Investment Komitee Summary – Juni 2019

Notenbanken unterstützen Märkte, von konjunktureller Seite kommt kein Rückenwind

Der Mai war ein schwieriger Monat an den Aktienmärkten: Der S&P 500 verlor 6,6 Prozent, der DAX hatte den schlechtesten Monat des Jahres. Gründe dafür sind der sich immer weiter zuspitzende Handelskonflikt zwischen China und den USA, aber auch der schwelende Konflikt zwischen den USA und dem Iran. Aufheiterung kam dann einmal wieder von Seiten der US-amerikanischen Notenbank: Fed-Präsident Powell zeigt sich offen für Zinssenkungen. Doch wie lange diese „Fantasie“ die Märkte wirklich trägt, ist zweifelhaft.

Executive Summary:

  • Wir machen unser Portfolio wetterfest.
  • Wir halten im ausgewogenen Profil derzeit eine Aktienquote von 22 Prozent.
  • Wir verlängern die Duration unseres Rentenportfolios (US-Anleihen und Spanien).
  • Wir investieren in einen S&P Discounter, der auch bei sich seitwärts entwickelnden Märkten eine Renditemöglichkeit von bis zu drei Prozent aufweist und sehen uns nach Nachfolgern für den erfolgreichen EURO STOXX 50 Discounter um.

Handelskrieg belastet weiter Märkte und Konjunktur

Der Handelskrieg hat ohne Frage eine neue Qualität erreicht. Es ist wohl an der Zeit anzuerkennen, dass es eine Wiederkehr der Wachstumsmaschine „Chimerika“ so nicht mehr geben wird. Der Konflikt hat sich verhärtet und es wird auch zusehends ersichtlich, dass es um weit mehr als um Handelsüberschüsse geht. Am Beispiel Huawei wird deutlich, dass es vielmehr auch um Technologie und Fragen der inneren Sicherheit geht. Das Ergebnis dieser Entwicklung ist allerdings, dass das globale Wachstumspotenzial deutlich verringert wird. Es geht nicht mehr nur um eine konjunkturelle Delle.

Konjunkturaussichten trüben sich weiter ein

Die globalen Wachstumsaussichten sind deutlich abgeschwächt. Die Einkaufsmanagerindizes für das verarbeitende Gewerbe fallen sowohl in Europa aber auch in den USA, denn Investitionen werden aufgrund der unsicheren Lage zurückgehalten. Der amerikanische Verbraucher ist wieder bester Stimmung und auch der Arbeitsmarkt ist sowohl in den USA als auch in Europa weiterhin sehr fest. Die Erwartungen trüben sich dennoch maßgeblich ein und manche sprechen von einem gestiegenen Rezessionsrisiko. Die Anleihemärkte preisen zumindest eine starke Verschlechterung der Konjunktur ein und auch die OECD hat die Wachstumsaussichten deutlich korrigiert.

Chinas Wirtschaft hält sich stabiler als erwartet

China profitiert von den steuerlichen und auch geldpolitischen staatlichen Stimulus-Maßnahmen. Das staatliche Investitionstempo hat sich deutlich erhöht; gleichzeitig hat China seine Währung leicht abgewertet. Historisch betrachtet, könnte Europa und insbesondere Deutschland auch profitieren. Denn die Nachfrage nach langlebigen Anlagegütern – ein Exportschlager aus Deutschland – könnte durch das chinesische Konjunkturprogramm unterstützt werden.

Notenbanken auf Lockerungskurs

Nachdem die Fed Zinssenkungen in Aussicht gestellt hat, um die Auswirkungen des Handelskrieges abzufedern, hat auch die Europäische Zentralbank eine Zinssenkung und eine Neuauflage ihres Anleihekaufprograms auf den Tisch gebracht. Hier geht es momentan nur um „mögliche“ Schritte, also dem sogenannten „Signalling“ von geldpolitischen Schritten. Diese spielen allerdings in der monetären Transmission eine große Rolle, denn sie sollen die Erwartungen der Marktteilnehmer steuern. Die marktbasierten Inflationserwartungen sind allerdings in der Eurozone weiterhin nahe ihrer historischen Tiefstände – darum ist die EZB auch so alarmiert.

Was bedeutet das für die Märkte?

Bei den Renten dürfte sich vor allem am langen Ende etwas tun. Es ist zu erwarten, dass sich die langfristigen Zinsen eher tendenziell nach Süden bewegen, wenn sich die Wachstumsaussichten weiter eintrüben und die Notenbanken mehr lockern. In der Eurozone sind vor allem Märkte wie Spanien und Portugal attraktiv vor diesem Hintergrund – im Gegensatz zur Schuldenkrise gibt es keine Ansteckung von Italien auf die südliche Peripherie. Aber auch das längere Ende der US-Yield-Kurve ist attraktiv.

Die Aktienmärkte haben die Aussicht auf niedrigere Zinsen mit einer kleinen Rally begrüßt. Allerdings ist sehr fraglich wie lange diese Euphorie halten wird. Es ist weiterhin unklar wie stark die Gewinne der Unternehmen von den steigenden Tarifen belastet werden und was das dann auch für die Aktienmärkte bedeutet. Die lange antizipierte Erholung im zweiten Halbjahr ist auf jeden Fall eher unwahrscheinlicher geworden. Auch die noch vor kurzem rosigen Aussichten für den Technologiesektor haben sich ins Negative gedreht, denn die Regulierung legt ein immer größeres Augenmerk auf den Sektor mit momentan noch schwer absehbaren Konsequenz

Investment Komitee Summary – Mai 2019

Aktienmärkte halten sich stabil angesichts der Unsicherheiten

Die Aktienmärkte halten sich trotz der ansteigenden Spannungskurve im Handelsstreit zwischen den USA und China recht stabil. Es gibt weiterhin viel Unterstützung seitens der Notenbanken. Zinserhöhungen in den USA sind fürs weitere vom Tisch und die EZB denkt halblaut über weitere Unterstützungsmaßnahmen nach. Seit dem Tweet des US-Präsidenten von Sonntagnacht, dass er den Chinesen höhere Zölle androht, ist die Gemengelage noch unübersichtlicher geworden. Angesichts dieser Unwägbarkeiten haben wir im Investment Komitee keine Veränderungen des Portfolios beschlossen.

Executive Summary:

  • Wir bleiben in unserem Aktienexposure übergewichtet und könnten damit von einer ruckartigen Markterholung im Falle einer Einigung im Handelsstreit profitieren.
  • Wir heben die Sicherungslinie an und erhöhen damit den Zielwert unter den die Fonds nicht fallen sollten. Dieser Schritt reduziert das Verlustrisiko für unsere Anleger.
  • Wir beobachten die Aktien- und Rentenmärkte genau und würden unser Exposure reduzieren, falls die Aktien unter die 50-Tage-Linie fielen bzw. die Renditen bei den Renten über die 65-Tage-Linie steigen sollten.

Makroökonomische Indikatoren deuten nach Süden

Auf den ersten Blick sehen die Wirtschaftsdaten in den USA noch sehr robust aus. Doch der Schein trügt, denn Frühindikatoren wie die Einkaufsmanager-Indizes waren unerwartet schwach: auch im nicht verarbeitenden Gewerbe hat sich die Stimmung eingetrübt. Das verarbeitende Gewerbe leidet unter der Trump’schen Politik, obgleich seine Handelspolitik gerade diesem Teil der Wirtschaft dienen sollte. Europa enttäuscht nach wie vor und Deutschland hat es nun auf den letzten Platz bei den Einkaufsmanager-Indizes geschafft – das ist kein gutes Zeichen für die weitere Entwicklung. Alleinig in China kann man von einer Stabilisierung sprechen. Hier unterstützt die Regierung durch fiskal- und geldpolitische Maßnahmen die Wirtschaft.

Aktienmärkte weiterhin recht stabil

Die Aktienmärkte haben sich trotz der Unsicherheiten weiter positiv entwickelt. Die Berichtssaison in den USA läuft relativ positiv, was natürlich auch an den stark zurückgenommen Erwartungen liegt. Aber auch die ersten Indikationen europäischer Quartalsberichte zeigen, dass der große Einbruch ausgeblieben ist. Die Märkte, sowohl in den USA als auch in Europa, sind durch die Kursgewinne und die gleichzeitig angepassten Gewinnerwartungen allerdings „teurer“ geworden. Alleinig bei Emerging Markets könnte es in vereinzelten Märkten noch deutliches Potential nach oben geben.

Rohstoffe spiegeln die Unsicherheiten, Fokus auf Öl

Bei den Rohstoffen, insbesondere den Industriemetallen, heißt es „wait and see“, wie der Handelsstreit ausgeht. Spannend ist es beim Ölpreis: Der Konflikt zwischen den USA und dem Iran könnte im Worst Case zu deutlich höheren Ölpreisen führen. Der Iran könnte den Transportweg, die Straße von Hormus, verminen und damit den Fluss des Öls unterbrechen und langfristig die Transportkosten nach oben treiben.

Rentenmärkte haben sich eingependelt – Europawahl im Blick

Die Renditen in den USA scheinen sich um 2,5 Prozent einzupendeln und sind damit weit entfernt von den Höchstständen des letzten Jahres. Für den Moment sieht es so aus, als würde es weder Impulse für eine Zinserhöhung noch für eine Zinssenkung geben. In Europa ist das Bild zwar diverser – die Italiener haben immer noch weite Spreads – aber dennoch sind auch hier die Zinsen aufgrund kurzfristig gefallener Inflation und Inflationserwartungen gesunken. Die Ende Mai anstehende Europawahl sollten Anleger im Blick behalten, denn falls die Populisten deutliche Gewinne einfahren, könnte sich das auch bei den Renten bemerkbar machen. Schon jetzt kann man sagen, dass die Länder, deren Regierung durch Populisten besetzt sind, höhere Spreads haben, da hier oft die Haushaltsdisziplin zu wünschen übrig lässt. Bestes Beispiel hierfür ist Italien.

Ausblick

Alles steht und fällt mit dem Handelsstreit. Doch auch wenn es eine Lösung im US-China-Konflikt geben sollte, ist es wahrscheinlich, dass US-Präsident Trump die nächste Kriegsfront mit den Europäern eröffnet. Das dürfte dann den Autobauern vor allem in Deutschland schwer zu schaffen machen. Je länger diese Hängepartien dauern, desto mehr machen sich die Schleifspuren in der Weltwirtschaft bemerkbar. Momentan kann man weder Übertreibungseuphorie an den Märkte noch eine dynamische Erholung der Wirtschaft erkennen.

Investment Komitee Summary – April 2019

Aktienmärkte halten sich stabil angesichts der Unsicherheiten

Die Aktienmärkte haben die Korrektur des Jahresendes 2018 wettgemacht und sind fair bewertet. Unterstützung kam von mehreren Fronten: der weltweite Rückgang der Zinsen und die Absenz von schlechten Nachrichten haben den Märkten geholfen. Weiterhin antizipieren die Märkte eine Einigung im Handelsstreit und trotz der unübersichtlichen Gemengelage in Großbritannien preisen die Märkte keinen harten Brexit ein. Wir sind leicht optimistisch, dass beide Annahmen eintreffen werden und haben auf Grundlage dieser Annahmen folgende Entscheidungen getroffen.

Executive Summary:

  • Wir reduzieren unseren Bestand im Bereich der Nachränge, da diese nur nach einer Krise attraktiv sind.
  • Mit diesen Erlösen und dem Restbestand an Barmitteln erhöhen wir unsere Gewichtung am NASDAQ und bauen zeitgleich die Sicherheit via europäische Staatsanleihen aus.
  • Wir behalten unsere High Yield-, Emerging Markets- und Asia Pacific-Aktien-Gewichtung bei.
  • Wir beobachten Europa, besonders Großbritannien im Falle eines Deals

Makroökonomische Gemengelage bleibt spannend

Entgegen den Erwartungen gibt es auch Anfang April keine Visibilität wie der US – China Handelsstreit ausgehen wird. Während es von den Unterhändlern immer wieder positive Signale gibt, kommen aus Washington teilweise recht „falkenhafte“ Kommentare vor allem von Larry Kudlow, dem höchstrangigen Wirtschaftsberater von Präsident Trump. Je länger sich diese Hängepartie hinzieht, desto höher ist das Risiko einer weltweiten Rezession. Ideal wäre eine baldige Einigung. Auch beim Brexit ist der Ausgang noch ungeklärt, allerdings scheint es sehr unwahrscheinlich, dass die Europäer die Briten ohne Deal aus der EU „fallen“ lassen werden. Zu groß wären die negativen Auswirkungen auf die Volkswirtschaften des Kontinents. So kann man von einer weiteren Verlängerung auch dieser Hängepartie ausgehen. Wir gehen in Europa von einer Erholung des Wachstums im zweiten Halbjahr aus.

Aktienbewertungen – fair bewertet mit ein bisschen Potential

Die Kursentwicklungen des ersten Quartals haben den Einbruch des Jahresendes wieder wettgemacht. Europäische Aktien sind in unseren Augen fair bewertet, US-amerikanische Titel sogar ein bisschen „teurer“. Dennoch sehen wir kurzfristig und eventuell sogar strukturell mehr Attraktivität im NASDAQ. Einerseits sind die Gewinnerwartungen im Tech-Sektor weniger eingebrochen und andererseits stellt sich auch die grundlegende Frage, welche Rolle die Unternehmen des NASDAQ in einer immer mehr digitalisierten Welt spielen. Wir glauben, dass beim NASDAQ noch Potential zu heben ist, gerade vor dem Hintergrund einer Mitte April beginnenden Berichtssaison in den USA. Europäische Aktien hinken hinterher: Es könnte aber ein Revival im zweiten Halbjahr geben – vor allem in Großbritannien, wenn sich die politische Situation gelöst hat.

Rentenmärkte und die FED

Die Rentenmärkte haben im ersten Quartal eine fundamentale Kehrtwende hingelegt. Die Märkte preisen in den USA keine Zinserhöhungen mehr ein und gehen sogar von einer ersten Zinssenkung im Dezember dieses Jahres aus. In Europa sieht man das gleiche Bild.

Europäische Staatsanleihen könnten angesichts der konjunkturellen Aussichten durchaus in den nächsten Wochen die Niedrigststände um Minus 20 Basispunkte testen. Es gibt unserer Meinung nach Potential in diesem Bereich. Wenn unser Weltbild sich im zweiten Halbjahr materialisiert, dann können die Durationen wieder abgebaut werden.

China doch nicht am Abgrund

Entgegen vieler Erwartungen hält sich die chinesische Wirtschaft recht robust. Die Einkaufsmanagerindizes – sowohl der staatliche als auch der von Unternehmen – waren besser als erwartet. Der Handel stagniert nur und ist nicht im freien Fall und auch andere Teile der Wirtschaft, wie der Immobiliensektor und der Energieverbrauch, lassen keinen Grund zur Sorge zu. China agiert trotz der anhaltenden Stimmungsschwankungen zwischen den USA und der eigenen Regierung recht vernünftig: so scheint es, als ob eine Währungsabwertung wirklich nur als letzte Waffe im Falle eines Scheiterns der Gespräche in Frage käme. Falls es dazu kommen sollte, hat die chinesische Regierung auch noch Munition übrig: So könnte die Wirtschaft beispielsweise durch Zinssenkungen weiter stimuliert werden.

Ausblick auf strukturelle Themen

Abseits von den immanent anstehenden Themen werden Aktienmärkte auch von langfristigen Trends getrieben. In diesem Zusammenhang lohnt es ich darüber nachzudenken, ob die zunehmende Digitalisierung eventuell so etwas wie eine industrielle Revolution bedeutet und ganz andere Sektoren in Zukunft die Bluechips der Welt sein werden. Die USA haben ganz klar die Nase vorne bei Tech-Unternehmen und das könnte auch ein Grund sein, warum dort die Aktienmärkte deutlich besser gelaufen sind seit der Finanzkrise.

Investment Komitee Summary – März 2019

Die Trumpsche Handelspolitik hat der Weltwirtschaft deutlich geschadet

Schneller und deutlicher als vorher angenommen sind die Auswirkungen der Trumpschen Handelspolitik zu erkennen: Das Wachstumsbild hat Dellen und Blessuren bekommen. Alles steht und fällt nun mit einer Einigung oder dem Scheitern der Gespräche zwischen Trump und Xi-Jinping. Rational gesehen habe beide Parteien ein starkes Interesse sich zu einigen. Das vergangene Jahr hat allerdings gezeigt, dass in der heutigen Zeit nicht notwendigerweise die Rationalität die Oberhand behält. Vor diesem Hintergrund hat das Investment Komitee der Fürstlich Castell’schen Bank folgende Entscheidungen getroffen.

Executive Summary:

  • Ausbau der Rohstoffquote, um früh von einer Stabilisierung der Wirtschaft zu profitieren
  • Ausbau der Durationen bei Europäischen Staatsanleihen auf 5 bis 6 Jahre, um von einer taubenhafteren EZB zu profitieren
  • Beibehaltung der China- und US-Aktienpositionen

Wirtschaft mit erheblichen Bremsspuren – dennoch Erholung möglich

Das Wachstumsbild hat erhebliche Dellen und Blessuren erlitten und die Anfälligkeiten sind merklich gestiegen. Die Einkaufsmanagerindizes spiegeln diese Entwicklung wider: zwar hat sich der weltweite Durchschnitt der „PMIs“ stabilisiert, doch befinden sich 16 Länder in Kontraktion.

Angesichts der Unsicherheit über die Zukunft des Freihandels halten sich viele Konzerne mit Investitionen zurück, was sich natürlich auch in den Exportzahlen widerspiegelt. Eine Einigung im Handelsstreit könnte dennoch für eine Belebung der Wirtschaft im zweiten Quartal führen – ein Scheitern allerdings hätte unweigerlich eine deutliche Verschlechterung, eventuell sogar eine Rezession, zur Folge. Beide Akteure haben großes Interesse an einer Lösung und der Beilegung der Streitigkeiten: Allerdings hat die Vergangenheit auch gezeigt, dass US-Präsident Trump nicht notwendigerweise rational agiert. Wir gehen im Grunde von einer Einigung aus, aber es besteht dennoch ein nicht zu ignorierendes Risiko, dass beide Parteien den Verhandlungstisch ohne Einigung verlassen.

Rohstoffmärkte im Blick

Unter der Annahme, dass es zu einer Einigung kommt, sind wir der Meinung, dass Rohstoffe momentan eine attraktive Asset-Klasse sind. Rohstoffe profitieren sehr früh von einer Verbesserung der konjunkturellen Lage. Schon allein die Ankündigung von mehr fiskalpolitischen Maßnahmen der chinesischen Regierung hat einzelne Industriemetalle beflügelt. China dürfte überproportional von einer Einigung im Handelsstreit profitieren und damit auch deutlich die Rohstoffmärkte beleben.

EZB – Tauben obsiegen

Die Europäische Zentralbank hat ihre Wachstums- und Inflationserwartungen nun deutlich nach unten korrigiert und trägt damit der unverkennbar eingetrübten Konjunktur Rechnung. Wir denken, dass eine „taubenhaftere“ EZB auch noch Potential am Rentenmarkt birgt und verlängern unsere Duration im europäischen Rentenbereich. Die Erwartungen einer ersten Zinserhöhung sind weit in die Zukunft gerückt – momentan geht der Markt von Mitte 2020 aus und die Diskussion zentriert sich aktuell eher wieder um weitere „Unterstützungsmaßnahmen“ wie neue günstige Kredite für die Banken, kurz TLTROs. Nicht zuletzt will Mario Draghi wohl in den letzten Monaten seiner Präsidentschaft keinen „policy mistake“ machen und bleibt sich als Taube weiter treu. Auch in den USA hat die Notenbank FED den Zinsfantasien eine deutliche Absage erteilt – die Märkte gehen sogar von keiner weiteren Erhöhung im Laufe dieses Jahres aus. Es könnte sogar sein, dass die FED ein Überschießen der Inflationserwartungen in Kauf nimmt, um der Wirtschaft nicht zu schaden. Im Gegensatz zur EZB hat die FED ja ein duales Mandat – ihr geht es nicht nur um  Inflation sondern auch ums Wirtschaftswachstum.

Aktienmärkte noch Potential?

Im Falle einer Einigung im Handelsstreit könnten es an den Märkten nochmal sprunghaft bergauf gehen. Wir erwarten aber bis dahin eher eine Seitwärtsbewegung und bleiben deswegen bei unserer leichten Aktienübergewichtung. Auf die einzelnen Märkte runtergebrochen sehen wir weiter mehr Potential in den USA – insbesondere beim Nasdaq – und in Asien. Europa empfinden wir weiterhin als weniger attraktiv.

Investment Komitee Summary – Februar 2019

Beilegung des Handelsstreits dürfte Aktienmärkte weiter unterstützen

Die Aktienmärkte haben zwar im Januar die Verluste des Dezembers im Großen und Ganzen ausgeglichen, dennoch dürfte eine Beilegung des Handelsstreits zwischen den USA und China für weiter steigende Kurse, zumindest in der kurzen Frist, führen. Deshalb hat das Investment Komitee der Fürstlich Castell’schen Bank folgende Entscheidungen getroffen.

Executive Summary:

  • Wir bevorzugen weiterhin den US-Aktienmarkt und ausgewählte Schwellenländer
  • Wir planen die US-Aktienquote weiter zu erhöhen, falls z. B. der S&P die 200-Tageslinie überschreitet. Europäische Aktien müssen erst noch wichtige Unterstützungen zurückerobern, bevor wir sie höher gewichten.
  • Gleichzeitig bauen wir im Rentenbereich Duration und Sicherheit auf, da die rationale Erwartung auf eine Einigung im Handelsstreit im letzten Jahr mehrfach enttäuscht wurde.
  • Wenn es zu einer Einigung im Handelsstreit kommt, würden wir auch Rohstoffe aufstocken.

Handelsstreit – Quo Vadis?

Wir gehen von einer Einigung zwischen den USA und China in der nahen Zukunft aus. Beide Parteien haben daran großes Interesse. Die Chinesen brauchen dringend positive Impulse für ihre Wirtschaft, denn das Wachstum hat sich deutlich abgeschwächt. US-Präsident Trump braucht ein positives politisches Signal und nicht zuletzt weiter steigende Aktienmärkte, um seine Popularität nicht zu gefährden. Wir gehen davon aus, dass es im Zuge einer Einigung zu weiter steigenden Aktienmärkten kommen könnte und haben deswegen und aufgrund der attraktiver gewordenen Bewertungen unsere Aktienquote bereits im Januar signifikant ausgebaut.

Notenbankpolitik und Rentenmärkte

Nachdem die US-Notenbank die Märkte im letzten Quartal des vergangenen Jahres in Angst und Schrecken versetzt hat, dürfte die Geldpolitik die Märkte nun erstmal unterstützen. Die Märkte gehen nun von keinem Zinsschritt der FED in diesem Jahr mehr aus, wir sehen zumindest keine weiteren Zinsschritte im ersten Halbjahr in den USA. Die EZB wird wohl in diesem Jahr angesichts der weiter niedrigen Inflation und der wirtschaftlichen Abschwächung nichts machen. Diese geldpolitische Unterstützung des „Lower for Longer 2.0“ dürfte die Aktienmärkte weiter positiv stimmen. Staatsanleihen, vor allem Bunds, haben in diesem Umfeld sinkender Inflation, sinkendem Wachstum und sich verschiebender Zinserhöhungen sogar noch ein gewisses Potential.

Ob wir die Tiefstände bei -17BP für zehnjährige Bundesanleihen noch einmal sehen werden, wird die Zukunft zeigen. Kurzfristig gehen wir bis Quartalsende von weiter sinkenden Zinsen aus: Ziel ist hierbei 0-10 BP für Bundesanleihen.

Aktienmärkte zwischen Politik und konjunktureller Eintrübung

Die Märkte sind im Januar trotz sich eintrübender Konjunkturindikatoren und deutlich nach unten revidierten Gewinnaussichten gestiegen. Das hat natürlich einerseits mit den starken Verlusten des Dezembers und andererseits aber auch mit der Hoffnung auf eine Einigung im Handelsstreit zu tun. Die Kernfrage ist allerdings, wie lange das noch gut geht und wie nachhaltig die zu erwartende Erholung ist. Die Einkaufsmanagerindizes deuten in immer mehr Ländern auf eine Abschwächung des Wachstums hin. Die BIP-Prognosen für Deutschland sind deutlich nach unten revidiert worden. Nur eine Einigung im Handelsstreit könnte hier das Ruder nachhaltig herumreißen. Allerdings befinden wir uns auch dann noch in einer späten Phase des Konjunkturzyklus und eine Abschwächung in diesem Jahr ist unumgänglich.

Fazit: wir sehen die Aktienmärkte zwar mit kurzfristigen Potential, erreichen allerdings in den USA bereits wieder neutrale Bewertungsrelationen und würden diese nicht mehr als günstig bezeichnen.

Rohstoffe, China und der Handelskrieg  

China als größter Konsument von Industriemetallen treibt natürlich die Preise an den Rohstoffmärkten maßgeblich mit. Gerade der Bereich der Industriemetalle ist unserer Meinung nach quasi „überverkauft“ und dürfte von einer Einigung im Handelsstreit profitieren. Auch haben die Chinesen eine Reihe von fiskalpolitischen Stimuli verabschiedet und es könnte noch mehr kommen beim Parteikongress im März. Die Effekte dürfte man in den Daten zwar erst gen Sommer sehen, aber das könnte die Märkte dann auch weiter unterstützen.

Brexit  

Es ist schwer zu sagen, was passieren wird. Momentan sieht alles nach einer Verlängerung aus, allerdings ist die große Frage, für wie lange. Ende Mai stehen die Europawahlen an, sollte Großbritannien dann noch nicht formal ausgeschieden sein, müssten sie an der Wahl ganz normal teilnehmen.

Castell’scher Wochenausblick auf die Märkte (KW3)

Der Start in das neue Jahr ist an den Aktienmärkten zumindest gelungen. Die Risiken sind zwar die alten, aber es scheint zumindest Hoffnung im Handelsstreit zu geben. Die Bilanzen der US-Berichtssaison sind zwar gemischt, aber nicht durchweg negativ. Viele Unternehmenslenker, wie der Chef der Citibank, warnen davor, die Rezession herbeizureden, denn eigentlich sei das wirtschaftliche Klima noch durchaus gut. Ist der Konjunkturpessimismus eventuell übertrieben? Im Skiort Davos kommen wie jedes Jahr um diese Zeit die weltweite Politik- und Wirtschaftselite zusammen, um über die Themen der Zeit zu sprechen. Die Konjunktur dürfte dabei recht weit oben auf der Agenda stehen. Das dürfte allerdings nicht alles sein.

Weltwirtschaftsforum in Davos

Mehr als 2.500 Teilnehmer werden von Dienstag bis Freitag über die Weltwirtschaft und Herausforderungen der Zukunft sprechen. Die Themen rangieren von geopolitischen Risiken, politischen Herausforderungen bis hin zu Digitalisierung und der Veränderung von Supply chain. Aber auch Themen wie die Zukunft des Gesundheitswesens, der Klimawandel und die Migration stehen auf der Agenda. Vor allem wird man viel von Unternehmenschefs und deren Einschätzung zur weiteren Entwicklung des neuen Jahres hören. Viele sagen ja, dass – angesichts der vielfältigen Risiken – dieses Jahr besonders herausfordernd werden könnte.

EZB trifft sich zur geldpolitischen Entscheidung

Angesichts der sich eintrübenden Konjunktur in Europa beobachten die Marktteilnehmer die EZB mit Argusaugen. Die Bank hat zum Jahresende ihr Anleihekaufprogramm zwar offiziell beendet, reinvestiert dennoch weiter im großen Stil. Im Fokus der Anleger ist nun allerdings vor allem die sogenannte „Forward Guidance“ der Zinsen. Es scheint ausgemacht, dass Mario Draghi bis zu seinem Ausscheiden die Zinsen nicht erhöhen wird. Seine Amtszeit endet im Oktober. Die jüngsten Erwartungen sind, dass die EZB wohl erst gegen Ende des Jahres ihren Einlagenzinssatz erhöhen wird und ein Zinsschritt erst in 2020 folgen könnte. Allerdings sehen die meisten Volkswirte dann schon eine deutliche konjunkturelle Abkühlung. Vielleicht bleiben die Zinsen auch einfach bei null. Kommende Woche könnte die EZB allerdings eine neue Kreditlinie für Banken annoncieren – die sogenannte TLTRO. Das dürfte vor allem für die südeuropäischen Banken – Stichwort Italien – positiv sein.

Berichtssaison geht weiter

In den USA geht die Berichtssaison mit Hochdruck weiter: unter anderem berichten Johnson & Johnson, Procter & Gamble aber auch Ford und Intel. In Europa geht es ebenso langsam los mit der schweizerischen Großbank UBS und Givaudan, dem weltweit größten Hersteller von Aromen und Duftstoffen mit Sitz in Vernier, Schweiz. In Deutschland macht SAP am 29. Januar den Anfang – zumindest für die DAX-Werte.

Investment Komitee Summary – Januar 2019

Aktienmärkte weiter belastet durch China, Handelskrieg und Brexit

Die Aktienmärkte sind zwar weiterhin durch die bekannten Risikofaktoren (u.a. Handelskrieg, wirtschaftliche Abschwächung und Brexit) belastet, aber die Bewertungen haben sich nach dem Ausverkauf im vierten Quartal verbessert, so dass wir im Investment Komitee folgende Entscheidungen getroffen haben:

Executive Summary:

  • Wir erhöhen die Aktienquote um 5 % und verlassen damit unsere sehr defensive Positionierung, bleiben aber weiterhin defensiv. Schwerpunkt unseres Aktienengagements sollen mit 50 % die USA sein, 30 % Europa und der Rest aufgeteilt auf Schwellenländer und Asien Pazifik
  • Auf der Rentenseite reduzieren wir die Duration in den USA und nehmen Gewinne aus langlaufenden US-Treasuries mit. Unser neuer Fokus ist das kurze Ende bei Renten.
  • Wir beobachten die Kreditmärkte kritisch. Falls die Spreads sich weiter ausweiten, würden wir unsere Bestände reduzieren.

Aktienbewertungen – billig oder nicht?

Die Bewertungen der Aktien gemessen an ihrem Kurs-Gewinn-Verhältnis sind deutlich gesunken durch den jüngsten Ausverkauf. Der deutsche Leitindex DAX liegt mit einem KGV von um die 11,5 unter seinem historischen Durchschnitt, aber die Frage ist nun, inwiefern die Gewinnerwartungen der Unternehmen realistisch sind. Die nächste Woche startende Berichtssaison in den USA wird darüber erste Auskünfte geben. Wir erachten US-Aktien als attraktiver, da wir davon ausgehen, dass die Gewinnentwicklung der US-Unternehmen stabiler sein dürfte als in Europa und dem Rest der Welt. Deswegen bevorzugen wir aktuell US-Aktien.

Rentenmärkte und die FED

Auch die Rentenmärkte hatten ein sehr volatiles viertes Quartal, was vor allem an der starken Veränderung der Zinspolitik der FED lag. Während die Renditen in Antizipation weiterer Zinserhöhungen im November bis auf 3,25 % gestiegen waren, notieren die Papiere nun Mitte Januar bei um die 2,7 %. Der Grund für diesen ungewöhnlich starken Zinsabfall ist die FED und ihre geänderte Message: eine weitere Straffung der Geldpolitik sei angesichts der weltweiten Abkühlung und der Volatilität den an den Finanzmärkten weniger klar. Die Märkte glauben nicht mehr an weitere Zinsschritte in den USA in 2019. Wir denken aber, dass diese radikale Kehrtwende der Märkte übertrieben ist und die FED die Märkte im laufenden Jahr überraschen könnte. Deswegen positionieren wir uns im kurzen Ende der Yield Curve.

Kreditmärkte

Die Spreads bei Unternehmensanleihen sind durch die Bank gestiegen, was an das Jahr 1998, ebenfalls ein Jahr im Schlussviertel des Wirtschaftszyklus, erinnert. Die EZB hat den Markt als Käufer verlassen und die sich eintrübende Wirtschaft belastet ebenso. Es ist gut möglich, dass diese Bewegung anhält, denn eine sich eintrübende Konjunktur bedeutet auch höhere Ausfallwahrscheinlichkeiten und damit höhere Spreads.

Politische Risiken

Die Verhandlungen zwischen China und den USA über Handelskonzessionen haben bis dato noch keinen erfolgreichen Abschluss erreicht. Das belastet nicht nur die beiden Parteien, sondern auch den Rest der Welt aufgrund der engen Vernetzung der Produktionsprozesse. Je mehr man die Bremsspuren in den Unternehmensbilanzen (jüngstes Beispiel Apple mit einer Gewinnwarnung) und an den Märkten sieht, desto höher ist allerdings auch die Wahrscheinlichkeit, dass es zu einer Einigung kommt. Der US-Präsident misst seinen Erfolg an den Aktienmärkten und will Erfolge für sich einfahren und dürfte zu einem höheren Preis bereit sein. China hingegen sitzt ebenso auf einem wirtschaftlichen Pulverfass.

In welcher Form der Brexit kommen mag, ist weiterhin nicht bekannt. Nächste Woche kommt es wahrscheinlich zur Abstimmung im Parlament, das dürfte mehr Klarheit bringen. Es ist zu erwarten, dass das Thema an den Märkten für mehr Volatilität sorgen wird.

Beim Thema Italien und dem Haushaltsstreit ist zumindest ein Burgfriede mit der Europäischen Kommission ausgehandelt worden. Das Thema dürfte allerdings spätestens nach den Europawahlen im Mai wieder aufkommen, denn dann könnten die Rufe nach höheren Ausgaben deutlich lauter werden. Es ist davon auszugehen, dass die größten Gewinner bei der Europawahl die populistischen Parteien sein werden.

China

Die Redewendung „In China ist ein Sack Reis umgefallen“ als Metapher für ein unwichtiges Ereignis, dürfte getrost der Vergangenheit angehören. Wenn China erkrankt, spürt das nun die ganze Weltwirtschaft. Die jüngsten Wirtschaftsindikatoren deuten unisono auf eine Abkühlung der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt hin. Vor allem die Exporterwartungen könnten auf eine deutlich schlechtere Entwicklung hindeuten. China kann allerdings nicht wie in der Vergangenheit mit mehr Krediten dagegen anhalten, denn der Schuldenstand ist zu hoch. Die chinesische Regierung versucht hingegen nun durch eine Abwertung des Yuans die eigenen Produkte zu verbilligen, das belastet den Rest der Welt. Auf der anderen Seite reagieren chinesische Unternehmen auf die gestiegene Unsicherheit mit weniger Investitionen. Das belastet vor allem Japan und Deutschland als weltweit größte Hersteller von Maschinen.

Wirtschaftliche Abkühlung

Das Wirtschaftswachstum momentan ist immer noch auf einem hohen Niveau, in Deutschland auch klar über Potential. Aber die Dynamik geht in die falsche Richtung. Die Stimmungsindikatoren weisen sowohl für die USA als auch für Europa noch mehr auf eine deutliche Eintrübung der wirtschaftlichen Aktivität hin. 2019 dürfte noch ganz gut sein, aber spätestens in 2020 könnte es deutlich bergab gehen auch in den USA.

Castell’scher Wochenausblick auf die Märkte (KW1)

Das neue Jahr beginnt, wie sich das alte verabschiedet hat: turbulent und volatil. Konjunktursorgen – vor allem eine deutliche Wachstumsverlangsamung in China – belasten ebenso wie Gewinnwarnungen von weltweit agierenden Unternehmen. Der Schocker der letzten Woche war Apple: was so viele Investoren befürchteten, trat ein; das Unternehmen kann seine Umsatzziele nicht mehr halten. Hauptgrund sei China, aber auch der schleppende Absatz in sogenannten reifen Märkten. Für einen positiven Impuls hoffen Anleger unisono auf einen Durchbruch im US-chinesischen Handelskrieg.

Verhandlungen zwischen USA und China gehen in die nächste Runde

Es gibt zumindest rationale Gründe dafür, an eine Einigung zu glauben. Denn beide Parteien brauchen positive Signale für ihre heimischen Wirtschaften. Gerade für Präsident Trump sind die Aktienmärkte von großer Bedeutung und er weiß genau, dass ein positives Ergebnis mit China diese beflügeln dürfte. Die chinesische Wirtschaft hat sich jüngst deutlich eingetrübt. Kurz vor Weihnachten hatten beide Seiten positive Signale gesendet. Trump hatte zugesagt, zum 1. Januar geplante Zölle auf chinesische Waren in Höhe von 200 Milliarden Dollar (175 Milliarden Euro) auszusetzen. Peking verzichtete daraufhin vorerst auf geplante Zölle von 25 Prozent auf US-Autos. Am Montag, den 7. Januar sollen die Gespräche in Beijing wieder aufgenommen werden.

Theresa May und der Brexit gehen in die nächste Runde

Theresa May gibt nicht auf. Sie versucht weiterhin der EU Konzessionen beim dem sogenannten „Back-stop“ abzuringen und war in dieser Mission bei verschiedenen Regierungschefs in der vergangenen Woche vorstellig – unter anderem bei Bundeskanzlerin Merkel. Am Montag tritt das britische Unterhaus zusammen, um über den „Brexit-Deal“ zu debattieren. Nach dieser Debatte dürfte es mehr Klarheit geben, ob es überhaupt noch zu einem Deal kommen kann. Die Wahrscheinlichkeit eines „Exits vom Brexit“ steigt quasi täglich. Am 14. Januar soll dann final über das Verhandlungsergebnis abgestimmt werden.

Konjunkturdaten aus den USA, Europa und Deutschland im Fokus

Mit Argusaugen beobachten Anleger die konjunkturelle Entwicklung, da sie einerseits die Gewinnerwartungen der Unternehmen und andererseits aber auch die Geldpolitik beeinflusst. Vor allem die Zinserhöhungserwartungen in den USA stehen im Fokus der Anleger. Angesichts der sich eintrübenden Aussichten, erwartet der Markt mittlerweile deutlich weniger bis hin zu keiner weiteren Zinserhöhung in 2019. Anfang der Woche wird der Einkaufsmanagerindex der nichtverarbeitenden Industrie in den USA veröffentlicht, aus Europa gibt es Zahlen zum Einzelhandelsumsatz und in Deutschland steht der Außenhandel im Fokus.

Castell’scher Wochenausblick auf die Märkte (KW50)

Castell’scher Jahresausblick 2019

2018 war nichts für schwache Nerven. Die grosse Frage ist natürlich jetzt zum Jahresausgang, wie es wohl 2019 weitergehen wird. Nach den starken Korrekturen an den Aktienmärkten weltweit gibt es zumindest verhaltene Hoffnung, dass es im neuen Jahr ein bisschen positiver werden könnte. Das Wachstum dürfte weltweit zwar „schwächer werden aber nicht schwach“ sein, um mit Mario Draghis Worten zu sprechen. Was werden die dominanten Themen sein?

Geldpolitik in den USA und Europa

Die jüngsten Kommentare von US-Notenbankern deuten darauf hin, dass die FED die Zinsen weniger stark als noch vor geraumer Zeit erwartet anziehen könnte. Das würde auf dem Rentenmarkt die Zinsen wieder einfangen und die Aktienmärkte durchweg unterstützen. Und der Dollar könnte ebenso an Stärke einbüssen, falls die FED einen weniger restriktiven Kurs fahren würde. Auch wenn die EZB von einer Zinserhöhung noch weit entfernt ist, haben sich angesichts der schlechteren Wirtschaftsdaten auch im Euroland die Erwartungen angepasst: der Markt erwartet keine substantiellen Zinserhöhungen für 2019 und dies dürfte ebenso ein positiver Faktor für Aktien sein.

Brexit

Wie und ob Grossbritannien aus Europa ausscheidet ist wohl im ersten Quartal das grösste politische Risiko in Europa. Ein harter Brexit wäre nicht nur für die Briten eine ökonomische Katastrophe, sondern auch für Kontinentaleuropa. Man muss sich nur mal die Investitionen und die Handeslflüsse anschauen, um zu verstehen, dass ein ungeordnetes Ausscheiden weitreichende Konsequenzen hätte.

Handelskonflikt zwischen USA und China

Viel wird davon abhängen, ob eine weitere Eskalation zwischen den zwei grössten Volkswirtschaften der Welt verhindert werden kann. Zum Ausklang des Jahres sieht die Entwicklung recht versöhnlich aus, doch hier steckt der „Teufel“ im Detail. Eine Einigung wäre ein Segen für die Aktienmärkte, denn schon an den Geschäftszahlen im dritten Quartal war klar ersichtlich, wie negativ sich Strafzölle auswirken. Ein mehr davon, wäre Gift für die Profitabilität vieler Unternehmen weltweit.

Ansonsten

Generell wird sich die Frage stellen, wie robust das Wirtschaftswachstum bleiben wird, wie es um die Schwellenländer bestellt sein wird und wann Investoren sich wirklich auf einen nachhaltigen Abschwung einstellen. Hier möchte natürlich niemand der letzte sein. Deshalb gilt wohl für 2019 noch mehr als sonst: Das richtige Timing wird Investmenterfolge massgeblich entscheiden.

Castell’scher Wochenausblick auf die Märkte (KW 49)

Märkte im Blick

Der Ausverkauf und die Verunsicherung an den Märkten hat eine neue Dimension erreicht. Hohe Volatilität scheint die neue Normalität zu sein, denn die Unsicherheit ob politischer und ökonomischer Faktoren belastet die Nerven der Investoren. Und das vor dem Hintergrund eines weiter mehr als soliden globalen Wirtschaftswachstums und weitgehend gesunder Unternehmensgewinne. Eine Bestandsaufnahme.

Wo stehen wir?

Märkte werden als Bärenmarkt bezeichnet, wenn sie mehr als 20 Prozent in einem Jahr gefallen sind, in „Korrektur“ befinden sie sich bei einem Rückgang von mehr als 10 Prozent. Weltweit gibt es nur noch wenige Aktienmärkte, wie Indien und die Schweiz, die in keine der beiden Kategorien fallen. Besonders schlimm hat es den chinesischen, italienischen und deutschen Aktienmarkt getroffen, die sich im Bärenmarkt befinden. Aber auch der amerikanische Leitindex Dow Jones hat seit den Höchstständen diesen Jahres knapp 10 Prozent verloren.

Was hat zu den jüngsten Verlusten geführt?

Handelskrieg, Zinssorgen, Brexit, Italien, Konjunkturabschwächung – das sind nur die größten Belastungsfaktoren, die den Nerven der Investoren zusetzten. Einerseits führen ebendiese gestressten Nerven momentan zu der hohen Volatilität an den Märkten, zu der dann anderseits durch automatische Handelsstrategien häufig weiterer Druck aufgebaut wird.

Handelskrieg zwischen den USA und China

Die Börsen hängen sprichwörtlich am Puls der Tweets des US-Präsidenten, wenn es zu einer Einschätzung der Verhandlungslage zwischen den beiden Nationen geht. Nach dem G20-„Durchbruch“ überwog die Erleichterung gefolgt von erneuten Zweifeln, die von aggressiven Tweets des US-Präsidenten genährt wurden. Zum Ende der Woche überwogen dann auch wieder die hoffnungsvollen Anzeichen, dass sich beide Parteien annähern. Zu viel steht auf dem Spiel. Dennoch, für angeschlagene Nerven, ist diese Achterbahnfahrt nichts, ein Grund für mehr Volatilität.

Die Fed schien nicht beeindruckt vom Ausverkauf

Obgleich die stark angestiegenen Zinsen an den US-Anleihemärkten einer der Auslöser für die Kursverluste im Oktober waren und US-Präsident Trump die Notenbank dafür lautstark kritisierte, blieben die Währungshüter dabei, die Wirtschaft positiv einzuschätzen und ihre Zinserhöhungserwartungen nicht anzupassen. Dies, in Verbindung mit steigenden Konjunktursorgen, hat ebenso zur Verunsicherung beigetragen und den Ausverkauf verstärkt. Zum Ende dieser Woche scheint sich etwas im Denken der Fed verändert zu haben und das könnte an den Märkten positiv ankommen. Mehr und mehr Vertreter der US-Notenbank nehmen an, dass die Notenbank weniger stark als erwartet an den Zinsen in 2019 drehen wird.

Brexit und co.

Politische Risiken werden auch weiterhin die Agenda dominieren. Falls Theresa May in der nächsten Woche den Deal nicht durch ihr Parlament bekommt ist alles möglich: zweites Referendum, Neuwahlen, harter Brexit. Investoren sind weiterhin auf der Hut und haben starke Probleme sich zu positionieren.

Wie geht es weiter?

Zu erwarten ist, dass die Volatilität bleibt, denn die Unsicherheitsfaktoren werden so schnell nicht verschwinden. Die nächste Woche wird wohl ganz im Zeichen des Brexit stehen. Eventuell könnten die Märkte noch ein wenig von den veränderten Zinserwartungen in den USA getragen werden.