Investment Komitee Summary – August 2019

Executive Summary:

Seit Freitag letzter Woche sind die Hoffnungen auf eine baldige Einigung im Handelskrieg zwischen den USA und China verpufft. Präsident Trump hat neue Zölle auf nun fast alle chinesischen Importe angekündigt; die Chinesen haben als Reaktion darauf ihre Währung abgewertet. Der Handelskrieg hat sich zum Währungskrieg ausgeweitet. Wie es weiter geht, ist ungewiss und die Kapitalmärkte dürften nun erst mal unter Stress kommen.

Vor diesem Hintergrund haben wir beschlossen:

  • Die Aktienquote (um 5 %) zu reduzieren.
  • Mittel- bis langfristige US-Treasuries aufzubauen.
  • Gold ebenso leicht aufzustocken.

Wir glauben, so unser Portfolio wetterfest für einen wahrscheinlich schwierigen August machen zu können und werden bei weiteren negativen Anzeichen für die Wirtschaft erneut Risiken zugunsten von Sicherheit umschichten.

Handelskrieg erreicht neues Eskalationsniveau

Mit der Ausweitung der Zölle erreicht der Handelskrieg ein neues Niveau. Nun werden auch die amerikanischen Konsumenten die Auswirkungen spüren, denn in dieser Runde werden fast alle chinesischen Güter mit Zöllen belegt. Präsident Trumps Handeln macht klar, dass er a) voll im Wahlkampfmodus angekommen ist, b) als Konsequenz daraus nur einen guten Deal für sich akzeptiert und dass c) die Alternative kein Deal ist und die Zölle bleiben. Die Chinesen scheinen sich darauf einzustellen und haben als ersten Schritt ihre Währung gegenüber dem Dollar abgewertet. Manch einer glaubt, dass die Chinesen langfristig planen und darauf setzen, dass Trump im nächsten Jahr abgewählt wird. Ob es mit einem demokratischen Präsidenten allerdings besser wird, ist fraglich, denn die Demokraten überholen Trump beim Thema Protektionismus gerade quasi von „rechts“. Fakt ist, dass der Handelskrieg sich zum Währungskrieg ausgeweitet hat. Sollte diese Eskalation anhalten, ist das logischerweise Gift für die erhoffte wirtschaftliche Erholung im zweiten Halbjahr.

Wirtschaftliche Entwicklung schwächt sich ab

Die Frühindikatoren schwächen sich ab und die Industrieproduktion bzw. der verarbeitende Sektor bleibt das globale Sorgenkind. Vor allem Europa und hier Deutschland entwickeln sich schwach. Deutschland ist natürlich einerseits stark von der globalen Nachfrage abhängig, andererseits belasten hausgemachte Probleme. Die Automobilindustrie hat noch immer mit der Aufarbeitung des Diesel-Skandals zu tun und muss gleichzeitig lang verschlafene Trends wie Digitalisierung und Elektrifizierung der Flotte nachholen. Die USA hingegen sind noch recht robust, was nicht zuletzt an der stabilen Lage der US-Haushalte liegt – ganz entgegen vergangener Erfahrungen konsumieren die Amerikaner weniger, als sie verdienen und sparen mehr, was den Verbrauch nachhaltig unterstützt. China ist trotz aller Störfeuer recht stabil, was auch an der stark hochgefahrenen staatlichen Investitionstätigkeit der letzten Quartale und der abgewerteten Währung liegt.

Politische Themen dominieren

Neben dem „Evergreen“ Handelskrieg rückte der anstehende Brexit in den Hintergrund. Boris Johnson ist neuer Premierminister Großbritanniens und macht keinen Hehl daraus, dass er den Deal mit der EU so nicht akzeptiert und sein Land auch ohne Deal aus der EU führen will. Viel Zeit bleibt nicht mehr, denn die Deadline ist Ende Oktober und die Europäer sind nicht gewillt den Vertrag wieder zu öffnen. Das politische Klima auf der Insel dürfte sich in den kommenden Wochen dramatisch aufheizen – mit ungewissem Ausgang. Die EU-Kommission rät Unternehmen an, sich auf einen „Hard-Brexit“ vorzubereiten.

Notenbanken steuern dagegen

Die „good cops“ der Märkte sind und bleiben die Notenbanken. Auch wenn die FED alles getan hat, um möglichst nicht als Handlanger der Trump’schen Politik in die Annalen der Geschichtsbücher einzugehen – am Ende musste sie dennoch liefern. Die Wirtschaft trübt sich ein; auch die Inflationserwartungen sinken und mit der Ankündigung der neuen Zölle geht der Markt sogar von weiteren vier Zinssenkungen in den USA aus. Die Notenbank gerät unter Druck. In Europa sieht es nicht anders aus.

Der scheidende EZB-Präsident Draghi und sein Team arbeiten an einem neuen Paket, was wohl von Zinssenkung bis hin zu einer Neuauflage der Anleiheaufkäufe alles beinhalten wird. Das Thema „Lower for longer“ bei den Zinsen wird uns so schnell nicht verlassen.

Gewinn-Berichterstattung in den USA und Europa

Die momentane Berichtssaison spiegelt die Marktentwicklung wider. Die USA haben klar die Nase vorn. Die Berichte waren weit weniger enttäuschend als bei den europäischen Unternehmen, die bis dato ihre Bilanzen vorgelegt haben. Das spiegelt sich auch in der Entwicklung der Aktienmärkte wider. Für das zweite Halbjahr bleibt nun die weitere Entwicklung im Handelskrieg abzuwarten. Die große Frage ist, ab wann die US-Wirtschaft nachhaltig in Mitleidenschaft gezogen wird. Falls die Chinesen auf das „Hardball“-Spiel einsteigen und keine US-amerikanischen Agrarprodukte mehr kaufen werden – wie schon berichtet – und ihren Markt für manches US-Unternehmen sperren, könnte das schneller gehen als gedacht.

Investment Komitee Summary – Juli 2019

Notenbanken und Fiskalpolitik federn Teile der Handelskrieg Unsicherheit ab

Die klaren Worte der Notenbanken haben den Märkten im Juni Auftrieb gegeben. Die FED könnte nun schon im Juli die Zinsen senken und auch für die EZB steigt die Wahrscheinlichkeit für einen Zinsschritt in diesem Monat. Während die Notenbanken mehr Unterstützung andeuten, steigen mehr und mehr Länder auf fiskalpolitischen Stimulus um. Nicht nur China stützt die Wirtschaft: sogar Europa dreht sich langsam und man kann von mehr Investitionen der öffentlichen Hand und teilweise auch Steuersenkungen ausgehen. Zu stark hat sich das Wachstumsbild eingetrübt, als das die Regierungen, auch die der großen Länder wie Frankreich und Deutschland, untätig zusehen können.

Executive Summary:

  • Wir bauen die Aktienquote in den ausgewogenen Mandaten und Fonds auf etwa 35 % aus.
  • Europa wird dabei gegenüber den USA stärker bedacht.
  • Schwellenländer werden sowohl auf der Aktien- als auch auf der Rentenseite aufgestockt, da diese besonders von den losen Finanzbedingungen und gefallenen Renditen profitieren.
  • Bei Unternehmensanleihen sehen wir insbesondere bei Nachranganleihen noch Chancen, während kurzlaufende Staatsanleihen ihr Potential schon weitgehend ausgeschöpft haben.
  • Gleichzeitig stocken wir, bei Bedarf nach mehr Sicherheit, auch US-Staatsanleihen am längeren Ende auf.

Notenbanken als zuverlässiger Partner der Märkte

Während die Politik − vor allem US-Präsident Trump − den Märkten vor allem Unsicherheit und den Unternehmen Gegenwind liefert, springen die Zentralbanken mit Verbindlichkeit in die Bresche. Im Juni hat die EZB die Kehrtwende komplett vollzogen − von Zinserhöhungen ist keine Rede mehr, vielmehr macht der scheidende Präsident Mario Draghi auch in seinen letzten Monaten klar: Die EZB hat deutlichen Handlungsspielraum und wird „whatever it takes“ unternehmen, um eine Deflation und ein Abgleiten in die Rezession zu verhindern (Mandat: Stabilität und Wachstum). Eine Wiederbelebung des Anleihekaufprogramms ist ebenso eine Option wie Zinssenkungen.

Bei der FED könnte es schon im Juli soweit sein. Und dabei könnte es nicht bleiben, denn die FED mit ihrem dualen Mandat, sollte auch gegen eine sich abschwächende Wirtschaft vorgehen. Der einzige Grund, warum die Märkte vielleicht zu „enthusiastisch“ sind, ist einmal wieder Donald Trump. Durch den politischen Druck auf die FED könnte er genau das Gegenteil erreichen.

Veritable Stabilisierungsmaßnahmen in China stützen − Europa bewegt sich auch

Die staatlichen Investitionen in China sind stark gestiegen, was zu einer Stabilisierung der Wirtschaft geführt hat. Gleichzeitig hat China die Währung abgewertet und die Steuern gesenkt. Dieses Paket an Maßnahmen sollte im zweiten oder spätestens dritten Quartal Erfolge zeigen. Wenn sich China weiter stabilisiert, ist das insbesondere auch eine gute Nachricht für europäische Exporteure, denn diese zählen zu den größten Importeuren nach China.

In Europa haben nicht zuletzt die Europawahlen das politische Klima gedreht: Schulden machen und mehr staatliche Ausgaben sind nicht mehr verpönt, sondern haben es in die Regierungsprogramme geschafft. Nicht nur Italien möchte mehr ausgeben, auch Frankreich geht diesen Weg und selbst in Deutschland sehen wir eine Bewegung hin zu mehr staatlichen Ausgaben. Das dürfte neben der laxeren Notenbankpolitik den Märkten helfen.

Politisches Risiko bleibt und ist Grund für nur „neutrale“ Aktienposition

Gäbe es keinen Handelskrieg wäre es sicherlich interessant die Aktienquote noch weiter auszubauen. Doch eine Einigung im Handelsstreit wird zunehmend unwahrscheinlicher. Zu hoffen ist, dass es zumindest keine weitere Eskalation gibt. US-Präsident Trump ist schon im Wahlkampfmodus und er kann sich keinen „schlechten“ Deal erlauben. Selbst ein offener Handels- und Technologiekrieg wäre für seine Wiederwahl besser, da dann eine Solidarisierung um die Flagge eintreten würde („rallying behind the Flag“).

In Europa bleibt die Brexit Ungewissheit weiterhin bestehen und belastet sowohl das Pfund als auch den britischen Markt bis auf weiteres.

Der Konflikt zwischen den USA und Iran schwelt weiter: Öl ist interessant

Zwar beherrscht der Konflikt zwischen den USA und dem Iran nicht mehr die Schlagzeilen, gelöst ist er aber bei weitem nicht. Die Situation ist weiter angespannt und eine Eskalation könnte den Ölpreis treiben. Ein mögliches Szenario dabei ist auch eine Destabilisierung des Iraks durch den Iran, was die Ölproduktion auch in diesem Land gefährden könnte. Ein ebenso preistreibender Faktor ist die OPEC, die an ihren Förderquoten festhält. Die Kombination aus geopolitischem Risiko und OPEC’scher Förderdisziplin hat das Potential den Ölpreis weiter nach oben zu treiben. Ein höherer Ölpreis würde dabei auch Russland und seinen Ölunternehmen zu Gute kommen.

Aktienmärkte trotzen den sich eintrübenden Konjunkturaussichten

Mehr und mehr Länder fallen bei den Einkaufsmanagerindizes unter 50 − was auf Kontraktion in den jeweiligen Volkswirtschaften hindeutet. Die Bremsspuren werden immer deutlicher, auch wenn es kein abruptes Abrutschen gibt: dafür halten die Chinesen und die Notenbanken zu sehr dagegen. Selbst die USA, die noch recht stabil aussehen, zeigen erste Zeichen der Abschwächung. Wir bewegen uns auf die letzte Phase des Wachstumszyklus zu und der Abschwung wird kommen. Vielleicht 2020 oder 2021. Die Frage ist nur, wie schwer wird er und kann das Schlimmste in diesem Jahr noch abgewendet werden.

Was bedeutet das für die Märkte?

Sollte es zu einer Neuauflage von Quantitative Easing (QE) in Europa kommen, kann man von einer kleinen „Aktienkursrally“ in Europa ausgehen. Die Gewinnrevisionen sollten in der kommenden Berichtssaison abnehmen, da die Erwartungen deutlich zurückgenommen wurden. Das heißt, es wird wohl weniger „negative“ Überraschungen geben als im ersten Quartal. Wir sehen europäische Aktien als relativ attraktiver an als US-Werte. US-Aktien sind teurer und Europa hat noch Aufholpotenzial. Das Gleiche gilt auch für Schwellenländer.

Investment Komitee Summary – Juni 2019

Notenbanken unterstützen Märkte, von konjunktureller Seite kommt kein Rückenwind

Der Mai war ein schwieriger Monat an den Aktienmärkten: Der S&P 500 verlor 6,6 Prozent, der DAX hatte den schlechtesten Monat des Jahres. Gründe dafür sind der sich immer weiter zuspitzende Handelskonflikt zwischen China und den USA, aber auch der schwelende Konflikt zwischen den USA und dem Iran. Aufheiterung kam dann einmal wieder von Seiten der US-amerikanischen Notenbank: Fed-Präsident Powell zeigt sich offen für Zinssenkungen. Doch wie lange diese „Fantasie“ die Märkte wirklich trägt, ist zweifelhaft.

Executive Summary:

  • Wir machen unser Portfolio wetterfest.
  • Wir halten im ausgewogenen Profil derzeit eine Aktienquote von 22 Prozent.
  • Wir verlängern die Duration unseres Rentenportfolios (US-Anleihen und Spanien).
  • Wir investieren in einen S&P Discounter, der auch bei sich seitwärts entwickelnden Märkten eine Renditemöglichkeit von bis zu drei Prozent aufweist und sehen uns nach Nachfolgern für den erfolgreichen EURO STOXX 50 Discounter um.

Handelskrieg belastet weiter Märkte und Konjunktur

Der Handelskrieg hat ohne Frage eine neue Qualität erreicht. Es ist wohl an der Zeit anzuerkennen, dass es eine Wiederkehr der Wachstumsmaschine „Chimerika“ so nicht mehr geben wird. Der Konflikt hat sich verhärtet und es wird auch zusehends ersichtlich, dass es um weit mehr als um Handelsüberschüsse geht. Am Beispiel Huawei wird deutlich, dass es vielmehr auch um Technologie und Fragen der inneren Sicherheit geht. Das Ergebnis dieser Entwicklung ist allerdings, dass das globale Wachstumspotenzial deutlich verringert wird. Es geht nicht mehr nur um eine konjunkturelle Delle.

Konjunkturaussichten trüben sich weiter ein

Die globalen Wachstumsaussichten sind deutlich abgeschwächt. Die Einkaufsmanagerindizes für das verarbeitende Gewerbe fallen sowohl in Europa aber auch in den USA, denn Investitionen werden aufgrund der unsicheren Lage zurückgehalten. Der amerikanische Verbraucher ist wieder bester Stimmung und auch der Arbeitsmarkt ist sowohl in den USA als auch in Europa weiterhin sehr fest. Die Erwartungen trüben sich dennoch maßgeblich ein und manche sprechen von einem gestiegenen Rezessionsrisiko. Die Anleihemärkte preisen zumindest eine starke Verschlechterung der Konjunktur ein und auch die OECD hat die Wachstumsaussichten deutlich korrigiert.

Chinas Wirtschaft hält sich stabiler als erwartet

China profitiert von den steuerlichen und auch geldpolitischen staatlichen Stimulus-Maßnahmen. Das staatliche Investitionstempo hat sich deutlich erhöht; gleichzeitig hat China seine Währung leicht abgewertet. Historisch betrachtet, könnte Europa und insbesondere Deutschland auch profitieren. Denn die Nachfrage nach langlebigen Anlagegütern – ein Exportschlager aus Deutschland – könnte durch das chinesische Konjunkturprogramm unterstützt werden.

Notenbanken auf Lockerungskurs

Nachdem die Fed Zinssenkungen in Aussicht gestellt hat, um die Auswirkungen des Handelskrieges abzufedern, hat auch die Europäische Zentralbank eine Zinssenkung und eine Neuauflage ihres Anleihekaufprograms auf den Tisch gebracht. Hier geht es momentan nur um „mögliche“ Schritte, also dem sogenannten „Signalling“ von geldpolitischen Schritten. Diese spielen allerdings in der monetären Transmission eine große Rolle, denn sie sollen die Erwartungen der Marktteilnehmer steuern. Die marktbasierten Inflationserwartungen sind allerdings in der Eurozone weiterhin nahe ihrer historischen Tiefstände – darum ist die EZB auch so alarmiert.

Was bedeutet das für die Märkte?

Bei den Renten dürfte sich vor allem am langen Ende etwas tun. Es ist zu erwarten, dass sich die langfristigen Zinsen eher tendenziell nach Süden bewegen, wenn sich die Wachstumsaussichten weiter eintrüben und die Notenbanken mehr lockern. In der Eurozone sind vor allem Märkte wie Spanien und Portugal attraktiv vor diesem Hintergrund – im Gegensatz zur Schuldenkrise gibt es keine Ansteckung von Italien auf die südliche Peripherie. Aber auch das längere Ende der US-Yield-Kurve ist attraktiv.

Die Aktienmärkte haben die Aussicht auf niedrigere Zinsen mit einer kleinen Rally begrüßt. Allerdings ist sehr fraglich wie lange diese Euphorie halten wird. Es ist weiterhin unklar wie stark die Gewinne der Unternehmen von den steigenden Tarifen belastet werden und was das dann auch für die Aktienmärkte bedeutet. Die lange antizipierte Erholung im zweiten Halbjahr ist auf jeden Fall eher unwahrscheinlicher geworden. Auch die noch vor kurzem rosigen Aussichten für den Technologiesektor haben sich ins Negative gedreht, denn die Regulierung legt ein immer größeres Augenmerk auf den Sektor mit momentan noch schwer absehbaren Konsequenz

Investment Komitee Summary – Mai 2019

Aktienmärkte halten sich stabil angesichts der Unsicherheiten

Die Aktienmärkte halten sich trotz der ansteigenden Spannungskurve im Handelsstreit zwischen den USA und China recht stabil. Es gibt weiterhin viel Unterstützung seitens der Notenbanken. Zinserhöhungen in den USA sind fürs weitere vom Tisch und die EZB denkt halblaut über weitere Unterstützungsmaßnahmen nach. Seit dem Tweet des US-Präsidenten von Sonntagnacht, dass er den Chinesen höhere Zölle androht, ist die Gemengelage noch unübersichtlicher geworden. Angesichts dieser Unwägbarkeiten haben wir im Investment Komitee keine Veränderungen des Portfolios beschlossen.

Executive Summary:

  • Wir bleiben in unserem Aktienexposure übergewichtet und könnten damit von einer ruckartigen Markterholung im Falle einer Einigung im Handelsstreit profitieren.
  • Wir heben die Sicherungslinie an und erhöhen damit den Zielwert unter den die Fonds nicht fallen sollten. Dieser Schritt reduziert das Verlustrisiko für unsere Anleger.
  • Wir beobachten die Aktien- und Rentenmärkte genau und würden unser Exposure reduzieren, falls die Aktien unter die 50-Tage-Linie fielen bzw. die Renditen bei den Renten über die 65-Tage-Linie steigen sollten.

Makroökonomische Indikatoren deuten nach Süden

Auf den ersten Blick sehen die Wirtschaftsdaten in den USA noch sehr robust aus. Doch der Schein trügt, denn Frühindikatoren wie die Einkaufsmanager-Indizes waren unerwartet schwach: auch im nicht verarbeitenden Gewerbe hat sich die Stimmung eingetrübt. Das verarbeitende Gewerbe leidet unter der Trump’schen Politik, obgleich seine Handelspolitik gerade diesem Teil der Wirtschaft dienen sollte. Europa enttäuscht nach wie vor und Deutschland hat es nun auf den letzten Platz bei den Einkaufsmanager-Indizes geschafft – das ist kein gutes Zeichen für die weitere Entwicklung. Alleinig in China kann man von einer Stabilisierung sprechen. Hier unterstützt die Regierung durch fiskal- und geldpolitische Maßnahmen die Wirtschaft.

Aktienmärkte weiterhin recht stabil

Die Aktienmärkte haben sich trotz der Unsicherheiten weiter positiv entwickelt. Die Berichtssaison in den USA läuft relativ positiv, was natürlich auch an den stark zurückgenommen Erwartungen liegt. Aber auch die ersten Indikationen europäischer Quartalsberichte zeigen, dass der große Einbruch ausgeblieben ist. Die Märkte, sowohl in den USA als auch in Europa, sind durch die Kursgewinne und die gleichzeitig angepassten Gewinnerwartungen allerdings „teurer“ geworden. Alleinig bei Emerging Markets könnte es in vereinzelten Märkten noch deutliches Potential nach oben geben.

Rohstoffe spiegeln die Unsicherheiten, Fokus auf Öl

Bei den Rohstoffen, insbesondere den Industriemetallen, heißt es „wait and see“, wie der Handelsstreit ausgeht. Spannend ist es beim Ölpreis: Der Konflikt zwischen den USA und dem Iran könnte im Worst Case zu deutlich höheren Ölpreisen führen. Der Iran könnte den Transportweg, die Straße von Hormus, verminen und damit den Fluss des Öls unterbrechen und langfristig die Transportkosten nach oben treiben.

Rentenmärkte haben sich eingependelt – Europawahl im Blick

Die Renditen in den USA scheinen sich um 2,5 Prozent einzupendeln und sind damit weit entfernt von den Höchstständen des letzten Jahres. Für den Moment sieht es so aus, als würde es weder Impulse für eine Zinserhöhung noch für eine Zinssenkung geben. In Europa ist das Bild zwar diverser – die Italiener haben immer noch weite Spreads – aber dennoch sind auch hier die Zinsen aufgrund kurzfristig gefallener Inflation und Inflationserwartungen gesunken. Die Ende Mai anstehende Europawahl sollten Anleger im Blick behalten, denn falls die Populisten deutliche Gewinne einfahren, könnte sich das auch bei den Renten bemerkbar machen. Schon jetzt kann man sagen, dass die Länder, deren Regierung durch Populisten besetzt sind, höhere Spreads haben, da hier oft die Haushaltsdisziplin zu wünschen übrig lässt. Bestes Beispiel hierfür ist Italien.

Ausblick

Alles steht und fällt mit dem Handelsstreit. Doch auch wenn es eine Lösung im US-China-Konflikt geben sollte, ist es wahrscheinlich, dass US-Präsident Trump die nächste Kriegsfront mit den Europäern eröffnet. Das dürfte dann den Autobauern vor allem in Deutschland schwer zu schaffen machen. Je länger diese Hängepartien dauern, desto mehr machen sich die Schleifspuren in der Weltwirtschaft bemerkbar. Momentan kann man weder Übertreibungseuphorie an den Märkte noch eine dynamische Erholung der Wirtschaft erkennen.

Investment Komitee Summary – April 2019

Aktienmärkte halten sich stabil angesichts der Unsicherheiten

Die Aktienmärkte haben die Korrektur des Jahresendes 2018 wettgemacht und sind fair bewertet. Unterstützung kam von mehreren Fronten: der weltweite Rückgang der Zinsen und die Absenz von schlechten Nachrichten haben den Märkten geholfen. Weiterhin antizipieren die Märkte eine Einigung im Handelsstreit und trotz der unübersichtlichen Gemengelage in Großbritannien preisen die Märkte keinen harten Brexit ein. Wir sind leicht optimistisch, dass beide Annahmen eintreffen werden und haben auf Grundlage dieser Annahmen folgende Entscheidungen getroffen.

Executive Summary:

  • Wir reduzieren unseren Bestand im Bereich der Nachränge, da diese nur nach einer Krise attraktiv sind.
  • Mit diesen Erlösen und dem Restbestand an Barmitteln erhöhen wir unsere Gewichtung am NASDAQ und bauen zeitgleich die Sicherheit via europäische Staatsanleihen aus.
  • Wir behalten unsere High Yield-, Emerging Markets- und Asia Pacific-Aktien-Gewichtung bei.
  • Wir beobachten Europa, besonders Großbritannien im Falle eines Deals

Makroökonomische Gemengelage bleibt spannend

Entgegen den Erwartungen gibt es auch Anfang April keine Visibilität wie der US – China Handelsstreit ausgehen wird. Während es von den Unterhändlern immer wieder positive Signale gibt, kommen aus Washington teilweise recht „falkenhafte“ Kommentare vor allem von Larry Kudlow, dem höchstrangigen Wirtschaftsberater von Präsident Trump. Je länger sich diese Hängepartie hinzieht, desto höher ist das Risiko einer weltweiten Rezession. Ideal wäre eine baldige Einigung. Auch beim Brexit ist der Ausgang noch ungeklärt, allerdings scheint es sehr unwahrscheinlich, dass die Europäer die Briten ohne Deal aus der EU „fallen“ lassen werden. Zu groß wären die negativen Auswirkungen auf die Volkswirtschaften des Kontinents. So kann man von einer weiteren Verlängerung auch dieser Hängepartie ausgehen. Wir gehen in Europa von einer Erholung des Wachstums im zweiten Halbjahr aus.

Aktienbewertungen – fair bewertet mit ein bisschen Potential

Die Kursentwicklungen des ersten Quartals haben den Einbruch des Jahresendes wieder wettgemacht. Europäische Aktien sind in unseren Augen fair bewertet, US-amerikanische Titel sogar ein bisschen „teurer“. Dennoch sehen wir kurzfristig und eventuell sogar strukturell mehr Attraktivität im NASDAQ. Einerseits sind die Gewinnerwartungen im Tech-Sektor weniger eingebrochen und andererseits stellt sich auch die grundlegende Frage, welche Rolle die Unternehmen des NASDAQ in einer immer mehr digitalisierten Welt spielen. Wir glauben, dass beim NASDAQ noch Potential zu heben ist, gerade vor dem Hintergrund einer Mitte April beginnenden Berichtssaison in den USA. Europäische Aktien hinken hinterher: Es könnte aber ein Revival im zweiten Halbjahr geben – vor allem in Großbritannien, wenn sich die politische Situation gelöst hat.

Rentenmärkte und die FED

Die Rentenmärkte haben im ersten Quartal eine fundamentale Kehrtwende hingelegt. Die Märkte preisen in den USA keine Zinserhöhungen mehr ein und gehen sogar von einer ersten Zinssenkung im Dezember dieses Jahres aus. In Europa sieht man das gleiche Bild.

Europäische Staatsanleihen könnten angesichts der konjunkturellen Aussichten durchaus in den nächsten Wochen die Niedrigststände um Minus 20 Basispunkte testen. Es gibt unserer Meinung nach Potential in diesem Bereich. Wenn unser Weltbild sich im zweiten Halbjahr materialisiert, dann können die Durationen wieder abgebaut werden.

China doch nicht am Abgrund

Entgegen vieler Erwartungen hält sich die chinesische Wirtschaft recht robust. Die Einkaufsmanagerindizes – sowohl der staatliche als auch der von Unternehmen – waren besser als erwartet. Der Handel stagniert nur und ist nicht im freien Fall und auch andere Teile der Wirtschaft, wie der Immobiliensektor und der Energieverbrauch, lassen keinen Grund zur Sorge zu. China agiert trotz der anhaltenden Stimmungsschwankungen zwischen den USA und der eigenen Regierung recht vernünftig: so scheint es, als ob eine Währungsabwertung wirklich nur als letzte Waffe im Falle eines Scheiterns der Gespräche in Frage käme. Falls es dazu kommen sollte, hat die chinesische Regierung auch noch Munition übrig: So könnte die Wirtschaft beispielsweise durch Zinssenkungen weiter stimuliert werden.

Ausblick auf strukturelle Themen

Abseits von den immanent anstehenden Themen werden Aktienmärkte auch von langfristigen Trends getrieben. In diesem Zusammenhang lohnt es ich darüber nachzudenken, ob die zunehmende Digitalisierung eventuell so etwas wie eine industrielle Revolution bedeutet und ganz andere Sektoren in Zukunft die Bluechips der Welt sein werden. Die USA haben ganz klar die Nase vorne bei Tech-Unternehmen und das könnte auch ein Grund sein, warum dort die Aktienmärkte deutlich besser gelaufen sind seit der Finanzkrise.

Investment Komitee Summary – März 2019

Die Trumpsche Handelspolitik hat der Weltwirtschaft deutlich geschadet

Schneller und deutlicher als vorher angenommen sind die Auswirkungen der Trumpschen Handelspolitik zu erkennen: Das Wachstumsbild hat Dellen und Blessuren bekommen. Alles steht und fällt nun mit einer Einigung oder dem Scheitern der Gespräche zwischen Trump und Xi-Jinping. Rational gesehen habe beide Parteien ein starkes Interesse sich zu einigen. Das vergangene Jahr hat allerdings gezeigt, dass in der heutigen Zeit nicht notwendigerweise die Rationalität die Oberhand behält. Vor diesem Hintergrund hat das Investment Komitee der Fürstlich Castell’schen Bank folgende Entscheidungen getroffen.

Executive Summary:

  • Ausbau der Rohstoffquote, um früh von einer Stabilisierung der Wirtschaft zu profitieren
  • Ausbau der Durationen bei Europäischen Staatsanleihen auf 5 bis 6 Jahre, um von einer taubenhafteren EZB zu profitieren
  • Beibehaltung der China- und US-Aktienpositionen

Wirtschaft mit erheblichen Bremsspuren – dennoch Erholung möglich

Das Wachstumsbild hat erhebliche Dellen und Blessuren erlitten und die Anfälligkeiten sind merklich gestiegen. Die Einkaufsmanagerindizes spiegeln diese Entwicklung wider: zwar hat sich der weltweite Durchschnitt der „PMIs“ stabilisiert, doch befinden sich 16 Länder in Kontraktion.

Angesichts der Unsicherheit über die Zukunft des Freihandels halten sich viele Konzerne mit Investitionen zurück, was sich natürlich auch in den Exportzahlen widerspiegelt. Eine Einigung im Handelsstreit könnte dennoch für eine Belebung der Wirtschaft im zweiten Quartal führen – ein Scheitern allerdings hätte unweigerlich eine deutliche Verschlechterung, eventuell sogar eine Rezession, zur Folge. Beide Akteure haben großes Interesse an einer Lösung und der Beilegung der Streitigkeiten: Allerdings hat die Vergangenheit auch gezeigt, dass US-Präsident Trump nicht notwendigerweise rational agiert. Wir gehen im Grunde von einer Einigung aus, aber es besteht dennoch ein nicht zu ignorierendes Risiko, dass beide Parteien den Verhandlungstisch ohne Einigung verlassen.

Rohstoffmärkte im Blick

Unter der Annahme, dass es zu einer Einigung kommt, sind wir der Meinung, dass Rohstoffe momentan eine attraktive Asset-Klasse sind. Rohstoffe profitieren sehr früh von einer Verbesserung der konjunkturellen Lage. Schon allein die Ankündigung von mehr fiskalpolitischen Maßnahmen der chinesischen Regierung hat einzelne Industriemetalle beflügelt. China dürfte überproportional von einer Einigung im Handelsstreit profitieren und damit auch deutlich die Rohstoffmärkte beleben.

EZB – Tauben obsiegen

Die Europäische Zentralbank hat ihre Wachstums- und Inflationserwartungen nun deutlich nach unten korrigiert und trägt damit der unverkennbar eingetrübten Konjunktur Rechnung. Wir denken, dass eine „taubenhaftere“ EZB auch noch Potential am Rentenmarkt birgt und verlängern unsere Duration im europäischen Rentenbereich. Die Erwartungen einer ersten Zinserhöhung sind weit in die Zukunft gerückt – momentan geht der Markt von Mitte 2020 aus und die Diskussion zentriert sich aktuell eher wieder um weitere „Unterstützungsmaßnahmen“ wie neue günstige Kredite für die Banken, kurz TLTROs. Nicht zuletzt will Mario Draghi wohl in den letzten Monaten seiner Präsidentschaft keinen „policy mistake“ machen und bleibt sich als Taube weiter treu. Auch in den USA hat die Notenbank FED den Zinsfantasien eine deutliche Absage erteilt – die Märkte gehen sogar von keiner weiteren Erhöhung im Laufe dieses Jahres aus. Es könnte sogar sein, dass die FED ein Überschießen der Inflationserwartungen in Kauf nimmt, um der Wirtschaft nicht zu schaden. Im Gegensatz zur EZB hat die FED ja ein duales Mandat – ihr geht es nicht nur um  Inflation sondern auch ums Wirtschaftswachstum.

Aktienmärkte noch Potential?

Im Falle einer Einigung im Handelsstreit könnten es an den Märkten nochmal sprunghaft bergauf gehen. Wir erwarten aber bis dahin eher eine Seitwärtsbewegung und bleiben deswegen bei unserer leichten Aktienübergewichtung. Auf die einzelnen Märkte runtergebrochen sehen wir weiter mehr Potential in den USA – insbesondere beim Nasdaq – und in Asien. Europa empfinden wir weiterhin als weniger attraktiv.

Investment Komitee Summary – Februar 2019

Beilegung des Handelsstreits dürfte Aktienmärkte weiter unterstützen

Die Aktienmärkte haben zwar im Januar die Verluste des Dezembers im Großen und Ganzen ausgeglichen, dennoch dürfte eine Beilegung des Handelsstreits zwischen den USA und China für weiter steigende Kurse, zumindest in der kurzen Frist, führen. Deshalb hat das Investment Komitee der Fürstlich Castell’schen Bank folgende Entscheidungen getroffen.

Executive Summary:

  • Wir bevorzugen weiterhin den US-Aktienmarkt und ausgewählte Schwellenländer
  • Wir planen die US-Aktienquote weiter zu erhöhen, falls z. B. der S&P die 200-Tageslinie überschreitet. Europäische Aktien müssen erst noch wichtige Unterstützungen zurückerobern, bevor wir sie höher gewichten.
  • Gleichzeitig bauen wir im Rentenbereich Duration und Sicherheit auf, da die rationale Erwartung auf eine Einigung im Handelsstreit im letzten Jahr mehrfach enttäuscht wurde.
  • Wenn es zu einer Einigung im Handelsstreit kommt, würden wir auch Rohstoffe aufstocken.

Handelsstreit – Quo Vadis?

Wir gehen von einer Einigung zwischen den USA und China in der nahen Zukunft aus. Beide Parteien haben daran großes Interesse. Die Chinesen brauchen dringend positive Impulse für ihre Wirtschaft, denn das Wachstum hat sich deutlich abgeschwächt. US-Präsident Trump braucht ein positives politisches Signal und nicht zuletzt weiter steigende Aktienmärkte, um seine Popularität nicht zu gefährden. Wir gehen davon aus, dass es im Zuge einer Einigung zu weiter steigenden Aktienmärkten kommen könnte und haben deswegen und aufgrund der attraktiver gewordenen Bewertungen unsere Aktienquote bereits im Januar signifikant ausgebaut.

Notenbankpolitik und Rentenmärkte

Nachdem die US-Notenbank die Märkte im letzten Quartal des vergangenen Jahres in Angst und Schrecken versetzt hat, dürfte die Geldpolitik die Märkte nun erstmal unterstützen. Die Märkte gehen nun von keinem Zinsschritt der FED in diesem Jahr mehr aus, wir sehen zumindest keine weiteren Zinsschritte im ersten Halbjahr in den USA. Die EZB wird wohl in diesem Jahr angesichts der weiter niedrigen Inflation und der wirtschaftlichen Abschwächung nichts machen. Diese geldpolitische Unterstützung des „Lower for Longer 2.0“ dürfte die Aktienmärkte weiter positiv stimmen. Staatsanleihen, vor allem Bunds, haben in diesem Umfeld sinkender Inflation, sinkendem Wachstum und sich verschiebender Zinserhöhungen sogar noch ein gewisses Potential.

Ob wir die Tiefstände bei -17BP für zehnjährige Bundesanleihen noch einmal sehen werden, wird die Zukunft zeigen. Kurzfristig gehen wir bis Quartalsende von weiter sinkenden Zinsen aus: Ziel ist hierbei 0-10 BP für Bundesanleihen.

Aktienmärkte zwischen Politik und konjunktureller Eintrübung

Die Märkte sind im Januar trotz sich eintrübender Konjunkturindikatoren und deutlich nach unten revidierten Gewinnaussichten gestiegen. Das hat natürlich einerseits mit den starken Verlusten des Dezembers und andererseits aber auch mit der Hoffnung auf eine Einigung im Handelsstreit zu tun. Die Kernfrage ist allerdings, wie lange das noch gut geht und wie nachhaltig die zu erwartende Erholung ist. Die Einkaufsmanagerindizes deuten in immer mehr Ländern auf eine Abschwächung des Wachstums hin. Die BIP-Prognosen für Deutschland sind deutlich nach unten revidiert worden. Nur eine Einigung im Handelsstreit könnte hier das Ruder nachhaltig herumreißen. Allerdings befinden wir uns auch dann noch in einer späten Phase des Konjunkturzyklus und eine Abschwächung in diesem Jahr ist unumgänglich.

Fazit: wir sehen die Aktienmärkte zwar mit kurzfristigen Potential, erreichen allerdings in den USA bereits wieder neutrale Bewertungsrelationen und würden diese nicht mehr als günstig bezeichnen.

Rohstoffe, China und der Handelskrieg  

China als größter Konsument von Industriemetallen treibt natürlich die Preise an den Rohstoffmärkten maßgeblich mit. Gerade der Bereich der Industriemetalle ist unserer Meinung nach quasi „überverkauft“ und dürfte von einer Einigung im Handelsstreit profitieren. Auch haben die Chinesen eine Reihe von fiskalpolitischen Stimuli verabschiedet und es könnte noch mehr kommen beim Parteikongress im März. Die Effekte dürfte man in den Daten zwar erst gen Sommer sehen, aber das könnte die Märkte dann auch weiter unterstützen.

Brexit  

Es ist schwer zu sagen, was passieren wird. Momentan sieht alles nach einer Verlängerung aus, allerdings ist die große Frage, für wie lange. Ende Mai stehen die Europawahlen an, sollte Großbritannien dann noch nicht formal ausgeschieden sein, müssten sie an der Wahl ganz normal teilnehmen.

Castell’scher Wochenausblick auf die Märkte (KW3)

Der Start in das neue Jahr ist an den Aktienmärkten zumindest gelungen. Die Risiken sind zwar die alten, aber es scheint zumindest Hoffnung im Handelsstreit zu geben. Die Bilanzen der US-Berichtssaison sind zwar gemischt, aber nicht durchweg negativ. Viele Unternehmenslenker, wie der Chef der Citibank, warnen davor, die Rezession herbeizureden, denn eigentlich sei das wirtschaftliche Klima noch durchaus gut. Ist der Konjunkturpessimismus eventuell übertrieben? Im Skiort Davos kommen wie jedes Jahr um diese Zeit die weltweite Politik- und Wirtschaftselite zusammen, um über die Themen der Zeit zu sprechen. Die Konjunktur dürfte dabei recht weit oben auf der Agenda stehen. Das dürfte allerdings nicht alles sein.

Weltwirtschaftsforum in Davos

Mehr als 2.500 Teilnehmer werden von Dienstag bis Freitag über die Weltwirtschaft und Herausforderungen der Zukunft sprechen. Die Themen rangieren von geopolitischen Risiken, politischen Herausforderungen bis hin zu Digitalisierung und der Veränderung von Supply chain. Aber auch Themen wie die Zukunft des Gesundheitswesens, der Klimawandel und die Migration stehen auf der Agenda. Vor allem wird man viel von Unternehmenschefs und deren Einschätzung zur weiteren Entwicklung des neuen Jahres hören. Viele sagen ja, dass – angesichts der vielfältigen Risiken – dieses Jahr besonders herausfordernd werden könnte.

EZB trifft sich zur geldpolitischen Entscheidung

Angesichts der sich eintrübenden Konjunktur in Europa beobachten die Marktteilnehmer die EZB mit Argusaugen. Die Bank hat zum Jahresende ihr Anleihekaufprogramm zwar offiziell beendet, reinvestiert dennoch weiter im großen Stil. Im Fokus der Anleger ist nun allerdings vor allem die sogenannte „Forward Guidance“ der Zinsen. Es scheint ausgemacht, dass Mario Draghi bis zu seinem Ausscheiden die Zinsen nicht erhöhen wird. Seine Amtszeit endet im Oktober. Die jüngsten Erwartungen sind, dass die EZB wohl erst gegen Ende des Jahres ihren Einlagenzinssatz erhöhen wird und ein Zinsschritt erst in 2020 folgen könnte. Allerdings sehen die meisten Volkswirte dann schon eine deutliche konjunkturelle Abkühlung. Vielleicht bleiben die Zinsen auch einfach bei null. Kommende Woche könnte die EZB allerdings eine neue Kreditlinie für Banken annoncieren – die sogenannte TLTRO. Das dürfte vor allem für die südeuropäischen Banken – Stichwort Italien – positiv sein.

Berichtssaison geht weiter

In den USA geht die Berichtssaison mit Hochdruck weiter: unter anderem berichten Johnson & Johnson, Procter & Gamble aber auch Ford und Intel. In Europa geht es ebenso langsam los mit der schweizerischen Großbank UBS und Givaudan, dem weltweit größten Hersteller von Aromen und Duftstoffen mit Sitz in Vernier, Schweiz. In Deutschland macht SAP am 29. Januar den Anfang – zumindest für die DAX-Werte.

Investment Komitee Summary – Januar 2019

Aktienmärkte weiter belastet durch China, Handelskrieg und Brexit

Die Aktienmärkte sind zwar weiterhin durch die bekannten Risikofaktoren (u.a. Handelskrieg, wirtschaftliche Abschwächung und Brexit) belastet, aber die Bewertungen haben sich nach dem Ausverkauf im vierten Quartal verbessert, so dass wir im Investment Komitee folgende Entscheidungen getroffen haben:

Executive Summary:

  • Wir erhöhen die Aktienquote um 5 % und verlassen damit unsere sehr defensive Positionierung, bleiben aber weiterhin defensiv. Schwerpunkt unseres Aktienengagements sollen mit 50 % die USA sein, 30 % Europa und der Rest aufgeteilt auf Schwellenländer und Asien Pazifik
  • Auf der Rentenseite reduzieren wir die Duration in den USA und nehmen Gewinne aus langlaufenden US-Treasuries mit. Unser neuer Fokus ist das kurze Ende bei Renten.
  • Wir beobachten die Kreditmärkte kritisch. Falls die Spreads sich weiter ausweiten, würden wir unsere Bestände reduzieren.

Aktienbewertungen – billig oder nicht?

Die Bewertungen der Aktien gemessen an ihrem Kurs-Gewinn-Verhältnis sind deutlich gesunken durch den jüngsten Ausverkauf. Der deutsche Leitindex DAX liegt mit einem KGV von um die 11,5 unter seinem historischen Durchschnitt, aber die Frage ist nun, inwiefern die Gewinnerwartungen der Unternehmen realistisch sind. Die nächste Woche startende Berichtssaison in den USA wird darüber erste Auskünfte geben. Wir erachten US-Aktien als attraktiver, da wir davon ausgehen, dass die Gewinnentwicklung der US-Unternehmen stabiler sein dürfte als in Europa und dem Rest der Welt. Deswegen bevorzugen wir aktuell US-Aktien.

Rentenmärkte und die FED

Auch die Rentenmärkte hatten ein sehr volatiles viertes Quartal, was vor allem an der starken Veränderung der Zinspolitik der FED lag. Während die Renditen in Antizipation weiterer Zinserhöhungen im November bis auf 3,25 % gestiegen waren, notieren die Papiere nun Mitte Januar bei um die 2,7 %. Der Grund für diesen ungewöhnlich starken Zinsabfall ist die FED und ihre geänderte Message: eine weitere Straffung der Geldpolitik sei angesichts der weltweiten Abkühlung und der Volatilität den an den Finanzmärkten weniger klar. Die Märkte glauben nicht mehr an weitere Zinsschritte in den USA in 2019. Wir denken aber, dass diese radikale Kehrtwende der Märkte übertrieben ist und die FED die Märkte im laufenden Jahr überraschen könnte. Deswegen positionieren wir uns im kurzen Ende der Yield Curve.

Kreditmärkte

Die Spreads bei Unternehmensanleihen sind durch die Bank gestiegen, was an das Jahr 1998, ebenfalls ein Jahr im Schlussviertel des Wirtschaftszyklus, erinnert. Die EZB hat den Markt als Käufer verlassen und die sich eintrübende Wirtschaft belastet ebenso. Es ist gut möglich, dass diese Bewegung anhält, denn eine sich eintrübende Konjunktur bedeutet auch höhere Ausfallwahrscheinlichkeiten und damit höhere Spreads.

Politische Risiken

Die Verhandlungen zwischen China und den USA über Handelskonzessionen haben bis dato noch keinen erfolgreichen Abschluss erreicht. Das belastet nicht nur die beiden Parteien, sondern auch den Rest der Welt aufgrund der engen Vernetzung der Produktionsprozesse. Je mehr man die Bremsspuren in den Unternehmensbilanzen (jüngstes Beispiel Apple mit einer Gewinnwarnung) und an den Märkten sieht, desto höher ist allerdings auch die Wahrscheinlichkeit, dass es zu einer Einigung kommt. Der US-Präsident misst seinen Erfolg an den Aktienmärkten und will Erfolge für sich einfahren und dürfte zu einem höheren Preis bereit sein. China hingegen sitzt ebenso auf einem wirtschaftlichen Pulverfass.

In welcher Form der Brexit kommen mag, ist weiterhin nicht bekannt. Nächste Woche kommt es wahrscheinlich zur Abstimmung im Parlament, das dürfte mehr Klarheit bringen. Es ist zu erwarten, dass das Thema an den Märkten für mehr Volatilität sorgen wird.

Beim Thema Italien und dem Haushaltsstreit ist zumindest ein Burgfriede mit der Europäischen Kommission ausgehandelt worden. Das Thema dürfte allerdings spätestens nach den Europawahlen im Mai wieder aufkommen, denn dann könnten die Rufe nach höheren Ausgaben deutlich lauter werden. Es ist davon auszugehen, dass die größten Gewinner bei der Europawahl die populistischen Parteien sein werden.

China

Die Redewendung „In China ist ein Sack Reis umgefallen“ als Metapher für ein unwichtiges Ereignis, dürfte getrost der Vergangenheit angehören. Wenn China erkrankt, spürt das nun die ganze Weltwirtschaft. Die jüngsten Wirtschaftsindikatoren deuten unisono auf eine Abkühlung der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt hin. Vor allem die Exporterwartungen könnten auf eine deutlich schlechtere Entwicklung hindeuten. China kann allerdings nicht wie in der Vergangenheit mit mehr Krediten dagegen anhalten, denn der Schuldenstand ist zu hoch. Die chinesische Regierung versucht hingegen nun durch eine Abwertung des Yuans die eigenen Produkte zu verbilligen, das belastet den Rest der Welt. Auf der anderen Seite reagieren chinesische Unternehmen auf die gestiegene Unsicherheit mit weniger Investitionen. Das belastet vor allem Japan und Deutschland als weltweit größte Hersteller von Maschinen.

Wirtschaftliche Abkühlung

Das Wirtschaftswachstum momentan ist immer noch auf einem hohen Niveau, in Deutschland auch klar über Potential. Aber die Dynamik geht in die falsche Richtung. Die Stimmungsindikatoren weisen sowohl für die USA als auch für Europa noch mehr auf eine deutliche Eintrübung der wirtschaftlichen Aktivität hin. 2019 dürfte noch ganz gut sein, aber spätestens in 2020 könnte es deutlich bergab gehen auch in den USA.

Castell’scher Wochenausblick auf die Märkte (KW1)

Das neue Jahr beginnt, wie sich das alte verabschiedet hat: turbulent und volatil. Konjunktursorgen – vor allem eine deutliche Wachstumsverlangsamung in China – belasten ebenso wie Gewinnwarnungen von weltweit agierenden Unternehmen. Der Schocker der letzten Woche war Apple: was so viele Investoren befürchteten, trat ein; das Unternehmen kann seine Umsatzziele nicht mehr halten. Hauptgrund sei China, aber auch der schleppende Absatz in sogenannten reifen Märkten. Für einen positiven Impuls hoffen Anleger unisono auf einen Durchbruch im US-chinesischen Handelskrieg.

Verhandlungen zwischen USA und China gehen in die nächste Runde

Es gibt zumindest rationale Gründe dafür, an eine Einigung zu glauben. Denn beide Parteien brauchen positive Signale für ihre heimischen Wirtschaften. Gerade für Präsident Trump sind die Aktienmärkte von großer Bedeutung und er weiß genau, dass ein positives Ergebnis mit China diese beflügeln dürfte. Die chinesische Wirtschaft hat sich jüngst deutlich eingetrübt. Kurz vor Weihnachten hatten beide Seiten positive Signale gesendet. Trump hatte zugesagt, zum 1. Januar geplante Zölle auf chinesische Waren in Höhe von 200 Milliarden Dollar (175 Milliarden Euro) auszusetzen. Peking verzichtete daraufhin vorerst auf geplante Zölle von 25 Prozent auf US-Autos. Am Montag, den 7. Januar sollen die Gespräche in Beijing wieder aufgenommen werden.

Theresa May und der Brexit gehen in die nächste Runde

Theresa May gibt nicht auf. Sie versucht weiterhin der EU Konzessionen beim dem sogenannten „Back-stop“ abzuringen und war in dieser Mission bei verschiedenen Regierungschefs in der vergangenen Woche vorstellig – unter anderem bei Bundeskanzlerin Merkel. Am Montag tritt das britische Unterhaus zusammen, um über den „Brexit-Deal“ zu debattieren. Nach dieser Debatte dürfte es mehr Klarheit geben, ob es überhaupt noch zu einem Deal kommen kann. Die Wahrscheinlichkeit eines „Exits vom Brexit“ steigt quasi täglich. Am 14. Januar soll dann final über das Verhandlungsergebnis abgestimmt werden.

Konjunkturdaten aus den USA, Europa und Deutschland im Fokus

Mit Argusaugen beobachten Anleger die konjunkturelle Entwicklung, da sie einerseits die Gewinnerwartungen der Unternehmen und andererseits aber auch die Geldpolitik beeinflusst. Vor allem die Zinserhöhungserwartungen in den USA stehen im Fokus der Anleger. Angesichts der sich eintrübenden Aussichten, erwartet der Markt mittlerweile deutlich weniger bis hin zu keiner weiteren Zinserhöhung in 2019. Anfang der Woche wird der Einkaufsmanagerindex der nichtverarbeitenden Industrie in den USA veröffentlicht, aus Europa gibt es Zahlen zum Einzelhandelsumsatz und in Deutschland steht der Außenhandel im Fokus.