Europäische Wirtschaftspolitik: Gemeinsam statt Einsam

Würzburg, 19. Juni 2018
Presse-Information

Europäische Wirtschaftspolitik:
Gemeinsam statt Einsam

Mittlerweile ist es ein Jahrzehnt her, dass die globale Finanz- und Wirtschaftskrise ausgebrochen ist. In Europa waren wahrscheinlich die Auswirkungen des großen Finanzbebens am deutlichsten zu spüren – auch wegen der politisch noch nicht komplett vollzogenen Währungsunion. In mehreren europäischen Staaten hat dies zu einem Zulauf von nationalistischen populistischen Parteien geführt. Der traurige Höhepunkt war die Brexit-Entscheidung im Jahr 2016. Die Fürstlich Castell’sche Bank sieht die Zukunft Europas positiv. „Mit der Präsidentschaftswahl in Frankreich steht die „deutsch-französische Achse“. Dass die deutsche Koalition stabiler und kompromissbereiter ist, als viele vermuten, hat sich auch gestern in der Debatte um den „Masterplan Migration“ gezeigt. Auch hier wird Deutschland einen europäischen Weg gemeinsam in der Union entwickeln“, so Dr. Sebastian Klein, Vorstandsvorsitzender der Fürstlich Castell’schen Bank. „Jüngste Umfragen zeigen, gerade auch in Deutschland, wieder eine stärkere Hinwendung der Bevölkerung zu Europa. Der Brexit und die globalen – auch sicherheitspolitischen – Verwerfungen scheinen doch viele wachgerüttelt zu haben.“

Auch wirtschaftlich erlebt Europa gerade ein Comeback. Die „Whatever it takes“-Politik der EZB hat das Schlimmste verhindert. Dr. Sebastian Klein: „Die wirtschaftliche Wachstumsdynamik kehrt in der Breite der europäischen Staaten zurück. Aktienmärkte reflektieren dies ebenso wie die Spread-Entwicklung der Staatsanleihen. Und eine weitere Stärkung des Dollars auf sein faires Niveau wird das exportstarke Europa weiter beflügeln, auch wenn neue Zölle verhandelt werden sollten. Die EZB wird klug genug sein und einen homöopathischen und kommunikativ gut begleiteten Pfad der Normalisierung beschreiten.“

Fürstlich Castell’sche Bank, Credit-Casse AG
Sascha Gründl
Leitung Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Telefon 0931 3083-65300
sascha.gruendl@castell-bank.de
www.castell-bank.de

Trump traf Kim: Der Summit in Summe

Wer sich unter dem Akronym DPRK-USA Summit bisher nicht so recht etwas vorstellen konnte, wurde spätestens am 12. Juni um einen Aha-Effekt klüger. Denn hinter diesem kuriosen Wortkonstrukt verbirgt (bzw. verbarg) sich das historische Gipfeltreffen von US-Präsident Donald Trump mit Nordkoreas „Oberstem Führer“ Kim Jong-un in Singapur. Die Spannung vor, während und nach dem erst zugesagten, dann wieder abgesagten und letztlich doch abgehaltenen Treffen der beiden Alpha-Männer war groß. Die Ernüchterung teilweise auch.

Am Ende kam etwas mehr als nur heiße Luft aus dem unter hohem Druck stehenden USA-Nordkorea-Kessel: Ein Dokument mit vier Punkten, die auf Weltfrieden im Allgemeinen und DPRK-USA-spezifische Entspannung im Konkreten zielen. Zudem viele Fotos, freundliches Schulterklopfen und Hohn und Spott darüber, welchen Rang Pjöngjang künftig im Big-Mac-Index einnehmen wird oder ob die von US-Präsident Trump beim Singapur Summit versprochene McDonald’s-Filiale in der nordkoreanischen Hauptstadt am Ende doch eher auf Kim Jong-uns Index landet.

Wirtschaftskorridor zu – Wirtschaftskorridor auf

Bis man auch in Pjöngjang „Zum hier Essen oder Mitnehmen?“ gefragt wird, wird sicher noch einige Zeit vergehen, denn auch in Sachen Fastfood ist die Gangart bei der „De-Isolation“ Nordkoreas gemächlich. Darauf aber, dass es Schritte in Richtung einer Öffnung der nordkoreanischen Märkte für internationale Unternehmen geben wird, hoffen viele. Denn gerade jetzt, wo die Kündigung des Atom-Deals mit dem Iran durch die USA viele europäische Unternehmen aus Angst vor US-Sanktionen aus dem Land treibt und Banken die Iran-Geschäfte der wenigen Furchtlosen aufgrund drohender drakonischer US-Strafen nicht finanzieren, wäre eine Öffnung Nordkoreas zumindest ein Tunnel oder auch Sales Funnel mit Licht am Ende für den momentan doch sehr strangulierten Welthandel.

Auch in Sachen Nordkorea führt also kein Weg vorbei an Donald Trump, nicht nur, weil er es war und nicht Macron oder Merkel, der sich mit Kim Jong-un in Singapur getroffen hat. Auch und gerade weil Trump den Atom-Deal mit dem Iran aufgekündigt hat und die EU, Kanada, China und Mexiko seinen American Fury in Form von Strafzöllen auf Aluminium und Stahl spüren ließ, gibt es ohne ihn keine Deals mit Pjöngjang. Denn wir wissen nicht, ob der US-Präsident nach einem möglichen Aufheben der Sanktionen gegen Nordkorea, diese nicht doch wieder mit 280 Zeichen in Kraft setzt.

Sonderwirtschaftszone Kaesŏng als Eintritt in den nordkoreanischen Markt

Wenn sich Donald Trump aber genauso wie die EU und die UNO letztlich und langfristig für das Aufheben ihrer jeweiligen Handelsembargos entscheiden, geht der direkte Weg für europäische Unternehmen nach Nordkorea über Südkorea. Denn die unmittelbaren Nachbarn von Kim Jong-un haben wertvolle Erfahrungen mit beidseitigem Business gesammelt – vor allem im bis 2016 von beiden koreanischen Ländern gemeinsam betriebenen Industriepark in der Sonderwirtschaftszone Kaesŏng. Der „Zauber“ dieses Ortes besteht darin, dass er sich nur rund 60 Kilometer bzw. eine Autostunde von Seoul entfernt befindet, und nur zehn Kilometer von der entmilitarisierten Zone entlang der Grenze liegt. Zwischen der Eröffnung von Kaesŏng im Jahre 2002 und der Schließung der Grenzen 2016 waren über 50.000 nordkoreanische Arbeiter beschäftig, die ihrerseits nur ein Zehntel des Lohns südkoreanischer Arbeiter erhielten und damit für einen Produktionsschub für südkoreanische Unternehmen sorgten. Und sie versorgten Pjöngjang mit Devisen, da ihr Lohn (rund 90 Millionen US-Dollar pro Jahr) direkt an das nordkoreanische Regime gezahlt wurde.

Südkoreanische Unternehmen hoffen auch deshalb auf politisches Tauwetter. Und wenn die getauten Eisschollen neue Passagen für die Wirtschaft freilegen, könnte sich Südkorea einen direkten Zugang zu lukrativen Verbindungen nach Europa und damit auch nach Deutschland sichern – vor allem über die transsibirische Route, die Verkehrsroute zwischen China und Russland.

Auch deutsche Unternehmen warten auf Pjöngjangs grünes Licht

Wie der Ausblick auf gute Deals mit Nordkorea gerade auch in der deutschen Unternehmerlandschaft diverse Blüten der Hoffnung treibt, zeigen Einschätzungen des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK). Dessen Außenwirtschaftschef Volker Treier nannte jüngst konkrete Zahlen: In Südkorea würden etwa 500 deutsche Unternehmen mit Anlagen und Ausrüstungen im Wert von rund 10 Milliarden Euro und mehr als 35.000 Beschäftigen nur darauf warten, endlich in Nordkorea aktiv werden zu können.

Auch seien bereits konkretere Überlegungen im Gange, was beispielsweise die Weltbank, die KfW-Mittelstandsbank oder auch der Kreditversicherer Hermes zur Finanzierung und finanziellen Absicherung deutscher Unternehmen in Nordkorea beitragen könnten.

So führt der Weg zu wechselseitigen Wirtschaftsbeziehungen mit Nordkorea für deutsche Unternehmen zunächst also vor allem über den Süden. Verkehrte Welt, sozusagen, aber auch nur, wenn man nicht vergisst, die geopolitische Welt zumindest momentan auf dem Kopf stehend zu betrachten.

Italiens Finanzfall(e)

Will man verstehen, wie es momentan finanziell, wirtschaftlich und politisch um die Halbinsel bestellt ist, darf man dabei die Rolle des Fußballs nicht vergessen. Dass nämlich Italiens Fußballnationalmannschaft die WM in Russland nur als Zuschauer bestreitet, lasten viele Tifosi der Tatsache an, dass zu lange gezögert wurde, die bewährte Fußballerriege einer radikalen Verjüngungskur und grundlegenden Veränderungen zu unterziehen. Und natürlich ist auch die Sparsamkeit der italienischen Torjäger Schuld. Und der verkrustete Verband, genauso wie die regelmäßig von Korruptions- und Wettskandalen erschütterten Proficlubs.

Dieser Ruf nach fußballerischer Erneuerung bahnte sich mit Wucht seinen Weg mitten in die Politik. Auch hier wollten die Italienerinnen und Italiener einfach mal etwas Jüngeres, Neues und Selbstbewussteres. Kurzum: Sie wollten ein Regierungsteam, das ihnen wenigstens glaubhaft vorgaukeln würde, dass Italien bald wieder Europameister wird, weil es das Endspiel gegen Brüssel und Berlin gewinnt.

Doch die Koalition um die beiden Co-Kapitäne Luigi Di Maio von der populistischen Fünf-Sterne-Bewegung und Matteo Salvini, Chef der fremdenfeindlichen Lega Nord, schliddert gerade ins finanzpolitische europäische Abseits. Zwar haben sie mit Giuseppe Conte nun einen gemeinsamen Spielführer auf das heikle politische Spielfeld geschickt, doch der renommierte Rechtswissenschaftler wird von vielen eher als verlängerter Arm der beiden Parteichefs denn als Dirigent und Spielmacher wahrgenommen.

Entsprechend empfindlich reagierten die Märkte, als Conte zu seiner Amtseinführung das Wort ergriff. Und jedes davon wurde an den Renten- und Aktienmärten auf die sprichwörtliche Goldwaage gelegt. Parallel zu Contes Ausführungen zur geplanten Flat-Tax, dem Grundeinkommen und dem Mindestlohn, stiegen die Zinsen für italienische Staatsanleihen praktisch in Echtzeit und die Aktien und Anleihen italienischer Unternehmen gaben fast im selben Maß nach. Die Unsicherheit darüber, ob der Schwung, mit dem die Zwangsehe zwischen Fünf Sterne und Lega bereits eingeführte Reformen zurückdrehen will, nicht nach hinten losgehen wird, hatte am Ende dieselben Folgen für Italiens Kapitalmarkt wie der Verteidigungsriegel „Catenaccio“ für die Gegner der Azzurri: Man findet einfach keinen Zugang zum erfolgreichen Abschluss.

Italexit kein Thema, Schuldenberg schon

Besonders hellhörig wurden die Marktakteure, als der neue italienische Premier auf den Staatschuldenberg Italiens (der übrigens bei über 130 Prozent des BIP liegt) einging und darauf, wie man in Rom gedenkt, diesen zu verringern. Durch Wachstum und nicht etwa durch Sparmaßnahmen. Addio, Austerität, also.

Große Erleichterung machte sich wenigstens dann breit, als Giuseppe Conte versicherte, dass ein „Italexit“, also ein Austritt Italiens aus der europäischen Währungsunion, kein Thema sei. Andere wiederum waren ob dieser Nachricht wohl eher besorgt – auch deswegen, weil unklar ist, wie und auf wessen Kosten Italiens neue Regierung die, Schätzungen zufolge rund 126 Milliarden teuren Wahlversprechen finanzieren will.

Zu all diesen Unwägbarkeiten gesellt sich der mit Spannung erwartete Ausgang eines anderen Elfmeterschießens in Frankfurt am Main: Bei der nächsten EZB-Zinssitzung am 14. Juni nämlich soll unter anderem darüber entschieden werden, ob und wie lange das 2 Billionen Euro schwere Staatsanleihen-Kaufprogramm der Europäischen Zentralbank noch fortgeführt werden soll. Die EZB ist eine der größten Gläubiger Italiens. Würden die Euro-Währungshüter das Ankaufprogramm für Staatsanleihen zum Ende des Jahres ad acta legen, würde Rom künftig ein wichtiger Ankerinvestor und damit eine große Portion an Stabilität und Investorenvertrauen verloren gehen. Die Folgen: Weiter steigende Risikoaufschläge für italienische Schuldverschreibungen, wodurch sich die Aufnahme neuen Kapitals für Italien weiter verteuern würde, was wiederum einen weiteren Anstieg der Staatsschulden zur Folge hätte. Wenn aber die EZB andererseits das Ankaufprogramm weiterführt oder andere Rettungsmaßnahmen für Italien einführt, kann das zu einer noch größeren Verdrängung ausländischer Investoren führen. Und die sind momentan sowieso eher weniger geneigt, ihr Geld in italienische Titel zu stecken. Hinzu kommen große Ratingagenturen wie Moody’s. Sie wollen Rom deklassieren und rating-technisch in die Amateurliga schicken. Geschieht das, führt dies zu einem weiteren Exit und Fernbleiben ausländischer Investoren.

Politische Einwechslung sollte Märkte beruhigen

Nicht nur in Italien sitzen neben der Politik immer auch die Finanzen auf der Trainer- und Teambildungsbank. Doch am Beispiel der Regierungsbildung der Halbinsel ließ sich jetzt sehr genau beobachten, wer eigentlich das letzte Wort in Sachen Besetzung der Regierungsmannschaft hat. Italiens Staatspräsident Sergio Mattarella nämlich stoppte den ersten Versuch eines endgültigen Kaders seitens der Koalition aus Fünf Sterne und Lega mit seinem Veto. Der (damals) designierte Finanzminister Paolo Savona, ein bekennender Kritiker sowohl des Euro als auch Deutschlands, durfte sein Amt nicht antreten. Denn alleine seine Nominierung hatte bereits verheerende Signale an die Finanzmärkte gesendet. Damit scheiterte letztlich auch der erste Versuch einer Regierungsbildung, was wiederum große Ängste und Unsicherheit am Kapitalmarkt auslöste.

Mit dem Wirtschaftsprofessor Giovanni Tria als neuen Finanzminister konnte das Bündnis am Ende doch noch sein Kabinett präsentieren und Neuwahlen abwenden, was wenigstens zeitweise die Gemüter an den Anleihen- und Aktienmärkten beruhigen konnte. Denn mit Tria dirigiert nun jemand die Finanzen Italiens, der zumindest nach außen Signale des Vertrauens, der Besonnenheit, Stabilität und Finanzierbarkeit der Regierungspläne sendet. Ein Mann, von dem man sich dank seiner Expertise erhofft, dass er die populistischen Prediger di Maio und Salvini etwas im Zaum halten wird.

Dass der gegenüber Brüssel und Berlin unversöhnbare Paolo Savona nun als Europaminister mit darüber entscheidet, wie sich die EU und damit in gewisser Weise auch der Euro weiterentwickeln sollen und werden, mag den einen an den berühmten Bock erinnern, den man zum Gärtner macht. Andere wiederum denken dabei vielleicht eher an das im Profifußball übliche Ausleihen ausgemusterter Spieler.

Castell Insight nun live

Würzburg, 1. Juni 2018
Presse-Information

Castell Insight nun live

  • Erfolgreiche Castell’sche Vermögensverwaltung nun auch online verfügbar.
  • Castell Insight kombiniert einfachen Zugang und Transparenz mit einem erprobten Investmentansatz der Vermögensverwaltung.
  • Castell Insight setzt auf Menschen statt auf Algorithmen bei der Vermögensverwaltung.

Seit heute ist Castell Insight online. Castell Insight ist die digitale Vermögensverwaltung der Fürstlich Castell’schen Bank. Sie erlaubt den Kunden einen durchgängig online zu durchlaufenden Onboarding Prozess. Mit Hilfe gezielter Fragen wird das für den Kunden individuell passende Risikobudget ermittelt und daraus ein entsprechender Anlagevorschlag unterbreitet. Das Risikobudget berücksichtigt neben finanziellen Erwägungen auch Aspekte der Behavioral Finance: „Die emotionalen Faktoren der Risikobereitschaft sind nach unseren Erfahrungen mindestens ebenso wichtig wie die rationalen; denn Vermögen sollte ja den Kunden nicht den Schlaf rauben, sondern sie ruhiger schlafen lassen,“ so Dr. Sebastian Klein, Vorstandsvorsitzender der Fürstlich Castell’schen Bank.

Das knappe Gut Risikobudget wird in der Casteller Vermögensverwaltung in effizienter Weise auf die liquiden Anlageklassen Aktien, Renten, Alternative Investments und Cash verteilt. Dieser Prozess wird durch ein Gremium von Kapitalexperten geführt. Die Fürstlich Castell’sche Bank setzt bei der Anlage der anvertrauten Kundengelder auf Expertenwissen und faktenbasiertes Judgement statt auf Black-Box-Algorithmen.

Die Vermögensverwaltung des Hauses Castell hat eine lange Tradition in der Bewahrung und maßvollen Mehrung von Vermögen. So erzielte ein Investment in den letzten fünf Jahren bei einem Risikobudget von 10 % eine durchschnittliche jährliche Rendite von rund 3 % p. a. nach Kosten.

Diesen spezifischen, exklusiven Investmentansatz macht Castell Insight nun zukünftig auch für die Kunden verfügbar, die online anhand eines geführten Prozesses ihr Risikobudget und ihre Anlagepräferenz selbst ermitteln können und wollen.

„Wir sind sehr froh, mit Castell Insight das Beste aus zwei Welten zu verbinden und damit auch online-affinen Kunden einen effizienten Zugang zur Castell’schen Vermögensverwaltung zu bieten“, so Dr. Sebastian Klein, Vorstandsvorsitzender der Fürstlich Castell’schen Bank.

Fürstlich Castell’sche Bank,
Credit-Casse AG
Sascha Gründl
Leitung Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

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Gesagt – Getan

Marktkommentar Mai 2018

Gesagt – Getan

Dr. Achim Hammerschmitt – CFA, Leiter Vermögensverwaltung & Fondsmanagement der Fürstlich Castell’schen Bank

In gewissem Sinne war es schon fast unheimlich, wie sich die Aktien-, Zins- und Währungsmärkte in den letzten vier Wochen gemäß unseres Drehplans bewegt haben. Die Aktien sind gestiegen und haben aus unserer Sicht wichtige Marken zurückerobert, die wir dann, wie angekündigt, auch zur Aufstockung unserer Aktienquote genutzt haben. Die Unternehmen haben dabei global sehr gute Ergebnisse berichtet und viele Sorgen der Markt-Kassandras, wie z. B. »Maximal-Marge überschritten«, »Maximalgewinne erreicht« etc. haben sich auch dieses Quartal wieder als grundlegend falsch erwiesen. Selbst wenn man den Effekt der US-Steuersenkung aus den Gewinnzahlen des ersten Quartals herausrechnet, sind die Margen der amerikanischen Unternehmen gestiegen, übrigens bei gleichzeitigem Anziehen des Umsatzes! Auch in Europa zeigt sich mittlerweile ein gutes Bild und man nähert sich dem oberen Rand der Erwartungen an, was die Aktien weiter beflügeln sollte. Kein Wunder also, dass die Aktienmärkte, je nach Disposition, mehr oder weniger dynamisch ihre Erholung fortgesetzt haben. Das noch weiteres Potential für Aktien besteht, habe ich schon letzten Monat dargestellt.

Bei den Zins- und Rentenmärkten haben die Notenbanken der USA, die Federal Reserve Bank, (FED), und die europäische Zentralbank (EZB) wichtige Statements veröffentlicht, die Zinsängste in den USA und der Eurozone deutlich beruhigt haben. So fiel die Reaktion der Märkte bei nachlassendem »GeTwitter« und Handelskriegsängsten moderater aus als erwartet. Die Zinsen stiegen zwar, was wir auch zum Anlass genommen haben unsere Zinssensitivität, wie letzten Monat angekündigt, wieder deutlich zu senken. Das Ausmaß war aber erträglicher als bei vergleichbaren Perioden des letzten Jahres. In den USA bestand die Angst, dass der Geist der Inflation aus der Flasche entschlüpft, wie es z. B. ein Maß für die Gehaltsentwicklung der regionalen Niederlassung der FED in Atlanta impliziert. Die Reaktion der FED wäre ein schnelleres, stärkeres Erhöhen der Zinsen gewesen, um zu verhindern, dass die Zielinflation übertroffen wird. Gott sei Dank hat sich die US-Notenbank recht pragmatisch geäußert, nämlich, dass sie nach dieser langen Zeit der Unterschreitung in den letzten Jahren, ein gewisses Überschießen der Inflation tolerieren wird, ihr Ziel sozusagen symmetrisch um die Ziel-Inflation herum interpretiert. Dem liegt sicherlich die Gewissheit zugrunde, dass eine Notenbank ihr Instrumentarium kennt, mit dem sie Inflation wirkungsvoll bekämpfen kann. Damit sind Befürchtungen eines schneller als erwarteten Zinsanstiegs in den USA und einer »Ansteckung« für Europa vorerst vom Tisch.

Zum dritten hat sich auch der Währungsmarkt weitgehend so entwickelt, wie wir erwartet hatten. Der US-Dollar ist stärker geworden und hat verlorenes Terrain zurückerobert. Begünstigt wurde diese Erholung sicherlich auch mit der leicht abnehmenden Synchronizität und Dynamik des globalen Wirtschaftswachstums. In Europa haben wir in Bezug auf Wirtschaftswachstum wohl schon den Höhepunkt überschritten, glauben aber, dass wir dieses und nächstes Jahr noch oberhalb des jeweiligen nationalen Potenzials wachsen. Ausnahme könnte einmal mehr Italien sein, deren im Entstehen begriffene Regierungskoalition wirre und schädliche Wirtschaftsprogramme anvisiert. In Japan gab es im ersten Quartal ebenfalls kleine Bremsspuren wie auch erste Stolperer bei einigen Schwellenländer. So musste Argentinien knapp 19 Jahre nach dem letzten Staatsbankrott, wieder einmal den Internationalen Währungsfonds um Hilfe bitten. Damit hatte das Bild des gleichzeitig an Dynamik gewinnenden Wachstums, das historisch eher zu Dollar-Schwäche führte, erste Kratzer erhalten, was das Erstarken des Dollars begünstigte. Wir erhoffen uns noch etwas mehr Stärke und haben daher auch unsere Dollarquote angehoben.

Auch auf der Risikoseite haben unsere Versuche der Trump-Exegese, nämlich, dass er vermeiden möchte die Märkte zu schädigen und, dass er auf seine Militärs hört, funktioniert. Das Damoklesschwert einer Handelsauseinandersetzung schwebt aber nach wie vor über unseren Häuptern. Hier ist aufgeschoben definitiv nicht aufgehoben. Die Zölle werden von Trump schlau als mögliche Strafe und Druckmittel für europäische Gegenreaktionen auf die Iranpolitik oder andere Sonderwege genutzt, weshalb die Verschiebung der Entscheidung über die Zölle gegen die EU recht clever war. So bleibt der europäische Tiger zahnlos und die Politik nur mediale Empörungspolitik.

Für eine tiefergehende Irritation der Kapitalmärkte müssten aber echte Handelsauseinandersetzungen entstehen, was vielleicht der Juni mit der endgültigen Entscheidung über die Stahl- und Aluminium-Zölle bringen könnte. Dann wäre das klassische »Sell in May and go away« wieder einmal die richtige Strategie. Wir erwarten aber, dass mit dem reinigenden Gewitter im ersten Quartal jahreszeitliche Schwankungen vorgezogen wurden und die Rückbesinnung auf die guten Ergebnisse der Unternehmen und die gute Lage der Weltwirtschaft bis in den Sommer anhält.

Unser Kurs für die nächsten Monate bleibt weiter gesetzt: Wir glauben an die Chancen der Aktien, verlieren aber die großen Probleme der Welt nicht aus den Augen und halten an unseren Gegengewichten fest. Wenn unser Risikoszenario eintritt, werden wir einem Kursverfall der Märkte nicht untätig zusehen, sondern entsprechend unseres Ansatzes Gewinne sichern und unsere Risikobudgets verteidigen und falls nötig in »sichere Häfen« umschichten.

 

Zinspolitik im Dilemma oder von Falken, Tauben und Krähen

Standpunkt Mai 2018

Zinspolitik im Dilemma oder von Falken, Tauben und Krähen

Dr. Sebastian Klein – Vorstandsvorsitzender der Fürstlich Castell’schen Bank

Seit Ausbruch der Finanzkrise 2008 haben die Notenbanken weltweit in den Krisenmodus geschaltet. Nullzinsen, Refinanzierungsfazilitäten und Wertpapierkäufe – dieser Dreiklang von Instrumenten wurde aktiv eingesetzt. Mit konventionellen und nicht konventionellen Maßnahmen sind die Notenbanken ihrer Rolle als »lender of last resort« gerecht geworden. Und das war bitter nötig, stand doch – neben dem Deflationsgespenst – die Stabilität des Finanzsystems per se und einzelner Währungen in Frage. Bereits gut ein halbes Jahr nach seinem Amtsantritt sah sich Mario Draghi gezwungen, die Bereitschaft und Fähigkeit der EZB zum Schutz des Euro zu betonen. »Whatever it takes« ist zu Recht zum geflügelten Wort geworden. Ähnliche kommunikative und faktische Initiativen gab es von den Notenbanken in den USA, Japan, Schweden und der Schweiz. Daher wurde das Schlimmste verhindert. Von einer Instabilität des Finanzsystems ist keine Rede mehr. Das Vertrauen in den Euro ist zurückgekehrt. Eine von uns durchgeführte aktuelle Umfrage unter Vermögensmillionären zeigt, dass sich seit 2016 der Anteil der über die Zukunft des Euro Besorgten halbiert hat.

Weltweit synchrones wirtschaftliches Wachstum, stabile Wechselkurse und moderate Inflationsraten – die Volkswirtschaft scheint ein günstiges neues Gleichgewicht gefunden zu haben. Und doch zeigt die Eurobarometerumfrage, dass mehr als 40 % der Bürger der EZB misstrauen. Reale negative Zinsen für
Einleger könnten gerade im Land der Sparer, Deutschland, ein Grund dafür sein. Die Sorge vor einem »Platzen« von wahrgenommenen oder sich abzeichnenden Blasen in bestimmten Anlageklassen ist ein weiterer Faktor. Vor diesem Hintergrund wird auch die Forderung des Chefs der Bundesbank verständlich, zügig eine Normalisierung der Zinspolitik einzuläuten, damit die Zentralbank wieder Munition für die nächste Krise aufbauen kann. Die USA sind hier bereits weiter, sie haben mit dem sogenannten Quantitativen Easing allerdings auch rund drei Jahre vor der EZB begonnen!

In der Finanzwelt spricht man von dem Kampf zwischen Falken und Tauben, als den zwei Fraktionen in den Notenbanken. Diese Metapher symbolisiert das Dilemma: Soll ein radikal restriktiver geldpolitischer Kurs mit dem Risiko des »Abwürgens« der Konjunktur (»Falken«) oder ein moderat akkommodierender Kurs mit dem Risiko einer starken Inflation (»Tauben«) eingeschlagen werden? Wir glauben, dass zunächst der geldpolitische Kurs zwischen den USA und Europa divergent bleiben wird. Grund ist der zeitliche Versatz der unkonventionellen Maßnahmen. Damit gewinnt ein international aktives Rentenmanagement an Bedeutung. Wir haben gezeigt, dass für Investoren dennoch Renditen um die 2 % p. a. möglich sind, also oberhalb der derzeitigen Inflation im Euroraum. Und vielleicht ist weder der Falke noch die Taube das richtige Profil für die Notenbanker der Zukunft. Innovationskraft scheint gefragt: Restriktive Schritte mit Optionalität und kommunikativer Begleitung. Biologen haben die Krähe als denjenigen Vogel identifiziert, der an Innovationskraft den anderen überlegen ist und mit neuen Herausforderungen am geschicktesten umzugehen weiß. Vielleicht eine neue »Spezies« im bildhaften Vokabular der Finanzwelt.

Weder Falken noch Tauben sind gefragt – Casteller Kapitalmarktperspektiven Mai 2018

Casteller Kapitalmarktperspektiven Mai 2018

 

 

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Strategie in Zeiten mit Getwitter

Marktkommentar April 2018

Strategie in Zeiten mit Getwitter

Dr. Achim Hammerschmitt – CFA, Leiter Vermögensverwaltung & Fondsmanagement der Fürstlich Castell’schen Bank

Die Berg- und Talfahrt geht weiter an den Aktien- und Anleihemärkten der Welt. Immer wieder wird sie befeuert von Twitter-Nachrichten des US-Präsidenten. Die schwindelerregende Rhetorik zwischen Russland und Trump ließ das Schlimmste befürchten. Mit dem nachfolgenden Militärschlag, der aber so ablief, dass eine Eskalation zwischen Russland und Trump unwahrscheinlich war, wurde dann doch weniger Porzellan zerschlagen als befürchtet. Wie ein Kollege meinte, müssen wir Portfoliomanager sogar dankbar sein, dass die Angriffe bei geschlossenen Börsen erfolgten und der Wertpapierhandel erst wieder einsetzte, als der Pulverrauch verzogen und das Ausmaß der Schäden sichtbar war. Ansonsten hätten viele Marktteilnehmer wieder zuerst verkauft und dann gefragt, was eigentlich passiert ist und die Aktienmärkte steil nach Süden geschickt. Für Trump hatten die Luftschläge gegen Assad nebenbei auch noch den Effekt, dass er in der Zustimmung der Amerikaner zu ihrem Präsidenten die höchsten Werte seit Amtseinführung erreicht hat. Wenn man aus Sicht von Herrn Trump Bilanz zieht, hat er sein Wahlversprechen, hart gegen Assad aufzutreten, wieder erfüllt, geht in klare Opposition zu Russland, was ihm in der Causa Wahlbeeinflussung durch Russland und Sonderermittlungen hilft, und verbessert seine Umfragewerte – und das alles, ohne die Kapitalmärkte in Panik zu versetzen. Abgänge und Entlassungen aus seiner Mannschaft, Durchsuchungen in der Kanzlei seines Anwalts und moralische Verfehlungen mit Pornostarlets sind vergessen. 3:0 für Trump!

Immerhin, unsere Thesen, dass Trump auf seine Militärs und die Kapitalmärkte, die Wall-Street, »hört«, scheinen sich auch mit den letzten Vorfällen weiter zu bestätigen. Solange diese Leitplanken wirken, werden die Aktienmärkte zwar mit Volatilität reagieren, aber nicht untergehen. Leider steckt im vorigen Satz das Wörtchen »solange«, was bedeutet, dass wir uns Gedanken machen müssen, welche Signale ein Ende der Wirksamkeit der Leitplanken frühzeitig anzeigen könnten?

Während die geopolitischen Auseinandersetzungen mit Russland, aber vor allem mit China, langfristig bestehen bleiben werden und Eskalationspfade mit den historischen Erfahrungen des kalten Krieges eher auf Stellvertreterkriege hindeuten als auf direkte Konfrontationen, gibt es im Bereich der Handelsauseinandersetzungen bzw. eines Handelskrieges mehr Grautöne, die es uns schwerer machen, ein Überschreiten einer roten Linie klar zu benennen.

Verschlimmern würde sich insbesondere der Handelskonflikt mit China, den wir als den wirklich relevanten Problemfall ansehen, wenn die angekündigten Zölle aufgrund der Urheberrechtsverstöße effektiv wirksam oder sogar ausgeweitet würden. Bisher hat uns die schnelle und relativ aggressive Antwort der Chinesen überrascht, es bleibt aber noch durchaus Zeit, die Kuh vom Eis zu ziehen, bevor sie echten Schaden anrichten kann. Wirklich kritisch würde es, wenn eine der beiden Seiten den von der WTO bei Handelskonflikten vorgegebenen Pfad verlassen würde.

Bisher erfolgten alle von beiden Seiten angekündigten Maßnahmen noch in Übereinstimmung mit den WTO-Regeln. Andererseits wäre ein Eintreten in Verhandlungen und die Benennung und Klärung von Hauptkonfliktlinien ein Zeichen dafür, dass man in einen geregelten Prozess eingeschwenkt ist, der die Angst vor Instabilitäten bei den Marktteilnehmern senkt.

Am stärksten würde wohl eine innenpolitische Entwicklung helfen, bei der die Republikaner, deren politische Basis durch die chinesischen Zölle gezielt leiden würde, per Gesetzesinitiativen im Kongress gezielt darauf hinarbeiten, dass Trump in dieser Frage nicht mehr tun kann, was er will und andere, moderate Wege eingeschlagen werden können. Bei der Fragmentierung und Radikalisierung der Republikaner ist dies allerdings leider nicht zu erwarten.

Gleichzeitig sehen wir für 2018 deutlich gestiegene Gewinnerwartungen der Unternehmen rund um den Globus. Wir beobachten starkes Wachstum, das in einigen Fällen, wie den USA, zunimmt oder bei dem wir in Europa wohl schon das Maximum gesehen haben. Und das bei gleichzeitig um circa 10 % gefallenen Kursen. Hier bildet sich eine Diskrepanz zwischen Kursentwicklung bei Aktien und den Gewinnerwartungen heraus, die, falls die Unternehmen diese Gewinne auch vereinnahmen können, auf Sicht der nächsten 12-18 Monate durchaus 20 % Kurspotential erhoffen lassen. Wir wissen aber auch, dass die Gewinnerwartungen nicht mehr das Papier wert sind, auf dem sie gedruckt wurden, wenn die Welt in einen Handelskrieg taumelt oder wir einen großen militärischen Konflikt sehen. Bisher ist das nur unser Risikoszenario, wir müssen aber konstatieren, dass dessen Wahrscheinlichkeit in den letzten 8 Wochen zugenommen hat.

Folgerichtig haben wir seit Anfang Februar »sichere Hafen«-Investments wie Gold, amerikanische und sichere europäische Staatsanleihen aufgebaut und damit unsere Zinssensitivität deutlich erhöht. Sollte sich der Markt aber, wie im April so häufig, noch deutlich freundlicher zeigen, werden wir diese Zinssensitivität auch wieder ebenso deutlich senken. Wir werden auch in den kommenden Monaten an diesen Gegengewichten zu unseren Aktienpositionen, die, wie oben beschrieben, durchaus großes Potential haben, festhalten. Unser Kurs für die nächsten Monate ist gesetzt: Wir glauben an die Chancen der Aktien, verlieren aber die großen Probleme nicht aus den Augen und halten an unseren Gegengewichten fest. Wenn unser Risikoszenario aber eintritt, werden wir einem Kursverfall der Märkte nicht untätig zusehen, sondern entsprechend unseres Ansatzes unsere Risikobudgets verteidigen und weiter in »sichere Häfen« umschichten.

Zwei Wünsche an Ricardo reloaded

Standpunkt April 2018

Zwei Wünsche an Ricardo reloaded

Dr. Sebastian Klein – Vorsitzender des Vorstands der Fürstlich Castell’schen Bank

Manchmal muss man sich schon wundern, wenn man die Schlagzeilen der Tagespresse verfolgt. Globalisierung und Digitalisierung schreiten unaufhaltsam voran: Die globale (Waren-)Welt ist mit unseren Fingerspitzen erreichbar. Wir erleben eine Diskussion um Schutzzölle und mögliche Handelskriege. Und schon fühlen wir uns in die Zeit des Merkantilismus zurückversetzt.

Ad fontes – manchmal hilft es zu den Ursprüngen zurückzugehen. Im Fall der internationalen Handelsbeziehung heißt das bis ins späte 18. Jahrhundert. David Ricardo hat danach mit seiner Theorie der Kostenvorteile den methodisch-ökonomischen Rahmen für den freien Handel zwischen Ländern gelegt. Er konnte zeigen, dass internationale Handelsbeziehungen zu mehr Wohlstand für die beteiligten Länder führen als eine geschlossene, das heißt durch Zölle oder sonstige auch nichttarifäre Handelshemmnisse abgeschottete Volkswirtschaft. Kern seiner Argumentation sind die Spezialisierungsvorteile. Diese greifen selbst für den Fall, dass ein Land alle Güterund Dienstleistungen günstiger produzieren kann als die übrigen Länder. Sogar in dieser Konstellation sollten sich die einzelnen Länder auf die Herstellung derjenigen Produkte konzentrieren, bei denen sie die geringsten komparativen Kostennachteile haben und alle anderen Güter im Wege des freien, internationalen Handels importieren. So werde der Wohlstand für alle Länder maximiert.

Folgt man dem grundsätzlichen Gedanken von Ricardo, dann müsste man der Androhung des US-amerikanischen Präsidenten über die Erhöhung von Zöllen nicht mit Gegendrohungen begegnen. In diesem Fall können dann alle nur verlieren: Spezialisierungsgewinne schwinden, eigentlich nicht wettbewerbsfähige Industrien in einzelnen Ländern werden »künstlich« am Leben gehalten, notwendiger Strukturwandel unterbleibt, der Wohlstand aller Länder sinkt.

Um diesen Nachteilen zu begegnen, sollten vielmehr konstruktive Verhandlungen, zum Beispiel zwischen den USA und der EU, über den Abbau von Handelshemmnissen aufgenommen werden. TTIP lässt grüßen. Und vielleicht sind ja die Drohungen des »transatlantischen Dealmakers« als verhandlungstaktisches Anchoring zu verstehen.

Unsicherheit beschäftigt Vermögende nachhaltig bei der Geldanlage

In einer explorativen Studie zur Vermögensanlage, durchgeführt durch Kantar Added Value, zeigt sich aktuell, dass zwei Drittel der befragten Vermögenden eine zunehmende Dynamik an den Finanzmärkten verspüren. Im Zeitraum vom 19. März bis 3. April 2018 wurden 63 High-Net-Worth-Individuals (HNWI) mit einem Nettoeinkommen von mehr als 150.000 Euro pro Jahr und einem liquiden Vermögen von mehr als 1 Million Euro befragt. Die ganz aktuellen Ergebnisse zeigen, dass das Auseinanderbrechen der Eurozone und das Niedrigzinsumfeld nur noch 19 bzw. 14 Prozent der Befragten Sorge bereiten, die entsprechenden Werte lagen 2016 noch etwa doppelt so hoch. „Die Euro-Rettungspolitik der EZB scheint verstanden worden zu sein, die Vermögenden haben ihre Asset Allokation wohl angepasst. Eine Konsequenz, die nach neusten Erkenntnissen der Bundesbank auch in der Breite angekommen zu sein scheint“, so Dr. Sebastian Klein, Vorstandsvorsitzender der Fürstlich Castell’schen Bank.

Vielmehr Sorgen bereiten aktuell der Brexit und die wirtschaftlichen Pläne der Großen Koalition in Deutschland. 59 Prozent stehen dem Brexit negativ gegenüber (11 Prozentpunkte mehr als noch 2016). Allerdings werden starke oder sehr starke Kapitalmarktkonsequenzen nur noch von knapp 60 Prozent der Befragten erwartet, immerhin fast 20 Prozentpunkte weniger als noch 2016. Auch bezüglich der neuen Regierung in Deutschland besteht Unsicherheit, lediglich 21 Prozent sehen deren Pläne als positiv an, 79 Prozent betrachten diese negativ oder neutral. „ Für Vermögende spielt die politische Sphäre eine große Rolle. Sie betrachten deren wirtschaftliche Auswirkungen ganz genau. Eine deutlichere wirtschaftspolitische Positionierung der neuen Regierung scheint angezeigt. Hier kann der neue Wirtschaftsminister einen bedeutenden Raum füllen“, so Dr. Sebastian Klein.