treiber der jüngsten Schwäche gewesen zu sein. Durch die Verringerung des politischen Risikos ist der Weg frei für eine zyklische Erholung: Die Frühindikatoren deuten auf mehr Optimismus in den „Board Rooms“ hin, die Lagerbestände sind fast vollständig abgebaut und nicht zuletzt ist der weltweite Konsum weiterhin stabil.  Hinzukommt, dass fast alle großen Notenbanken in einen neuen Zinssenkungszyklus eingestiegen sind und damit die Finanzierungskonditionen sehr attraktiv bleiben. Auch die Fiskalpolitik ist unterstützend. Deshalb denken wir, dass es zu einer zyklischen Erholung kommt.

Rentenmarkt „normalisiert“ sich weiter

 Die Renditen steigen wieder nachdem sie über den Sommer bis in den Frühherbst stark gefallen waren. Auch die Erwartungen an die Notenbank und die weiteren Zinssenkungen sind deutlich moderater geworden: Die Renditekurve wird wieder steiler. Das heißt, die Rentenmärkte preisen ebenso eine bessere wirtschaftliche Erholung ein.

Welche Aktienmärkte dürften von dem „Mix“ besonders profitieren?

 Wir planen, vor allem in Europa, in den Schwellenländern und in Asien-Pazifik hinzuzukaufen. Diese Regionen waren besonders stark durch die politischen Unsicherheiten getroffen und haben mehr Rückschläge hinnehmen müssen. Deswegen sehen wir auch bei einer Erholung durch den Wegfall der Unsicherheiten in diesen Regionen mehr Potenzial.

Investment Komitee Summary – Oktober 2019

Der Handelskrieg zwischen den USA und China geht in eine neue Verhandlungsrunde, allerdings scheinen wenige Investoren an eine Lösung zu glauben. Zu festgefahren sind die Positionen und ähnlich, wie bei den letzten beiden Verhandlungsrunden, haben sich die US-Wirtschaftsdaten verschlechtert, während die chinesischen sich stabilisiert und verbessert haben. Hinzukommt, dass die jüngsten Kursgewinne, zumindest in den USA, eine kräftige Erholung einpreisen – das dürfte momentan, angesichts der in die entgegengesetzte Richtung deutenden Signale verschiedener Frühindikatoren, nicht realistisch sein. Aufgrund dieser Dissonanz zwischen hohen Aktienmarkterwartungen und der schwachen wirtschaftlichen Entwicklung, haben wir uns entschieden, die Aktienquote weiter zu reduzieren.

Executive Summary:

  • Aktienquote im ausgewogenen Mandat um 5 % reduzieren
  • Goldposition behalten, Silber beobachten, falls Erholung einsetzt
  • Globale Immobilien/REITs leicht aufstocken
  • Asia Pacific/Japan unverändert belassen

China und USA sprechen wieder miteinander

In letzter Zeit kommen Abgesandte beider Supermächte wieder zusammen: Das formale Ziel ist es, einen Deal im Handelsstreit auszuarbeiten. Das scheint allerdings schwierig, denn die Chinesen spielen zusehends „Hardball“, wie einem Bericht von Bloomberg zu entnehmen ist. Angeblich sind sie nicht mehr bereit, eine der Kernforderungen der USA zu adressieren, nämlich ihre Industriepolitik zu reformieren. Es scheint, als ob sich die Machtbalance zwischen den USA und China verändert hat: Die US-Wirtschaft zeigt deutlichere Zeichen der Schwäche als im Vormonat und Präsident Trump droht ein „Impeachment“-Verfahren. Die chinesische Wirtschaft hingegen scheint sich zu stabilisieren und politisch ist China stabil.

Notenbanken kämpfen um Inflation

 Noch vor einem Jahr sprach man in Notenbankerkreisen vor allem von „Normalisierung“ – das heißt, einem Abbau der außergewöhnlichen Maßnahmen und von Zinserhöhungen. Seitdem ist einiges passiert: Vor allem die Inflationserwartungen kommen massiv zurück und das nicht nur in der Eurozone. Die Wiederauflage von QE hat in Europa für viel Kritik gesorgt, doch die EZB läuft Gefahr, dass sich die Inflationserwartungen „verselbstständigen“ und das wäre eine Bankrotterklärung für die Notenbank. In den USA ist die Notenbank – ungewollt – zum Spielball der Politik geworden, denn je mehr Trump den Handelskrieg befeuert, desto stärker wird die FED wohl die Zinsen senken müssen. Negative Zinsen werden in Europa wohl länger als gedacht bleiben – „lower for longer“ bekommt dieser Tage eine neue Bedeutung. Und auch in den USA stehen die Zeichen auf weitere Zinsschritte nach unten.

Aktienmärkte preisen Erholung ein

 In der Vergangenheit konnte man einen relativ stabilen Gleichklang von Einkaufsmanagerindizes und den Aktienmärkten beobachten. Momentan ist die Situation anders: Die Aktienmärkte preisen eine kräftige Erholung ein – besonders in den USA – und die Einkaufsmanagerindizes sind schwach und gehen weiter zurück. Wir gehen davon aus, dass die Märkte die Erholungsaussichten der Wirtschaft zu positiv einschätzen und daher ein starkes Rückschlagpotential haben.

Globale Immobilien/REITS profitieren von den taubenhaften Notenbanken 

 Fallende und niedrigere Zinsen bzw. negative Zinsen sind Treibstoff für globale REITS, die günstiger sind als die meisten Aktien. Hinzukommt, dass gerade im wichtigen US-Markt die Situation der privaten Haushalte stabil ist und es keine massive Überschuldung gibt. Im Gegenteil: Die US-Konsumenten sparen sogar. Auch das sorgt für eine weitere Attraktivität der Assetklasse relativ zu Aktien.

Gold sehr teuer, aber ein „safe haven“

 Obgleich der Goldpreis schon sehr weit gelaufen ist, haben wir uns entschieden, Gold weiter zu halten. Falls es doch zu einer globalen wirtschaftlichen Erholung kommen sollte, denken wir, dass Silber das attraktivere Edelmetall ist. Momentan leidet Silber allerdings unter der Schwäche der Industrie und wird sich erst erholen, wenn es hier Aussichten auf Besserung gibt. Dann planen wir, Gold zu verkaufen und in Silber zu investieren. Aber zuerst muss eine glaubhafte Trendwende sichtbar werden.

Investment Komitee Summary – September 2019

Angesichts der weiteren Eskalation im Handelskonflikt, gepaart mit deutlichen Zeichen einer wirtschaftlichen Abschwächung vor allem in der westlichen Welt, dürften die Aktienmärkte in den nächsten Monaten kein nachhaltiges Potenzial haben. Auch die anstehenden Maßnahmen der Notenbanken – Zinssenkungen in den USA und weiter unkonventionelle Schritte seitens der Europäischen Zentralbank – dürften zu großen Teilen schon in den Märkten eingepreist sein.

Executive Summary:

  • Reduzierung der Aktienquote über Investitionen in Discountprodukte
  • Übergewichtung USA noch beinhalten
  • Aufbau von japanischen Staatsanleihen in Yen als Alternative zu Bunds
  • Aufstockung von Gold als Alternative zu Staatsanleihen angesichts der negativen Renditelandschaft

Gewinnwachstum in Japan, Europa und USA tendiert gegen Null

Noch vor wenigen Monaten gingen die Märkte von einer Erholung der Wirtschaft und damit auch der Gewinnsituation im zweiten Halbjahr aus. Dies hat sich nun deutlich geändert. Der Handelskonflikt, die Unsicherheiten durch den bevorstehenden Brexit und auch die geopolitischen Spannungen um den Iran haben deutliche Bremsspuren hinterlassen und das Rezessions-Gespenst erweckt. Angesichts dieser Gemengelage wird wohl auch das dritte und vierte Quartal dieses Jahres schwierig sein. In den USA wird eine Gewinnwachstumsverlangsamung auf nahe 0 % bis Ende 2019 erwartet. Auch Europa und Asien werden kein Gewinnwachstum erreichen. Gepaart mit den eher teureren Bewertungen an den globalen Aktienmärkten und dem spätzyklischen globalen Wachstumsbild sehen wir derzeit kein größeres Potenzial an den Aktienmärkten. Wir verkaufen daher die nicht zu erwartenden Chancen und investieren in Seitwärtsstrategien.

Handelskonflikt eskaliert weiter – Einigung immer unwahrscheinlicher

Der Handelskonflikt zwischen den USA und China scheint zusehends unlösbar zu werden. Beide Parteien brauchen ein „gesichtswahrendes“ Verhandlungsergebnis. Auch wenn es wieder eine neue Ankündigung zu Gesprächen Anfang Oktober gibt, erwarten wir keine Lösungen. Präsident Trump wird zusehends unter Druck geraten, denn auch die US-Wirtschaft zeigt erste Zeichen einer Abschwächung und verliert ihre Immunität gegen den Handelskrieg. Die chinesische Wirtschaft hingegen scheint sich zu stabilisieren. Mit dieser Entwicklung könnte sich die Verhandlungsposition der USA abschwächen. China hat lange in dem Konflikt nur „reagiert“, Beobachter schätzen die jüngste, kräftige Abwertung der chinesischen Währung gegen den US-Dollar allerdings als ein Zeichen dafür ein, dass China zusehends aggressiver wird. China wird sich nach den historischen Erfahrungen des Kolonialismus von den USA nicht dominieren lassen.

USA vor Rezession?

Die Rentenmärkte spielen schon mit einem Rezessionsszenario. Die Zinsstrukturkurve ist invertiert (Die Zinsen für US-Staatsanleihen mit zwei Jahren Laufzeit liegen über den Zinsen für zehn Jahre Laufzeit), was in der Vergangenheit auf eine nahende Rezession in den USA hingedeutet hat. Hinzu kommt, dass nun auch die Frühindikatoren (Einkaufsmanagerindizes) unerwartet schwach waren. Die US-Notenbank hält zwar dagegen, hat schon im Juli einmal die Zinsen gesenkt, allerdings ist die Frage, wieviel die Geldpolitik gegen einen drohenden Abschwung unternehmen kann. Für den Moment stützt immerhin der private Verbrauch in den USA weiter das Wachstum.

Notenbanken – wieviel Feuerkraft haben sie noch?

Sowohl die FED als auch die EZB haben sich erneut in den „Lockerungsmodus“ begeben. Die FED hat die Zinsen schon im Juli erstmals gesenkt, der Markt geht von weiteren Zinsschritten in diesem und im nächsten Jahr aus. Die EZB hat es bisher bei Ankündigen belassen, doch sind die Erwartungen an die Notenbank sehr hoch, noch im September ein umfangreiches Maßnahmenpaket zu verabschieden. Europäische Staatsanleihen haben hier schon viel vorweggenommen – die Renditen sind zu großen Teilen negativ bzw. auf Rekordtiefstände gefallen, da der Markt von einer Neuauflage des europäischen „QE-Programm“ aufgrund der gestiegenen Rezensionsgefahr ausgeht. Klar ist allerdings auch, dass die EZB die Wirtschaft nicht retten kann. Sie benötigt die Hilfe der Politik dazu. Die Vorzeichen dafür sind angesichts negativer Zinsen insbesondere für Deutschland eigentlich ideal um Investitionsprogramme in Infrastruktur, Digitalisierung und Bildung aufzulegen, die positive Renditen für den Staat erwirtschaften. Folgendes Beispiel soll ein für den Staat risikofreies Vorgehen skizzieren: Wenn der deutsche Staat für 100 Mrd. € auf 10-Jahre Laufzeit neue Schulden macht und die Verzinsung bei -0,62 % liegt, muss er typischerweise keine jährlichen Zinszahlungen machen und am Ende der Laufzeit nur ca. 94 Mrd. € zurückzahlen. Wenn der deutsche Staat von den eingenommenen 100 Mrd. € also 94 Mrd. € bei der Bundesbank für die Begleichung der Schuld einlagert, verbleiben immer noch 6 Mrd. € für Investitionen – ohne jegliches Risiko für den Staat. Leider haben zumindest deutsche Staatslenker diese Arithmetik noch nicht verstanden.

Gold gewinnt an Attraktivität

Je mehr Staatsanleihen mit negativer Rendite notieren, desto attraktiver wird Gold, denn ähnlich wie bei einer Investition in Gold gehe ich als Investor in z. B. Bundesanleihen davon aus, dass ich jemanden finden werde, der die Anleihe oder das Gold zu einem höheren Preis von mir kauft. Ansonsten bleibe ich auf den Kosten (bei Gold) oder den negativen Zinsen sitzen und zahle jeweils für das Privileg Gold bzw. Bundesanleihen zu halten. Auch wenn der Goldpreis in den letzten Monaten schon stark zugelegt hat, bleibt Gold ein interessantes Asset solange die Notenbanken die Zinsen weiter senken oder negativ halten.  Da wir uns momentan am Anfang der konjunkturellen Abschwächung befinden, sind Zinserhöhungen in den vorhersehbaren Zeiten rundum auszuschließen, was die Attraktivität des Goldes unterstützt.

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Investment Komitee Summary – August 2019

Executive Summary:

Seit Freitag letzter Woche sind die Hoffnungen auf eine baldige Einigung im Handelskrieg zwischen den USA und China verpufft. Präsident Trump hat neue Zölle auf nun fast alle chinesischen Importe angekündigt; die Chinesen haben als Reaktion darauf ihre Währung abgewertet. Der Handelskrieg hat sich zum Währungskrieg ausgeweitet. Wie es weiter geht, ist ungewiss und die Kapitalmärkte dürften nun erst mal unter Stress kommen.

Vor diesem Hintergrund haben wir beschlossen:

  • Die Aktienquote (um 5 %) zu reduzieren.
  • Mittel- bis langfristige US-Treasuries aufzubauen.
  • Gold ebenso leicht aufzustocken.

Wir glauben, so unser Portfolio wetterfest für einen wahrscheinlich schwierigen August machen zu können und werden bei weiteren negativen Anzeichen für die Wirtschaft erneut Risiken zugunsten von Sicherheit umschichten.

Handelskrieg erreicht neues Eskalationsniveau

Mit der Ausweitung der Zölle erreicht der Handelskrieg ein neues Niveau. Nun werden auch die amerikanischen Konsumenten die Auswirkungen spüren, denn in dieser Runde werden fast alle chinesischen Güter mit Zöllen belegt. Präsident Trumps Handeln macht klar, dass er a) voll im Wahlkampfmodus angekommen ist, b) als Konsequenz daraus nur einen guten Deal für sich akzeptiert und dass c) die Alternative kein Deal ist und die Zölle bleiben. Die Chinesen scheinen sich darauf einzustellen und haben als ersten Schritt ihre Währung gegenüber dem Dollar abgewertet. Manch einer glaubt, dass die Chinesen langfristig planen und darauf setzen, dass Trump im nächsten Jahr abgewählt wird. Ob es mit einem demokratischen Präsidenten allerdings besser wird, ist fraglich, denn die Demokraten überholen Trump beim Thema Protektionismus gerade quasi von „rechts“. Fakt ist, dass der Handelskrieg sich zum Währungskrieg ausgeweitet hat. Sollte diese Eskalation anhalten, ist das logischerweise Gift für die erhoffte wirtschaftliche Erholung im zweiten Halbjahr.

Wirtschaftliche Entwicklung schwächt sich ab

Die Frühindikatoren schwächen sich ab und die Industrieproduktion bzw. der verarbeitende Sektor bleibt das globale Sorgenkind. Vor allem Europa und hier Deutschland entwickeln sich schwach. Deutschland ist natürlich einerseits stark von der globalen Nachfrage abhängig, andererseits belasten hausgemachte Probleme. Die Automobilindustrie hat noch immer mit der Aufarbeitung des Diesel-Skandals zu tun und muss gleichzeitig lang verschlafene Trends wie Digitalisierung und Elektrifizierung der Flotte nachholen. Die USA hingegen sind noch recht robust, was nicht zuletzt an der stabilen Lage der US-Haushalte liegt – ganz entgegen vergangener Erfahrungen konsumieren die Amerikaner weniger, als sie verdienen und sparen mehr, was den Verbrauch nachhaltig unterstützt. China ist trotz aller Störfeuer recht stabil, was auch an der stark hochgefahrenen staatlichen Investitionstätigkeit der letzten Quartale und der abgewerteten Währung liegt.

Politische Themen dominieren

Neben dem „Evergreen“ Handelskrieg rückte der anstehende Brexit in den Hintergrund. Boris Johnson ist neuer Premierminister Großbritanniens und macht keinen Hehl daraus, dass er den Deal mit der EU so nicht akzeptiert und sein Land auch ohne Deal aus der EU führen will. Viel Zeit bleibt nicht mehr, denn die Deadline ist Ende Oktober und die Europäer sind nicht gewillt den Vertrag wieder zu öffnen. Das politische Klima auf der Insel dürfte sich in den kommenden Wochen dramatisch aufheizen – mit ungewissem Ausgang. Die EU-Kommission rät Unternehmen an, sich auf einen „Hard-Brexit“ vorzubereiten.

Notenbanken steuern dagegen

Die „good cops“ der Märkte sind und bleiben die Notenbanken. Auch wenn die FED alles getan hat, um möglichst nicht als Handlanger der Trump’schen Politik in die Annalen der Geschichtsbücher einzugehen – am Ende musste sie dennoch liefern. Die Wirtschaft trübt sich ein; auch die Inflationserwartungen sinken und mit der Ankündigung der neuen Zölle geht der Markt sogar von weiteren vier Zinssenkungen in den USA aus. Die Notenbank gerät unter Druck. In Europa sieht es nicht anders aus.

Der scheidende EZB-Präsident Draghi und sein Team arbeiten an einem neuen Paket, was wohl von Zinssenkung bis hin zu einer Neuauflage der Anleiheaufkäufe alles beinhalten wird. Das Thema „Lower for longer“ bei den Zinsen wird uns so schnell nicht verlassen.

Gewinn-Berichterstattung in den USA und Europa

Die momentane Berichtssaison spiegelt die Marktentwicklung wider. Die USA haben klar die Nase vorn. Die Berichte waren weit weniger enttäuschend als bei den europäischen Unternehmen, die bis dato ihre Bilanzen vorgelegt haben. Das spiegelt sich auch in der Entwicklung der Aktienmärkte wider. Für das zweite Halbjahr bleibt nun die weitere Entwicklung im Handelskrieg abzuwarten. Die große Frage ist, ab wann die US-Wirtschaft nachhaltig in Mitleidenschaft gezogen wird. Falls die Chinesen auf das „Hardball“-Spiel einsteigen und keine US-amerikanischen Agrarprodukte mehr kaufen werden – wie schon berichtet – und ihren Markt für manches US-Unternehmen sperren, könnte das schneller gehen als gedacht.

Investment Komitee Summary – Juli 2019

Notenbanken und Fiskalpolitik federn Teile der Handelskrieg Unsicherheit ab

Die klaren Worte der Notenbanken haben den Märkten im Juni Auftrieb gegeben. Die FED könnte nun schon im Juli die Zinsen senken und auch für die EZB steigt die Wahrscheinlichkeit für einen Zinsschritt in diesem Monat. Während die Notenbanken mehr Unterstützung andeuten, steigen mehr und mehr Länder auf fiskalpolitischen Stimulus um. Nicht nur China stützt die Wirtschaft: sogar Europa dreht sich langsam und man kann von mehr Investitionen der öffentlichen Hand und teilweise auch Steuersenkungen ausgehen. Zu stark hat sich das Wachstumsbild eingetrübt, als das die Regierungen, auch die der großen Länder wie Frankreich und Deutschland, untätig zusehen können.

Executive Summary:

  • Wir bauen die Aktienquote in den ausgewogenen Mandaten und Fonds auf etwa 35 % aus.
  • Europa wird dabei gegenüber den USA stärker bedacht.
  • Schwellenländer werden sowohl auf der Aktien- als auch auf der Rentenseite aufgestockt, da diese besonders von den losen Finanzbedingungen und gefallenen Renditen profitieren.
  • Bei Unternehmensanleihen sehen wir insbesondere bei Nachranganleihen noch Chancen, während kurzlaufende Staatsanleihen ihr Potential schon weitgehend ausgeschöpft haben.
  • Gleichzeitig stocken wir, bei Bedarf nach mehr Sicherheit, auch US-Staatsanleihen am längeren Ende auf.

Notenbanken als zuverlässiger Partner der Märkte

Während die Politik − vor allem US-Präsident Trump − den Märkten vor allem Unsicherheit und den Unternehmen Gegenwind liefert, springen die Zentralbanken mit Verbindlichkeit in die Bresche. Im Juni hat die EZB die Kehrtwende komplett vollzogen − von Zinserhöhungen ist keine Rede mehr, vielmehr macht der scheidende Präsident Mario Draghi auch in seinen letzten Monaten klar: Die EZB hat deutlichen Handlungsspielraum und wird „whatever it takes“ unternehmen, um eine Deflation und ein Abgleiten in die Rezession zu verhindern (Mandat: Stabilität und Wachstum). Eine Wiederbelebung des Anleihekaufprogramms ist ebenso eine Option wie Zinssenkungen.

Bei der FED könnte es schon im Juli soweit sein. Und dabei könnte es nicht bleiben, denn die FED mit ihrem dualen Mandat, sollte auch gegen eine sich abschwächende Wirtschaft vorgehen. Der einzige Grund, warum die Märkte vielleicht zu „enthusiastisch“ sind, ist einmal wieder Donald Trump. Durch den politischen Druck auf die FED könnte er genau das Gegenteil erreichen.

Veritable Stabilisierungsmaßnahmen in China stützen − Europa bewegt sich auch

Die staatlichen Investitionen in China sind stark gestiegen, was zu einer Stabilisierung der Wirtschaft geführt hat. Gleichzeitig hat China die Währung abgewertet und die Steuern gesenkt. Dieses Paket an Maßnahmen sollte im zweiten oder spätestens dritten Quartal Erfolge zeigen. Wenn sich China weiter stabilisiert, ist das insbesondere auch eine gute Nachricht für europäische Exporteure, denn diese zählen zu den größten Importeuren nach China.

In Europa haben nicht zuletzt die Europawahlen das politische Klima gedreht: Schulden machen und mehr staatliche Ausgaben sind nicht mehr verpönt, sondern haben es in die Regierungsprogramme geschafft. Nicht nur Italien möchte mehr ausgeben, auch Frankreich geht diesen Weg und selbst in Deutschland sehen wir eine Bewegung hin zu mehr staatlichen Ausgaben. Das dürfte neben der laxeren Notenbankpolitik den Märkten helfen.

Politisches Risiko bleibt und ist Grund für nur „neutrale“ Aktienposition

Gäbe es keinen Handelskrieg wäre es sicherlich interessant die Aktienquote noch weiter auszubauen. Doch eine Einigung im Handelsstreit wird zunehmend unwahrscheinlicher. Zu hoffen ist, dass es zumindest keine weitere Eskalation gibt. US-Präsident Trump ist schon im Wahlkampfmodus und er kann sich keinen „schlechten“ Deal erlauben. Selbst ein offener Handels- und Technologiekrieg wäre für seine Wiederwahl besser, da dann eine Solidarisierung um die Flagge eintreten würde („rallying behind the Flag“).

In Europa bleibt die Brexit Ungewissheit weiterhin bestehen und belastet sowohl das Pfund als auch den britischen Markt bis auf weiteres.

Der Konflikt zwischen den USA und Iran schwelt weiter: Öl ist interessant

Zwar beherrscht der Konflikt zwischen den USA und dem Iran nicht mehr die Schlagzeilen, gelöst ist er aber bei weitem nicht. Die Situation ist weiter angespannt und eine Eskalation könnte den Ölpreis treiben. Ein mögliches Szenario dabei ist auch eine Destabilisierung des Iraks durch den Iran, was die Ölproduktion auch in diesem Land gefährden könnte. Ein ebenso preistreibender Faktor ist die OPEC, die an ihren Förderquoten festhält. Die Kombination aus geopolitischem Risiko und OPEC’scher Förderdisziplin hat das Potential den Ölpreis weiter nach oben zu treiben. Ein höherer Ölpreis würde dabei auch Russland und seinen Ölunternehmen zu Gute kommen.

Aktienmärkte trotzen den sich eintrübenden Konjunkturaussichten

Mehr und mehr Länder fallen bei den Einkaufsmanagerindizes unter 50 − was auf Kontraktion in den jeweiligen Volkswirtschaften hindeutet. Die Bremsspuren werden immer deutlicher, auch wenn es kein abruptes Abrutschen gibt: dafür halten die Chinesen und die Notenbanken zu sehr dagegen. Selbst die USA, die noch recht stabil aussehen, zeigen erste Zeichen der Abschwächung. Wir bewegen uns auf die letzte Phase des Wachstumszyklus zu und der Abschwung wird kommen. Vielleicht 2020 oder 2021. Die Frage ist nur, wie schwer wird er und kann das Schlimmste in diesem Jahr noch abgewendet werden.

Was bedeutet das für die Märkte?

Sollte es zu einer Neuauflage von Quantitative Easing (QE) in Europa kommen, kann man von einer kleinen „Aktienkursrally“ in Europa ausgehen. Die Gewinnrevisionen sollten in der kommenden Berichtssaison abnehmen, da die Erwartungen deutlich zurückgenommen wurden. Das heißt, es wird wohl weniger „negative“ Überraschungen geben als im ersten Quartal. Wir sehen europäische Aktien als relativ attraktiver an als US-Werte. US-Aktien sind teurer und Europa hat noch Aufholpotenzial. Das Gleiche gilt auch für Schwellenländer.

Investment Komitee Summary – Juni 2019

Notenbanken unterstützen Märkte, von konjunktureller Seite kommt kein Rückenwind

Der Mai war ein schwieriger Monat an den Aktienmärkten: Der S&P 500 verlor 6,6 Prozent, der DAX hatte den schlechtesten Monat des Jahres. Gründe dafür sind der sich immer weiter zuspitzende Handelskonflikt zwischen China und den USA, aber auch der schwelende Konflikt zwischen den USA und dem Iran. Aufheiterung kam dann einmal wieder von Seiten der US-amerikanischen Notenbank: Fed-Präsident Powell zeigt sich offen für Zinssenkungen. Doch wie lange diese „Fantasie“ die Märkte wirklich trägt, ist zweifelhaft.

Executive Summary:

  • Wir machen unser Portfolio wetterfest.
  • Wir halten im ausgewogenen Profil derzeit eine Aktienquote von 22 Prozent.
  • Wir verlängern die Duration unseres Rentenportfolios (US-Anleihen und Spanien).
  • Wir investieren in einen S&P Discounter, der auch bei sich seitwärts entwickelnden Märkten eine Renditemöglichkeit von bis zu drei Prozent aufweist und sehen uns nach Nachfolgern für den erfolgreichen EURO STOXX 50 Discounter um.

Handelskrieg belastet weiter Märkte und Konjunktur

Der Handelskrieg hat ohne Frage eine neue Qualität erreicht. Es ist wohl an der Zeit anzuerkennen, dass es eine Wiederkehr der Wachstumsmaschine „Chimerika“ so nicht mehr geben wird. Der Konflikt hat sich verhärtet und es wird auch zusehends ersichtlich, dass es um weit mehr als um Handelsüberschüsse geht. Am Beispiel Huawei wird deutlich, dass es vielmehr auch um Technologie und Fragen der inneren Sicherheit geht. Das Ergebnis dieser Entwicklung ist allerdings, dass das globale Wachstumspotenzial deutlich verringert wird. Es geht nicht mehr nur um eine konjunkturelle Delle.

Konjunkturaussichten trüben sich weiter ein

Die globalen Wachstumsaussichten sind deutlich abgeschwächt. Die Einkaufsmanagerindizes für das verarbeitende Gewerbe fallen sowohl in Europa aber auch in den USA, denn Investitionen werden aufgrund der unsicheren Lage zurückgehalten. Der amerikanische Verbraucher ist wieder bester Stimmung und auch der Arbeitsmarkt ist sowohl in den USA als auch in Europa weiterhin sehr fest. Die Erwartungen trüben sich dennoch maßgeblich ein und manche sprechen von einem gestiegenen Rezessionsrisiko. Die Anleihemärkte preisen zumindest eine starke Verschlechterung der Konjunktur ein und auch die OECD hat die Wachstumsaussichten deutlich korrigiert.

Chinas Wirtschaft hält sich stabiler als erwartet

China profitiert von den steuerlichen und auch geldpolitischen staatlichen Stimulus-Maßnahmen. Das staatliche Investitionstempo hat sich deutlich erhöht; gleichzeitig hat China seine Währung leicht abgewertet. Historisch betrachtet, könnte Europa und insbesondere Deutschland auch profitieren. Denn die Nachfrage nach langlebigen Anlagegütern – ein Exportschlager aus Deutschland – könnte durch das chinesische Konjunkturprogramm unterstützt werden.

Notenbanken auf Lockerungskurs

Nachdem die Fed Zinssenkungen in Aussicht gestellt hat, um die Auswirkungen des Handelskrieges abzufedern, hat auch die Europäische Zentralbank eine Zinssenkung und eine Neuauflage ihres Anleihekaufprograms auf den Tisch gebracht. Hier geht es momentan nur um „mögliche“ Schritte, also dem sogenannten „Signalling“ von geldpolitischen Schritten. Diese spielen allerdings in der monetären Transmission eine große Rolle, denn sie sollen die Erwartungen der Marktteilnehmer steuern. Die marktbasierten Inflationserwartungen sind allerdings in der Eurozone weiterhin nahe ihrer historischen Tiefstände – darum ist die EZB auch so alarmiert.

Was bedeutet das für die Märkte?

Bei den Renten dürfte sich vor allem am langen Ende etwas tun. Es ist zu erwarten, dass sich die langfristigen Zinsen eher tendenziell nach Süden bewegen, wenn sich die Wachstumsaussichten weiter eintrüben und die Notenbanken mehr lockern. In der Eurozone sind vor allem Märkte wie Spanien und Portugal attraktiv vor diesem Hintergrund – im Gegensatz zur Schuldenkrise gibt es keine Ansteckung von Italien auf die südliche Peripherie. Aber auch das längere Ende der US-Yield-Kurve ist attraktiv.

Die Aktienmärkte haben die Aussicht auf niedrigere Zinsen mit einer kleinen Rally begrüßt. Allerdings ist sehr fraglich wie lange diese Euphorie halten wird. Es ist weiterhin unklar wie stark die Gewinne der Unternehmen von den steigenden Tarifen belastet werden und was das dann auch für die Aktienmärkte bedeutet. Die lange antizipierte Erholung im zweiten Halbjahr ist auf jeden Fall eher unwahrscheinlicher geworden. Auch die noch vor kurzem rosigen Aussichten für den Technologiesektor haben sich ins Negative gedreht, denn die Regulierung legt ein immer größeres Augenmerk auf den Sektor mit momentan noch schwer absehbaren Konsequenz

Investment Komitee Summary – Mai 2019

Aktienmärkte halten sich stabil angesichts der Unsicherheiten

Die Aktienmärkte halten sich trotz der ansteigenden Spannungskurve im Handelsstreit zwischen den USA und China recht stabil. Es gibt weiterhin viel Unterstützung seitens der Notenbanken. Zinserhöhungen in den USA sind fürs weitere vom Tisch und die EZB denkt halblaut über weitere Unterstützungsmaßnahmen nach. Seit dem Tweet des US-Präsidenten von Sonntagnacht, dass er den Chinesen höhere Zölle androht, ist die Gemengelage noch unübersichtlicher geworden. Angesichts dieser Unwägbarkeiten haben wir im Investment Komitee keine Veränderungen des Portfolios beschlossen.

Executive Summary:

  • Wir bleiben in unserem Aktienexposure übergewichtet und könnten damit von einer ruckartigen Markterholung im Falle einer Einigung im Handelsstreit profitieren.
  • Wir heben die Sicherungslinie an und erhöhen damit den Zielwert unter den die Fonds nicht fallen sollten. Dieser Schritt reduziert das Verlustrisiko für unsere Anleger.
  • Wir beobachten die Aktien- und Rentenmärkte genau und würden unser Exposure reduzieren, falls die Aktien unter die 50-Tage-Linie fielen bzw. die Renditen bei den Renten über die 65-Tage-Linie steigen sollten.

Makroökonomische Indikatoren deuten nach Süden

Auf den ersten Blick sehen die Wirtschaftsdaten in den USA noch sehr robust aus. Doch der Schein trügt, denn Frühindikatoren wie die Einkaufsmanager-Indizes waren unerwartet schwach: auch im nicht verarbeitenden Gewerbe hat sich die Stimmung eingetrübt. Das verarbeitende Gewerbe leidet unter der Trump’schen Politik, obgleich seine Handelspolitik gerade diesem Teil der Wirtschaft dienen sollte. Europa enttäuscht nach wie vor und Deutschland hat es nun auf den letzten Platz bei den Einkaufsmanager-Indizes geschafft – das ist kein gutes Zeichen für die weitere Entwicklung. Alleinig in China kann man von einer Stabilisierung sprechen. Hier unterstützt die Regierung durch fiskal- und geldpolitische Maßnahmen die Wirtschaft.

Aktienmärkte weiterhin recht stabil

Die Aktienmärkte haben sich trotz der Unsicherheiten weiter positiv entwickelt. Die Berichtssaison in den USA läuft relativ positiv, was natürlich auch an den stark zurückgenommen Erwartungen liegt. Aber auch die ersten Indikationen europäischer Quartalsberichte zeigen, dass der große Einbruch ausgeblieben ist. Die Märkte, sowohl in den USA als auch in Europa, sind durch die Kursgewinne und die gleichzeitig angepassten Gewinnerwartungen allerdings „teurer“ geworden. Alleinig bei Emerging Markets könnte es in vereinzelten Märkten noch deutliches Potential nach oben geben.

Rohstoffe spiegeln die Unsicherheiten, Fokus auf Öl

Bei den Rohstoffen, insbesondere den Industriemetallen, heißt es „wait and see“, wie der Handelsstreit ausgeht. Spannend ist es beim Ölpreis: Der Konflikt zwischen den USA und dem Iran könnte im Worst Case zu deutlich höheren Ölpreisen führen. Der Iran könnte den Transportweg, die Straße von Hormus, verminen und damit den Fluss des Öls unterbrechen und langfristig die Transportkosten nach oben treiben.

Rentenmärkte haben sich eingependelt – Europawahl im Blick

Die Renditen in den USA scheinen sich um 2,5 Prozent einzupendeln und sind damit weit entfernt von den Höchstständen des letzten Jahres. Für den Moment sieht es so aus, als würde es weder Impulse für eine Zinserhöhung noch für eine Zinssenkung geben. In Europa ist das Bild zwar diverser – die Italiener haben immer noch weite Spreads – aber dennoch sind auch hier die Zinsen aufgrund kurzfristig gefallener Inflation und Inflationserwartungen gesunken. Die Ende Mai anstehende Europawahl sollten Anleger im Blick behalten, denn falls die Populisten deutliche Gewinne einfahren, könnte sich das auch bei den Renten bemerkbar machen. Schon jetzt kann man sagen, dass die Länder, deren Regierung durch Populisten besetzt sind, höhere Spreads haben, da hier oft die Haushaltsdisziplin zu wünschen übrig lässt. Bestes Beispiel hierfür ist Italien.

Ausblick

Alles steht und fällt mit dem Handelsstreit. Doch auch wenn es eine Lösung im US-China-Konflikt geben sollte, ist es wahrscheinlich, dass US-Präsident Trump die nächste Kriegsfront mit den Europäern eröffnet. Das dürfte dann den Autobauern vor allem in Deutschland schwer zu schaffen machen. Je länger diese Hängepartien dauern, desto mehr machen sich die Schleifspuren in der Weltwirtschaft bemerkbar. Momentan kann man weder Übertreibungseuphorie an den Märkte noch eine dynamische Erholung der Wirtschaft erkennen.

Investment Komitee Summary – April 2019

Aktienmärkte halten sich stabil angesichts der Unsicherheiten

Die Aktienmärkte haben die Korrektur des Jahresendes 2018 wettgemacht und sind fair bewertet. Unterstützung kam von mehreren Fronten: der weltweite Rückgang der Zinsen und die Absenz von schlechten Nachrichten haben den Märkten geholfen. Weiterhin antizipieren die Märkte eine Einigung im Handelsstreit und trotz der unübersichtlichen Gemengelage in Großbritannien preisen die Märkte keinen harten Brexit ein. Wir sind leicht optimistisch, dass beide Annahmen eintreffen werden und haben auf Grundlage dieser Annahmen folgende Entscheidungen getroffen.

Executive Summary:

  • Wir reduzieren unseren Bestand im Bereich der Nachränge, da diese nur nach einer Krise attraktiv sind.
  • Mit diesen Erlösen und dem Restbestand an Barmitteln erhöhen wir unsere Gewichtung am NASDAQ und bauen zeitgleich die Sicherheit via europäische Staatsanleihen aus.
  • Wir behalten unsere High Yield-, Emerging Markets- und Asia Pacific-Aktien-Gewichtung bei.
  • Wir beobachten Europa, besonders Großbritannien im Falle eines Deals

Makroökonomische Gemengelage bleibt spannend

Entgegen den Erwartungen gibt es auch Anfang April keine Visibilität wie der US – China Handelsstreit ausgehen wird. Während es von den Unterhändlern immer wieder positive Signale gibt, kommen aus Washington teilweise recht „falkenhafte“ Kommentare vor allem von Larry Kudlow, dem höchstrangigen Wirtschaftsberater von Präsident Trump. Je länger sich diese Hängepartie hinzieht, desto höher ist das Risiko einer weltweiten Rezession. Ideal wäre eine baldige Einigung. Auch beim Brexit ist der Ausgang noch ungeklärt, allerdings scheint es sehr unwahrscheinlich, dass die Europäer die Briten ohne Deal aus der EU „fallen“ lassen werden. Zu groß wären die negativen Auswirkungen auf die Volkswirtschaften des Kontinents. So kann man von einer weiteren Verlängerung auch dieser Hängepartie ausgehen. Wir gehen in Europa von einer Erholung des Wachstums im zweiten Halbjahr aus.

Aktienbewertungen – fair bewertet mit ein bisschen Potential

Die Kursentwicklungen des ersten Quartals haben den Einbruch des Jahresendes wieder wettgemacht. Europäische Aktien sind in unseren Augen fair bewertet, US-amerikanische Titel sogar ein bisschen „teurer“. Dennoch sehen wir kurzfristig und eventuell sogar strukturell mehr Attraktivität im NASDAQ. Einerseits sind die Gewinnerwartungen im Tech-Sektor weniger eingebrochen und andererseits stellt sich auch die grundlegende Frage, welche Rolle die Unternehmen des NASDAQ in einer immer mehr digitalisierten Welt spielen. Wir glauben, dass beim NASDAQ noch Potential zu heben ist, gerade vor dem Hintergrund einer Mitte April beginnenden Berichtssaison in den USA. Europäische Aktien hinken hinterher: Es könnte aber ein Revival im zweiten Halbjahr geben – vor allem in Großbritannien, wenn sich die politische Situation gelöst hat.

Rentenmärkte und die FED

Die Rentenmärkte haben im ersten Quartal eine fundamentale Kehrtwende hingelegt. Die Märkte preisen in den USA keine Zinserhöhungen mehr ein und gehen sogar von einer ersten Zinssenkung im Dezember dieses Jahres aus. In Europa sieht man das gleiche Bild.

Europäische Staatsanleihen könnten angesichts der konjunkturellen Aussichten durchaus in den nächsten Wochen die Niedrigststände um Minus 20 Basispunkte testen. Es gibt unserer Meinung nach Potential in diesem Bereich. Wenn unser Weltbild sich im zweiten Halbjahr materialisiert, dann können die Durationen wieder abgebaut werden.

China doch nicht am Abgrund

Entgegen vieler Erwartungen hält sich die chinesische Wirtschaft recht robust. Die Einkaufsmanagerindizes – sowohl der staatliche als auch der von Unternehmen – waren besser als erwartet. Der Handel stagniert nur und ist nicht im freien Fall und auch andere Teile der Wirtschaft, wie der Immobiliensektor und der Energieverbrauch, lassen keinen Grund zur Sorge zu. China agiert trotz der anhaltenden Stimmungsschwankungen zwischen den USA und der eigenen Regierung recht vernünftig: so scheint es, als ob eine Währungsabwertung wirklich nur als letzte Waffe im Falle eines Scheiterns der Gespräche in Frage käme. Falls es dazu kommen sollte, hat die chinesische Regierung auch noch Munition übrig: So könnte die Wirtschaft beispielsweise durch Zinssenkungen weiter stimuliert werden.

Ausblick auf strukturelle Themen

Abseits von den immanent anstehenden Themen werden Aktienmärkte auch von langfristigen Trends getrieben. In diesem Zusammenhang lohnt es ich darüber nachzudenken, ob die zunehmende Digitalisierung eventuell so etwas wie eine industrielle Revolution bedeutet und ganz andere Sektoren in Zukunft die Bluechips der Welt sein werden. Die USA haben ganz klar die Nase vorne bei Tech-Unternehmen und das könnte auch ein Grund sein, warum dort die Aktienmärkte deutlich besser gelaufen sind seit der Finanzkrise.

Investment Komitee Summary – März 2019

Die Trumpsche Handelspolitik hat der Weltwirtschaft deutlich geschadet

Schneller und deutlicher als vorher angenommen sind die Auswirkungen der Trumpschen Handelspolitik zu erkennen: Das Wachstumsbild hat Dellen und Blessuren bekommen. Alles steht und fällt nun mit einer Einigung oder dem Scheitern der Gespräche zwischen Trump und Xi-Jinping. Rational gesehen habe beide Parteien ein starkes Interesse sich zu einigen. Das vergangene Jahr hat allerdings gezeigt, dass in der heutigen Zeit nicht notwendigerweise die Rationalität die Oberhand behält. Vor diesem Hintergrund hat das Investment Komitee der Fürstlich Castell’schen Bank folgende Entscheidungen getroffen.

Executive Summary:

  • Ausbau der Rohstoffquote, um früh von einer Stabilisierung der Wirtschaft zu profitieren
  • Ausbau der Durationen bei Europäischen Staatsanleihen auf 5 bis 6 Jahre, um von einer taubenhafteren EZB zu profitieren
  • Beibehaltung der China- und US-Aktienpositionen

Wirtschaft mit erheblichen Bremsspuren – dennoch Erholung möglich

Das Wachstumsbild hat erhebliche Dellen und Blessuren erlitten und die Anfälligkeiten sind merklich gestiegen. Die Einkaufsmanagerindizes spiegeln diese Entwicklung wider: zwar hat sich der weltweite Durchschnitt der „PMIs“ stabilisiert, doch befinden sich 16 Länder in Kontraktion.

Angesichts der Unsicherheit über die Zukunft des Freihandels halten sich viele Konzerne mit Investitionen zurück, was sich natürlich auch in den Exportzahlen widerspiegelt. Eine Einigung im Handelsstreit könnte dennoch für eine Belebung der Wirtschaft im zweiten Quartal führen – ein Scheitern allerdings hätte unweigerlich eine deutliche Verschlechterung, eventuell sogar eine Rezession, zur Folge. Beide Akteure haben großes Interesse an einer Lösung und der Beilegung der Streitigkeiten: Allerdings hat die Vergangenheit auch gezeigt, dass US-Präsident Trump nicht notwendigerweise rational agiert. Wir gehen im Grunde von einer Einigung aus, aber es besteht dennoch ein nicht zu ignorierendes Risiko, dass beide Parteien den Verhandlungstisch ohne Einigung verlassen.

Rohstoffmärkte im Blick

Unter der Annahme, dass es zu einer Einigung kommt, sind wir der Meinung, dass Rohstoffe momentan eine attraktive Asset-Klasse sind. Rohstoffe profitieren sehr früh von einer Verbesserung der konjunkturellen Lage. Schon allein die Ankündigung von mehr fiskalpolitischen Maßnahmen der chinesischen Regierung hat einzelne Industriemetalle beflügelt. China dürfte überproportional von einer Einigung im Handelsstreit profitieren und damit auch deutlich die Rohstoffmärkte beleben.

EZB – Tauben obsiegen

Die Europäische Zentralbank hat ihre Wachstums- und Inflationserwartungen nun deutlich nach unten korrigiert und trägt damit der unverkennbar eingetrübten Konjunktur Rechnung. Wir denken, dass eine „taubenhaftere“ EZB auch noch Potential am Rentenmarkt birgt und verlängern unsere Duration im europäischen Rentenbereich. Die Erwartungen einer ersten Zinserhöhung sind weit in die Zukunft gerückt – momentan geht der Markt von Mitte 2020 aus und die Diskussion zentriert sich aktuell eher wieder um weitere „Unterstützungsmaßnahmen“ wie neue günstige Kredite für die Banken, kurz TLTROs. Nicht zuletzt will Mario Draghi wohl in den letzten Monaten seiner Präsidentschaft keinen „policy mistake“ machen und bleibt sich als Taube weiter treu. Auch in den USA hat die Notenbank FED den Zinsfantasien eine deutliche Absage erteilt – die Märkte gehen sogar von keiner weiteren Erhöhung im Laufe dieses Jahres aus. Es könnte sogar sein, dass die FED ein Überschießen der Inflationserwartungen in Kauf nimmt, um der Wirtschaft nicht zu schaden. Im Gegensatz zur EZB hat die FED ja ein duales Mandat – ihr geht es nicht nur um  Inflation sondern auch ums Wirtschaftswachstum.

Aktienmärkte noch Potential?

Im Falle einer Einigung im Handelsstreit könnten es an den Märkten nochmal sprunghaft bergauf gehen. Wir erwarten aber bis dahin eher eine Seitwärtsbewegung und bleiben deswegen bei unserer leichten Aktienübergewichtung. Auf die einzelnen Märkte runtergebrochen sehen wir weiter mehr Potential in den USA – insbesondere beim Nasdaq – und in Asien. Europa empfinden wir weiterhin als weniger attraktiv.