Investment Komitee Summary – Mai 2020

Aktienmärkte mit Rückschlagpotential angesichts schwerer Rezession

Die meisten Länder der Welt haben als Antwort auf die Ausbreitung des Coronavirus ihre Volkswirtschaften so gut wie komplett heruntergefahren. Das Ergebnis ist für fast alle Staaten die wohl schwerste Rezession seit dem Zweiten Weltkrieg oder der Großen Depression in den 1930er Jahren. Momentan fangen die unterstützenden Maßnahmen seitens der Notenbanken und der Öffentlichen Hand die negativen Effekte des Shutdowns noch auf. Das dürfte auch so bleiben, solange es nicht zu einer zweiten Infektionswelle kommt.

Vor diesem Hintergrund haben wir im Investment Komitee folgende Entscheidungen getroffen:

  • Wir halten an unserer defensiven Aktienpositionierung fest, da wir von einer spürbaren Gegenbewegung der Märkte ausgehen.
  • Wir halten Investment-Grade-Unternehmensanleihen weiterhin für attraktiv, da es dort zusätzlich ein starkes Engagement der EZB gibt.
  • Wir sind weiter skeptisch gegenüber Schwellenländern und bereinigen die bestehenden Reste in unserem Portfolio. Wir finden Asien/Pazifik und die USA attraktiver.

Corona-Epidemie: Wo stehen wir?

Die Ausbreitung des Coronavirus konnte durch die strenge Abschottungspolitik der meisten Staaten eingedämmt werden. Neuinfektionen und Todesfälle gehen fast überall zurück und viele Länder lockern die Restriktionen langsam wieder. Die nächsten Wochen werden zeigen, ob es wegen dieser Lockerungen zu einer zweiten Welle kommen wird oder aber, ob die Maßnahmen wie Social Distancing und Maskenpflicht ausreichen, um die Ausbreitung kontrollierbar zu halten. Die USA sind mittlerweile der Hotspot der Infektionswelle, in der Eurozone gehen die Zahlen deutlich zurück. Auch wenn eine Impfung wahrscheinlich erst im nächsten Jahr erhältlich sein wird, werden in einzelnen Ländern Medikamente, wie Remdesivir, für die Behandlung von Erkrankten zugelassen.

Gigantische Rettungspakete stützen die Wirtschaft

Sowohl die Zentralbanken als auch die Regierungen haben auf den „whatever it takes“-Modus umgeschaltet. Die Notenbanken pumpen so viel Liquidität wie noch nie zuvor ins Finanzsystem und die Staaten legen gigantische Rettungsprogramme auf. Die Volumina scheinen zum jetzigen Zeitpunkt ausreichend, um die Wirtschaft zu stützen, den Unternehmen Liquidität über das Bankensystem zur Verfügung zu stellen und – last but not least – auch Staatsbeteiligungen einzugehen, wie im Fall der Luftfahrtindustrie. Einzig die Schwellenländer und aber auch die Peripherie der Eurozone müssen wohl noch nachlegen, damit die Wirtschaft genug unterstützt wird. Angesichts dieser massiven Programme gibt es Hoffnung, dass die Wirtschaft im zweiten Halbjahr wieder anspringen könnte. Wie stark, steht allerdings in den Sternen, da die Unsicherheit der Verbraucher, aber auch der Unternehmen, momentan sehr groß ist.

Schwerste Rezession seit dem Zweiten Weltkrieg

Die meisten Staaten werden 2020 wohl die schwerste Rezession seit dem Zweiten Weltkrieg erleben. Die Rettungsprogramme von Notenbanken und Regierungen vermeiden zwar noch Schlimmeres, aber einen starken Einbruch der Wirtschaftsleistung können sie nicht verhindern. 2021 sollte dann eine starke Erholung folgen, vor allem in den USA. In Deutschland und Japan könnte das Niveau des Jahres 2019 erst wieder im Jahr 2022 erreicht werden, wenn überhaupt. Momentan ist es noch schwer abzuschätzen, wie schnell das Vertrauen der Unternehmen und der Verbraucher zurückkommt. Vor allem letztere sind durch einen starken Einbruch der Arbeitsmärkte in Ländern wie den USA unter großem Druck. Die jüngsten US-Arbeitsmarktdaten zeichnen ein sehr drastisches Bild: Die Arbeitslosenquote ist auf 14,7 Prozent, dem höchsten Stand seit dem Zweiten Weltkrieg, gestiegen, allein im April haben 20,5 Millionen Amerikaner ihren Job verloren. Da die US-Wirtschaft mehr als andere von Konsum abhängig ist, könnte das, sollte der Arbeitsmarkt nicht dynamisch zurückkommen, auf eine schwierige Erholung hindeuten.

Globale Rezession, aber Aktienmärkte sind stabil – wie passt das zusammen?

Die Aktienmärkte preisen momentan eine kräftige Erholung im zweiten Halbjahr ein. Wenn man von dem günstigen Szenario ausgeht, dass die Viruszahlen weiter sinken, obgleich die Abschottungsmaßnahmen zurückgenommen werden, dann ergibt für langfristige Investoren sogar momentan ein teilweiser Einstieg in den Markt Sinn. Aber das gilt nur, wenn die Entwicklung linear positiv verläuft und die Stimmungsindikatoren spätestens im Juni wieder anziehen. Wenn die Erholung weniger linear und positiv ausfällt und die Wirtschaft nicht so schnell wieder Tritt fasst, dann sind die momentanen Kurse deutlich zu hoch. Wir erwarten, dass der US-Markt noch einmal die 200 Tageslinie sehen möchte, es aber dann auch zu einem deutlichen Rückschlag kommen kann. Die Aktienmärkte haben zwar 50-60 Prozent der Einbrüche vom Februar und März aufgeholt, doch die Luft wird dünner. Die Bewertungen sind selbst mit normalisierten Gewinnen hoch und unangenehme Überraschungen von Unternehmensseite werden sich zum Teil erst im 2. Quartal zeigen. Das Rückschlagpotential ist in dieser schwierigen Zeit daher für die nächsten 4-8 Wochen hoch.

Investment Komitee Summary – April 2020

Wirtschaftliche Entwicklung wird durch Coronavirus Shutdowns stark gebremst

Der Shutdown weiter Teile der globalen Wirtschaft wird massiv negative Auswirkungen auf das Wachstum mindestes im zweiten Quartal haben. Andere Teile der Welt, wie die USA aber auch UK, werden die Hotspots von Corona werden, da die Regierungen dort zu spät gehandelt haben. Die große Frage ist, wie wird die Erholung nach Corona aussehen, wie lange werden die Maßnahmen in Effekt bleiben müssen und was bedeutet das für die Märkte?

Momentan gehen wir davon aus, dass die Aktienmärkte die Tiefstände von März nochmals testen könnten. Wir erwarten keinen schnellen Turnaround am Markt.

Vor diesem Hintergrund haben wir im Investment Komitee entschieden, unsere Positionierung nicht zu verändern.

  • Wir bleiben vorerst bei einem Aktienexposure nahe Null, d. h. wir haben unser Aktienexpositionen mit Derivaten wie z. B. Futures abgesichert.
  • Wenn auch in den USA die Zeichen wieder auf Erholung stehen, ist mit einer nachhaltigen Erholung an den Kapitalmärkten zu rechnen. Erst dann werden wir Risiken wieder substantiell aufbauen.
  • Bis dahin werden wir vorsichtig positioniert bleiben und nur selektiv Investments mit ausgezeichnetem Chance-Risiko-Profil für unsere Kunden tätigen.

Coronavirus – wo stehen wir?

Die Social Distancing-Maßnahmen fangen an zu greifen: Die Rate der Neuinfektionen in Spanien, Italien und Frankreich geht langsam zurück – das wird (hoffentlich) auch bald in Deutschland zu sehen sein. Die große Frage ist allerdings, bis auf welches Niveau sich die Neuinfektionen reduzieren lassen? Denn an China und Südkorea sieht man, wie schwierig es ist die Rate der Neuinfizierten auf unter 100 zu drücken und sie auch dort festzuhalten. Klar ist, dass es nicht möglich sein wird, das Virus komplett auszurotten. Damit ist die Politik mit der schwierigen Entscheidung konfrontiert, wann man die Social Distancing-Maßnahmen wieder lockern kann, ohne einen starken Anstieg der Neuinfektionen zu riskieren?

Am Beispiel Japans sieht man was passiert, wenn man aus einem Gefühl vermeintlicher Sicherheit zu schnell wieder zur „Normalität“ zurückkehrt: Hier steigt die Zahl der Erkrankten gerade wieder exponentiell. Das sogenannte „Endspiel“ im Kampf gegen das Coronavirus ist momentan nicht klar, denn eine langsame Durchseuchung bis zu 70 Prozent, wie vom Robert-Koch-Institut angeregt, könnte ein bis zwei Jahre dauern.

Die neuen Virus-Hotspots werden vorerst Großbritannien und die USA sein. Beide Länder haben sehr träge reagiert und verfügen über anfällige Gesundheitssysteme.

Wirtschaftliche Auswirkungen des Coronavirus

Mittlerweile ist klar, dass die Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Virus zu einer Rezession der Weltwirtschaft führen werden. Der IMF warnt nun sogar davor, dass die Auswirkungen gravierender als nach der Finanzkrise sein könnten. Kontinentaleuropa befindet sich im Lockdown. Das wird die Wirtschaft mindestens bis ins zweite Quartal dieses Jahres stark belasten und zu deutlichen Einbrüchen führen. Gegen Ende des zweiten Quartals gehen wir davon aus, dass abzusehen sein wird, wie groß der Schaden wirklich ist und wie der „Scherbenhaufen“ aussehen wird.

Die USA stehen wohl vor der tiefsten Rezession seit dem zweiten Weltkrieg. Der US-Arbeitsmarkt ist im freien Fall: Fast zehn Millionen Menschen in den USA haben in den vergangenen zwei Wochen ihren Job verloren. Wie das US-Arbeitsministerium mitteilte, stieg die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe in der vergangenen Woche auf 6,65 Millionen – nach 3,3 Millionen in der Vorwoche. Der Markit-Einkaufsmanagerindex für den Dienstleistungsbereich ist im März so stark wie noch nie gefallen, da die Nachfrage von Haushalten und Unternehmen kollabiert.

Gegenmaßnahmen der Notenbanken und Regierungen

„Whatever it takes“ gilt im Kampf gegen die wirtschaftlichen Auswirkungen der Virus-Eindämmung nun nicht nur für die Notenbanken, sondern auch für die Regierungen der meisten Industrienationen. Weltweit werden Konjunkturprogramme mit beispielloser Größe aufgelegt, was zu einem enormen Anstieg der Staatsverschuldung führen wird.

Die Notenbanken haben ihre Zinsen drastisch gesenkt und injizieren Liquidität. So kauft die EZB so viel Anleihen wie noch nie zuvor und auch die US-Notenbank hat ein unbeschränktes QE-Programm aufgelegt. Primär geht es darum, der Finanzindustrie genug Liquidität zu geben, da Unternehmen ihre Kreditlinien beanspruchen, Kredite nicht mehr bedient werden können und, im worst case, es wieder zu einer Vertrauenskrise kommen könnte. Aber auch die Märkte haben sich durch die Maßnahmen wieder beruhigt und der freie Fall der Märkte ist erst einmal gestoppt.

Wie geht es weiter? Wie könnten wir aus der Krise kommen?

Eine sogenannte V-förmige Erholung ist unserer Meinung nach unwahrscheinlich angesichts der Schwere der Krise. Elementar wird sein, wie die USA aus der Krise kommen. Wir gehen davon aus, dass es dort sicherlich bis Ende April spätestens Mitte Mai dauert, bis die Regierung Corona einigermaßen im Griff hat; in Europa sehen wir hierfür erste Anzeichen, weil schneller und entschiedener reagiert wurde. Wir gehen auf Basis dieses Szenarios von einer sogenannten U-förmigen Erholung aus. Zum Ende des zweiten Quartals werden wir erkennen, wie schlimm der Schaden für die Wirtschaft und wie groß der Scherbenhaufen wirklich ist.

Die Aktienmärkte werden allerdings schon vorher wieder anspringen – wir gehen davon aus, dass die Märkte nochmals in den nächsten Wochen die Tiefstände testen werden, um dann Ende April Anfang Mai wieder anzuziehen.

Investment Komitee Summary – Februar 2020

Investoren lassen Coronavirus-Panik hinter sich, Fokus auf wirtschaftlicher Erholung

Nach einem volatilen Jahresstart an den Aktienmärkten aufgrund der Ausbreitung des Coronavirus ist die Panik wieder verflogen und die Kursverluste sind wettgemacht. Die Castell Bank ist gut aufgestellt ins neue Jahr gestartet, die Aktienaufstockung im Dezember und Januar und auch der Ausbau der italienischen Rentenposition hat sich bewährt. Für die weitere Entwicklung an den Märkten wird nun wichtig, wann der Höhepunkt der Neuansteckungen beim Coronavirus erreicht wird. Davon wird abhängen wie groß die Bremsspuren v. a. der chinesischen Wirtschaft sein werden und wie stark die globalen Produktionsketten beeinträchtigt werden.

Vor diesem Hintergrund haben wir im Investment Komitee folgende Entscheidungen getroffen:

  • Wir stocken italienische Renten auf, um von wahrscheinlichen Spreadeinengungen zu profitieren.
  • Wir bauen Gold aus, da die Preise weiter steigen dürften, auch durch die Unterfütterung der Notenbanken.
  • Wir halten an Aktien aufgrund der hohen Risikoprämien, relativ zu Staatsanleihen und trotz der erhöhten Bewertungen, fest.
  • Wir beobachten die Entwicklung des Coronavirus genau, um schnell reagieren zu können.


Coronavirus hat Märkte verschreckt – wie geht es weiter?

Die weitere Entwicklung des Coronavirus ist ungewiss und die Auswirkungen der Krankheit auf die Weltwirtschaft hängen davon ab, wann der Höhepunkt an Neuansteckungen erreicht ist. Sollte das im Februar/März sein, dürfte nur das erste Quartal darunter leiden und stärkere Verwerfungen der globalen Produktionsketten und damit der Unternehmensgewinne vermieden werden.

Falls es aber noch länger dauert und zu drastischen Maßnahmen wie Hafenschließungen etc. gegriffen werden muss, könnte sich das zuletzt recht positive globale Wachstumsbild eintrüben und die erwartete Erholung ausfallen. Der Virus verbreitet sich zwar leicht, ist aber weniger tödlich als z. B. SARS und scheint eher das Gefahrenpotential einer „normalen“ saisonalen Grippe zu haben.

China leidet primär, aber Rest der Welt ist nicht immun

Primär dürfte die chinesische Wirtschaft unter dem Virus leiden. Wir erwarten, je nach Dauer der Epidemie, eine Reduzierung des Wachstums von 0,1 bis 0,4 % für 2020 – vor allem der Handel und die Tourismusbranche werden betroffen sein. Allerdings, je länger der Peak der Ansteckungen auf sich warten lässt, desto mehr werden auch die globalen Produktionsketten beeinträchtigt.  Hier wäre neben Japan auch vor allem die USA betroffen; Europa dürfte es erst über sogenannte „Zweitrundeneffekte“ treffen. Die Folgen wären eine fortgesetzte globale Industrie-Malaise, die die Preise treiben und gleichzeitig das Wachstum schwächen würde.  Aus diesem Grund ist für die weitere Beurteilung der Märkte eine genaue Beobachtung des Virus-Verlaufs nötig.

Italien – weiteres Potential für Spreadeinengung

Bei den Regionalwahlen in der Lombardei hat Italiens Oppositionschef Matteo Salvini mit seiner rechten Lega verloren und der angeschlagenen Regierung in Rom eine Verschnaufpause verschafft. Die Rentenmärkte reagierten mit deutlichen Spreadeinengungen und Kursgewinnen und wir sehen noch weiteres Potential. Die Wahlniederlage Salvinis hat die politische Stabilität Italiens deutlich verbessert und wir denken die Spreads könnten sich in den nächsten 3 Monaten noch weiter einengen. Neuwahlen sind nun erstmal vom Tisch, aber Italien ist notorisch politisch instabil. Deswegen sehen wir die Aufstockung italienischer Renten auch nur als eine taktische Allokation.

Wirtschaft hellt sich auf – Industrieproduktion mit Trendwende?

Die Stimmung in der US-amerikanischen Industrie hat sich zu Beginn des Jahres ein Stück weit aufgehellt und ist wieder über die Expansionsschwelle gestiegen. Die US-Wirtschaft nimmt endlich wieder an der globalen Erholung teil und verharrt nicht weiter in einer Schwächephase. In anderen Worten: Die größte Volkswirtschaft der Welt scheint wieder anzuspringen.

Hinzu kommt, dass eine Trendwende bei der globale Industrieproduktion begonnen hat. Die Frühindikatoren signalisieren Erholung, der typische 3-Jahresindustriezyklus scheint weitgehend abgeschlossen und die Anzeichen für eine zyklische Wachstumserholung mehren sich. Es gibt allerdings weiter „Schwachstellen“: Die Daten aus Deutschland und Japan sind weiterhin schlecht.

Castell-Bank sieht weiter konjunkturelle Erholung trotz Coronavirus

Der Ausbruch des Coronavirus in China hat die Aktienmärkte auf dem falschen Fuß erwischt und zu einem volatilen Jahresstart geführt. Langsam hat sich die Panik allerdings gelegt, Investoren schauen wieder positiver auf die Märkte und die Kurse haben sich erholt. Nicht zuletzt sind positive Konjunkturdaten aus den USA und eine Erholungstendenz bei der globalen Industrieproduktion Gründe für einen verhaltenen Optimismus.

„Der Impact des Virus muss abgewartet werden, je früher der Höhepunkt der Ansteckungen erreicht und anschließend die Ausbreitung des Virus eingedämmt wird, desto besser für die Wirtschaft,“ erklärt Achim Hammerschmitt, Leiter der Vermögensverwaltung der Fürstlichen Castell’schen Bank. „Wenn dieser im Februar, März erreicht würde, wären die Folgen auf das erste Quartal begrenzt, und je frühzeitiger eine wirksame Bekämpfung des Virus gefunden wird und damit drastische Maßnahmen – wie Hafenschließungen – wieder aufgehoben werden können, desto besser ist es für die Gewinne der Unternehmen und die globalen Supply Chains.“

Die Stimmung in der US-amerikanischen Industrie hat sich zu Beginn des Jahres ein Stück weit aufgehellt und ist wieder über die Expansionsschwelle gestiegen, erläutert Hammerschmitt. „Das bedeutet, dass die US-Wirtschaft endlich wieder an der globalen Erholung teilnimmt und nicht in einer anhaltenden Schwächephase verharrt,“ so Hammerschmitt. Die größte Volkswirtschaft der Welt scheint wieder anzuspringen.

Hinzu kommt, dass eine Trendwende bei der globale Industrieproduktion begonnen hat. Die Frühindikatoren signalisieren Erholung, der typische 3-Jahresindustriezyklus scheint weitgehend abgeschlossen und die Anzeichen für eine zyklische Wachstumserholung mehren sich, erläutert Hammerschmitt.

Auch die Berichtssaison läuft bis dato zufriedenstellend und in Teilen sogar besser als erwartet – auch das treibt die Märkte weiter an. „Die großen Themen – Digitalisierung und Automatisierung – unterstützen weiter vor allem die Technologiewerte. Seit Jahresbeginn hat der NASDAQ die klassischen Indizes deutlich geschlagen,“ betont Hammerschmitt.

Was können Anleger von der FED und der US-Wirtschaft in 2020 erwarten?

Die FED-Sitzung dieser Woche wurde von vielen Kommentatoren als „langweilig“ und „einschläfernd“ bezeichnet. In der Tat gab es nach den Zinssenkungen des letzten Jahres wenig Neues im Januar. Im Kleingedruckten war es dann aber gar nicht so banal: Die Fed will sichergehen, dass die Inflation auch überschießt und hat sich explizit für ein symmetrisches Inflationsziel von 2 Prozent ausgesprochen.

Das bedeutet, dass die US-Notenbank ihre lockere Geldpolitik beibehalten wird, bis die Inflation über 2 Prozent und nicht nur relativ nahe am Ziel liegt. Das wird nach aller Voraussicht noch etwas länger dauern, was bedeutet, dass Zinserhöhungen weiter in die Zukunft verschoben werden. Momentan sieht es angesichts der Schwäche der US-Ökonomie sowieso nach Stillhalten oder eventuell weiterer Lockerung aus.

Auch wenn die Fed ihr Quantitative Easing-Programm schon lange beendet hat, wächst die Bilanz seit September wieder deutlich, denn die Zentralbank pumpt aus Gründen der Geldmarktstabilität Geld in die Märkte und sorgt damit für mehr Liquidität.

Zur Beruhigung des Marktes, der zuvor zehn Jahre lang ohne größere Turbulenzen funktioniert hatte, griff die Federal Reserve ein, indem sie kurzlaufende US-Staatsanleihen (T-Bills) kaufte, um für zusätzliche Liquidität zu sorgen. Und ein Ende ist nicht in Sicht. Zwar haben sich vereinzelt Fed-Gouverneure für ein Ende im April ausgesprochen, doch Fed-Chef Powell hat bei der Januar Sitzung des Offenmarkt-Ausschusses kein Ende in Sicht gestellt.  Niemand nennt das Programm offiziell „Quantitative Easing“, kurz QE, aber viele Kommentatoren merken an: “Es läuft und quakt wie QE also ist es QE“.

Die US-Wirtschaft ist vor Kurzem in eine Schwächephase eingetreten, die Einkaufsmanagerindizes für das verarbeitende Gewerbe sind unter die magische Marke von 50 gesunken. Werte unterhalb von 50 deuten eine Kontraktion in diesem Bereich der Wirtschaft an. Der jüngste Phase-One-Handelsdeal zwischen China und den USA könnte vielleicht die Bremsspuren beheben. Die kommenden Wochen und Monate werden zeigen, ob es nur ein kurzfristiger Absacker ist, den man momentan sieht, oder ob die USA sich nun nachhaltig abschwächen.

Sollte letzteres der Fall sein, dürfte dies auch maßgebliche Auswirkungen auf den Rest der Welt und die Entwicklung der Märkte haben, denn damit würde sich auch die Gewinnsituation der Unternehmen verschlechtern. Angesichts dieser Ungewissheiten und der hohen Bewertungen ist in jedem Fall eine gewisse Vorsicht angesagt.

Die EZB-Sitzung im Blick: Was können Anleger am Donnerstag erwarten?

Die Europäische Zentralbank hat nicht nur eine neue Chefin, Christine Lagarde, sondern will ihre Strategie und die geldpolitischen Instrumente einer genauen Analyse unterwerfen. Diesen Donnerstag soll es soweit sein: Lagarde wird den Startschuss für die erste Strategiedebatte seit 2003 geben. Geldpolitische Veränderungen sind allerdings diese Woche nicht zu erwarten.

Schon im Vorfeld machte Lagarde klar, dass sie sich mit vielen sogenannten Stakeholdern konsultieren möchte. Sie möchte sich mit den Kollegen der Euro-Notenbanken, mit Wissenschaftlern und aber auch mit dem EU-Parlament und der Zivilgesellschaft konsultieren.

Diese Öffnung wird nicht von allen befürwortet, denn – so vernimmt man aus Notenbankkreisen – man riskiere damit eine Überforderung der Institution. Die EZB solle sich auf Inflation konzentrieren und nicht mit einem Bein gegen den Klimawandel kämpfen. Wie diese Debatte ausgeht, wird wohl erst zum Ende des Jahres klar werden. Lagarde wird wohl ein holpriger Weg bevorstehen, denn schon in der Vergangenheit hat sich gezeigt, dass die nationalen Notenbankgouverneure genug davon haben, sich vom EZB-Präsidenten „dominieren“ zu lassen.

Harte geldpolitische Entscheidungen werden für das gesamte Jahr nicht erwartet – zumindest preist der Markt keine weiteren Zinssenkungen oder sogar Erhöhungen ein. Natürlich ist das abhängig von der weiteren wirtschaftlichen Erholung, falls sich bald ein optimistischeres Bild abzeichnet, könnte natürlich auch die Notenbank reagieren.

Im Kern wird es weiter um die Frage gehen, ob die EZB mit ihrer momentanen Politik das Inflationsziel erreichen kann oder etwas an der Art, wie Inflation gemessen wird, verändert werden muss? Die schwedische Riksbank nimmt beispielsweise auch steigende Mieten in ihrer Inflationsberechnung auf. Dies würde die gemessene Inflation auch in der Eurozone beflügeln und an unsere gefühlte Inflation annähern.

All das sind Fragen für die Strategiedebatte.

Lagarde wird nicht umhinkommen, sich diesen Fragen anzunehmen. Die letzten acht Jahre unter Mario Draghi waren größtenteils Krisenjahre, die mit vielen neuen geldpolitischen Instrumenten einhergingen – Stichwort QE, Forward Guidance und Negative Deposit Rates. Lagarde hat die wahrscheinlich ungleich schwierigere Aufgabe die EZB-Politik wieder zu „normalisieren“ und die breite Öffentlichkeit von der Notwendigkeit der geldpolitischen Ausrichtung zu überzeugen.

Viele sagen, die EZB hat ein „deutsches“ Problem – Lagarde wird wohl daran gemessen werden, ob sie die öffentliche Meinung im größten Land der Eurozone auf ihre Seite bringen kann.

Investment Komitee Summary – Januar 2020

Nach einem Jahr voller Unsicherheiten startet das neue Jahr mit deutlich geringeren politischen Unwägbarkeiten: Großbritannien wird in einem geregelten Verfahren aus der EU austreten und ein Handelsabkommen zwischen den USA und China ist in greifbarere Nähe. Selbst die kurzfristige Eskalation zwischen den USA und dem Iran durch die Ermordung des iranischen General Qasem Soleimani hat die Märkte wenig erschüttert.

Vor diesem Hintergrund haben wir folgende Entscheidungen getroffen:

  • Wir haben aufgrund taktischer Überlegungen unsere Goldposition reduziert, da wir denken, dass Gold nach dem Soleimani-Attentat überreagiert hat.
  • Wir werden Aktien (USA und Asien Pazifik) aufstocken, um von einer Einigung im Handels-streit zu profitieren.
  • Bei Renten sind wir vorsichtig, da wir von weiter steigenden Renditen ausgehen. Wir investieren in die Spread- und nicht in die Zinskurve, um von einer Spreadverengung und von steileren Spreadkurven zu profitieren.

Brexit und Handel – Unsicherheiten deutlich reduziert

Seit dem Jahresende haben sich die beiden Hauptunsicherheitsfaktoren des letzten Jahres deutlich abgeschwächt. Der Brexit wird in einem geregelten Verfahren vonstatten gehen und Großbritannien Ende Januar aus der EU ausscheiden. Die Frage bleibt allerdings, ob ein Handelsabkommen binnen eines Jahres mit der EU zustande kommen kann oder nicht – ein harter Brexit ist allerdings vom Tisch. Zwischen den USA und China deutet sich ein belastbarerer „Phase One Deal“ an; eine Unterschrift wird am 15. Januar erwartet. Allerdings heißt das nicht, dass der Konflikt und die Konkurrenzsituation zwischen den beiden Welt-mächten damit behoben ist, es kommt aber zumindest vorerst nicht zu einer weiteren Eskalation.

Wirtschaftliche Erholung setzt sich fort

Eine Mischung aus lockerer Geldpolitik seitens aller großen Notenbanken – von der FED, über die EZB bis hin zur Peoples Bank of China – und fiskalpolitischen Stimuli sorgt für eine Stabilisierung der wirtschaftlichen Entwicklung und treibt die Märkte. Die Stütze bleibt weiterhin der Dienstleistungssektor, doch es gibt auch verhaltene Hoffnungszeichen aus der Industrie. Einige Frühindikatoren weisen sogar auf eine Erholung in der Industrie hin. In Asien ist dies, neben China, das sich stabilisiert hat, vor allem in Taiwan und Korea zu erkennen. Beide Volkswirtschaften sind traditionell sehr sensibel und haben eine große Abhängigkeit von der Halbleiter- bzw. Exportindustrie. In beiden Ländern sieht man eine Verbesserung der Exporte und steigende Einkaufsmanagerindizes. Die Nachfrage nach Halbleitern, die auf der ganzen Welt für die Digitalisierung von Geschäftsfeldern gebraucht werden, zieht wieder an. Dies ist ein Zeichen, dass der Megatrend Digitalisierung ungebrochen ist und Zeiten der politischen Unsicherheit übersteht. Es ist unwahrscheinlich, dass der Trend zur politischen „Renationalisierung“ dieses Jahr verschwindet, da auch die Wiederwahl Donald Trumps alles andere als ausgeschlossen ist. Vor diesem Hintergrund muss man sich natürlich die Frage stellen, welche Industrien unter diesen Vorzeichen die größten Wachstumschancen haben.

Aktienmärkte weit gelaufen – wie geht es weiter

An diesen Gedanken anknüpfend, denken wir, dass Technologieaktien attraktiver sind als beispielsweise klassische Industriewerte. Die ungebrochenen Trends Digitalisierung und künstliche Intelligenz werden den Sektor, trotz politischen Gegenwinds, treiben. Diese im NASDAQ abgebildeten Unternehmen dürften in der nächsten Zeit ein deutlich höheres Gewinnwachstum realisieren können. Wir denken, dass die Aktienmärkte im ersten Quartal weiterhin freundlich bleiben und am Ende des ersten Quartals die Zeit des Innehaltens kom-men wird. Dann wird es Zeit sein, sich zu fragen, ob die Gewinnentwicklungen der Unternehmen die Bewertungen weiterhin rechtfertigen können.

Geldpolitik – lockere Finanzbedingungen unterstützen weiter Volkswirtschaften und Märkte

Alle großen Notenbanken der Welt unterstützen die Wirtschaft und die Märkte mit großzügiger Liquidität. Die EZB hat mit Christine Lagarde eine neue Notenbank-Präsidentin, die allerdings wohl nicht maßgeblich vom Kurs Mario Draghis abweichen wird. Es bleibt ihr auch nicht viel anderes übrig angesichts der niedrigen Inflationserwartungen: In Europa wird es bis auf weiteres weitere Anleihenkäufe (QE) geben. In den USA hat die FED im vergangenen Jahr die Zinsen gesenkt und wird nun bis tief in 2020 hinein „die Füße stillhalten“.

Generell ist zu beobachten, dass die Zinsen global am kurzen Ende und real niedrig blieben. In den USA sollten Anleger allerdings die Inflationserwartungen im Blick halten. Diese könnten zum Jahresende 2020 hin steigen und mit ihnen dann auch die Zinsen. Auch aus diesem Grund ist es sinnvoll, in den Rentenmärkten momentan vorsichtig zu agieren, denn es gibt ein zusätzliches reales Risiko von steigenden Zinsen angesichts der wirtschaftlichen Erholung.

Investment Komitee Summary – Dezember 2019

Der Dezember wird ein „Make or Break“-Monat für die Kapitalmärkte

Für Investoren wird es im Dezember nochmal spannend. Alle Augen richten sich auf den 15. Dezember. Das ist der Tag, an dem es entweder ein Phase 1 Abkommen zwischen den USA und China geben wird oder aber neue Zölle auf chinesische Güter. Falls es zu einer Einigung käme, stünden die Zeichen gut für eine Fortführung der Jahresendrally und den Start einer zyklischen Erholung der weltweiten Konjunktur. Vor diesem Hintergrund haben wir folgende Entscheidungen getroffen:

  • Falls es am 15. Dezember zu einem Deal kommt, erhöhen wir die Aktienquote im ausgewogenen Profil.
  • Bei Renten halten wir die Durationen gering und bauen sie sukzessive ab.
  • Den Dollar lassen wir untergewichtet.
  • Gold-Position behalten wir als sicheren Hafen und Versicherung „no Deal“ am
    15. Dezember.

Phase 1 Deal am 3. Advent?

Es bleibt wie gewohnt spannend bei den Handelsverhandlungen zwischen den USA und China. Der 15. Dezember wird entscheiden, ob es an den Kapitalmärkten eine Belebung oder eine Erschütterung geben wird: Knecht Donald oder aber Santa Donald werden den weiteren Weg der Märkte bestimmen. Falls es keinen Deal gibt, ist auch eine Wiederholung des letzten Dezembers nicht ausgeschlossen. Donald Trump gerät innenpolitisch immer mehr unter Druck. In den sogenannten „Purple States“ oder „Wechselwählerstaaten“ verschlechtert sich seine Popularität zusehends. Das liegt nicht zuletzt an seiner Wirtschaftspolitik, unter der die Industrieproduktion in den USA leidet und mit ihr potenziellen Wähler in den Staaten, in denen der Großteil der amerikanischen Industrie beheimatet ist. Rational sinnvoll wäre es für Trump also, einem Deal zuzustimmen.

Chinas Wirtschaft erstaunlich stabil

In China gibt es zwei Einkaufsmanagerindizes: Den offiziellen und den des Wirtschaftsmagazins „Caixin“. Im Dezember ist der Caixin PMI für das Verarbeitende weiter gestiegen und deutet auf eine moderate Erholung der Industrie in China hin. Die fiskalpolitischen Maßnahmen und die Zinssenkungen der chinesischen Notenbank scheinen Früchte zu tragen. Natürlich leidet die Wirtschaft weiter unter den Handelsauseinandersetzungen; aber es gibt Anzeichen für eine Stabilisierung.

Die USA schwächen sich ab

Der Handelskrieg hat vor allem zu einer globalen Schwäche der Industrieproduktion geführt. Während sich die USA lange Zeit wegen des großen US-amerikanischen Binnenmarkts als immun ansahen, verdeutlichen sich die Zeichen, dass die amerikanische Industrie sich deutlich abschwächt.

Der Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe ist im November überraschend auf einen Wert von 48.1 Punkten gesunken – alles unter 50 deutet auf eine Kontraktion der Industrie hin. Auch die Industrieproduktion im Oktober ist auf den niedrigsten Stand der vergangenen 17 Monate gefallen. Hier wird Donald Trumps Problem noch einmal sehr deutlich: Es sind genau die sogenannten „Blue Collar Worker“– also die Arbeiter, die unter seiner Politik leiden und es sind aber auch genau diese Menschen, die über seine Wiederwahl entscheiden könnten.

Europa ist erleichtert – ein harter Brexit vom Tisch

Der harte Brexit, ein unkontrolliertes Ausscheiden Großbritanniens aus der EU, ist mit großer Wahrscheinlichkeit vom Tisch. Am Donnerstag, den 12. Dezember, steht die Parlamentswahl in Großbritannien an. Da sich das derzeitige Parlament nicht auf einen gemeinsamen Kurs bezüglich des Brexit einigen konnte, wurden Neuwahlen beschlossen. Es gilt als relativ wahrscheinlich, dass die Konservativen und damit Premierminister Boris Johnson als Sieger aus der Wahl hervorgehen werden. Aktuellen Umfrageergebnissen zufolge dürften die Tories auf 43 Prozent kommen, während die Labour-Partei 32 Prozent erreichen dürfte. Sollten die Konservativen die Wahl tatsächlich für sich entscheiden, wäre der Weg für den geordneten Ausstieg Großbritanniens aus der Europäischen Union am 31. Januar 2020 frei. Im Anschluss daran dürften sich die EU und Großbritannien in Verhandlungen auf ein Freihandelsabkommen einigen.

Investment Komitee Summary – November 2019

Schon lange gab es nicht mehr so viele positive Nachrichten auf einmal: Die politischen Unsicherheiten haben sich mit der Ankündigung eines „phase one“-Deal zwischen den USA und China deutlich verringert und selbst ein harter Brexit ist mehr oder weniger unmöglich geworden. Nach dem Stimmungstief im September haben sich die Stimmungsindikatoren – vor allem die Einkaufsmanagerindizes und die OECD-Frühindikatoren – erholt und die Marktteilnehmer scheinen wieder deutlich optimistischer zu sein. Deshalb haben wir im Laufe des Oktobers und in unserem Investmentkomitee Anfang November folgendes entschieden:

  • Wir haben die Zinssensitivität unserer Portfolios durch den Verkauf von US-Staatsanleihen und Bundesanleihen nahezu auf Null reduziert.
  • Wir wollen die Aktienquote im ausgewogenen Profil, je nach Marktentwicklung, bis auf 40 Prozent steigern und uns regional vor allem auf Europa, Japan und die Schwellenländer fokussieren.
  • Die Goldposition verbleibt als einzige nennenswerte „safe haven“-Position in den Portfolien.

Deutliche Verringerung der politischen Unsicherheiten

Ein harter Brexit und damit ein herber Schlag für die europäische Wirtschaft ist vom Tisch. Es wird am 12. Dezember Neuwahlen in Großbritannien geben. Falls Boris Johnson und die Tories gewinnen, hat er versprochen den ausgehandelten Deal bis Ende Januar umzusetzen. Falls Labor gewinnen sollte, könnte es ein neues Referendum geben.

Der US-China Handelskonflikt hat mit dem angekündigten „phase one“-Deal eine ebenso überraschend positive Wende genommen. Es wird nicht der große Wurf werden. Wichtig ist die Symbolik und der offensichtlich politische Wille des US-Präsidenten Trumps, sich auf die Chinesen zuzubewegen.

Trump braucht einen Deal für die Wiederwahl

US-Präsident Trump will im nächsten Jahre wiedergewählt werden. Amerikaner wählen gerne die Kandidaten, von denen sie sich mehr wirtschaftlichen Erfolg für sich persönlich erhoffen. Und hier liegt die Crux:  Die wirtschaftliche Entwicklung der Bundesstaaten, die keine feste Mehrheit bei den Republikanern oder Demokraten haben, entscheidet die US-Wahl. Diese Bundesstaaten werden gerne „Purple States“ genannt. Die Ergebnisse der letzten Wahl zeigen, dass diejenigen „Purple States“, die Trump gewählt haben, ein deutlich niedrigeres Gehaltsniveau im Vergleich zu den anderen Bundesstaaten aufweisen. Dass diese „Purple States“ bei der nächsten Wahl nicht zu „Swing States“ – also Demokratischen Staaten – werden und die Wahl verloren geht, muss Trump handeln: Wir gehen daher davon aus, dass es einen „phase one“-Deal geben wird.

Zyklische Erholung ist das wahrscheinlichste Szenario

Der sogenannte „Schweinezyklus“ des Abbaus der Lagerbestände scheint einer der großen Treiber der jüngsten Schwäche gewesen zu sein. Durch die Verringerung des politischen Risikos ist der Weg frei für eine zyklische Erholung: Die Frühindikatoren deuten auf mehr Optimismus in den „Board Rooms“ hin, die Lagerbestände sind fast vollständig abgebaut und nicht zuletzt ist der weltweite Konsum weiterhin stabil.  Hinzukommt, dass fast alle großen Notenbanken in einen neuen Zinssenkungszyklus eingestiegen sind und damit die Finanzierungskonditionen sehr attraktiv bleiben. Auch die Fiskalpolitik ist unterstützend. Deshalb denken wir, dass es zu einer zyklischen Erholung kommt.

Rentenmarkt „normalisiert“ sich weiter

 Die Renditen steigen wieder nachdem sie über den Sommer bis in den Frühherbst stark gefallen waren. Auch die Erwartungen an die Notenbank und die weiteren Zinssenkungen sind deutlich moderater geworden: Die Renditekurve wird wieder steiler. Das heißt, die Rentenmärkte preisen ebenso eine bessere wirtschaftliche Erholung ein.

Welche Aktienmärkte dürften von dem „Mix“ besonders profitieren?

 Wir planen, vor allem in Europa, in den Schwellenländern und in Asien-Pazifik hinzuzukaufen. Diese Regionen waren besonders stark durch die politischen Unsicherheiten getroffen und haben mehr Rückschläge hinnehmen müssen. Deswegen sehen wir auch bei einer Erholung durch den Wegfall der Unsicherheiten in diesen Regionen mehr Potenzial.

Investment Komitee Summary – Oktober 2019

Der Handelskrieg zwischen den USA und China geht in eine neue Verhandlungsrunde, allerdings scheinen wenige Investoren an eine Lösung zu glauben. Zu festgefahren sind die Positionen und ähnlich, wie bei den letzten beiden Verhandlungsrunden, haben sich die US-Wirtschaftsdaten verschlechtert, während die chinesischen sich stabilisiert und verbessert haben. Hinzukommt, dass die jüngsten Kursgewinne, zumindest in den USA, eine kräftige Erholung einpreisen – das dürfte momentan, angesichts der in die entgegengesetzte Richtung deutenden Signale verschiedener Frühindikatoren, nicht realistisch sein. Aufgrund dieser Dissonanz zwischen hohen Aktienmarkterwartungen und der schwachen wirtschaftlichen Entwicklung, haben wir uns entschieden, die Aktienquote weiter zu reduzieren.

Executive Summary:

  • Aktienquote im ausgewogenen Mandat um 5 % reduzieren
  • Goldposition behalten, Silber beobachten, falls Erholung einsetzt
  • Globale Immobilien/REITs leicht aufstocken
  • Asia Pacific/Japan unverändert belassen

China und USA sprechen wieder miteinander

In letzter Zeit kommen Abgesandte beider Supermächte wieder zusammen: Das formale Ziel ist es, einen Deal im Handelsstreit auszuarbeiten. Das scheint allerdings schwierig, denn die Chinesen spielen zusehends „Hardball“, wie einem Bericht von Bloomberg zu entnehmen ist. Angeblich sind sie nicht mehr bereit, eine der Kernforderungen der USA zu adressieren, nämlich ihre Industriepolitik zu reformieren. Es scheint, als ob sich die Machtbalance zwischen den USA und China verändert hat: Die US-Wirtschaft zeigt deutlichere Zeichen der Schwäche als im Vormonat und Präsident Trump droht ein „Impeachment“-Verfahren. Die chinesische Wirtschaft hingegen scheint sich zu stabilisieren und politisch ist China stabil.

Notenbanken kämpfen um Inflation

 Noch vor einem Jahr sprach man in Notenbankerkreisen vor allem von „Normalisierung“ – das heißt, einem Abbau der außergewöhnlichen Maßnahmen und von Zinserhöhungen. Seitdem ist einiges passiert: Vor allem die Inflationserwartungen kommen massiv zurück und das nicht nur in der Eurozone. Die Wiederauflage von QE hat in Europa für viel Kritik gesorgt, doch die EZB läuft Gefahr, dass sich die Inflationserwartungen „verselbstständigen“ und das wäre eine Bankrotterklärung für die Notenbank. In den USA ist die Notenbank – ungewollt – zum Spielball der Politik geworden, denn je mehr Trump den Handelskrieg befeuert, desto stärker wird die FED wohl die Zinsen senken müssen. Negative Zinsen werden in Europa wohl länger als gedacht bleiben – „lower for longer“ bekommt dieser Tage eine neue Bedeutung. Und auch in den USA stehen die Zeichen auf weitere Zinsschritte nach unten.

Aktienmärkte preisen Erholung ein

 In der Vergangenheit konnte man einen relativ stabilen Gleichklang von Einkaufsmanagerindizes und den Aktienmärkten beobachten. Momentan ist die Situation anders: Die Aktienmärkte preisen eine kräftige Erholung ein – besonders in den USA – und die Einkaufsmanagerindizes sind schwach und gehen weiter zurück. Wir gehen davon aus, dass die Märkte die Erholungsaussichten der Wirtschaft zu positiv einschätzen und daher ein starkes Rückschlagpotential haben.

Globale Immobilien/REITS profitieren von den taubenhaften Notenbanken 

 Fallende und niedrigere Zinsen bzw. negative Zinsen sind Treibstoff für globale REITS, die günstiger sind als die meisten Aktien. Hinzukommt, dass gerade im wichtigen US-Markt die Situation der privaten Haushalte stabil ist und es keine massive Überschuldung gibt. Im Gegenteil: Die US-Konsumenten sparen sogar. Auch das sorgt für eine weitere Attraktivität der Assetklasse relativ zu Aktien.

Gold sehr teuer, aber ein „safe haven“

 Obgleich der Goldpreis schon sehr weit gelaufen ist, haben wir uns entschieden, Gold weiter zu halten. Falls es doch zu einer globalen wirtschaftlichen Erholung kommen sollte, denken wir, dass Silber das attraktivere Edelmetall ist. Momentan leidet Silber allerdings unter der Schwäche der Industrie und wird sich erst erholen, wenn es hier Aussichten auf Besserung gibt. Dann planen wir, Gold zu verkaufen und in Silber zu investieren. Aber zuerst muss eine glaubhafte Trendwende sichtbar werden.