Investment Komitee Summary – Oktober 2020

Castell-Bank erwartet volatile Seitwärtsmärkte wegen Corona und US-Wahl

Die steigenden Corona-Zahlen und die politische Ungewissheit in den USA lassen die Anleger vorsichtig agieren. Momentan gibt es zwei ausgeprägt unterschiedliche Entwicklungen: Auf der einen Seite steht die besser als erwartete konjunkturelle Situation und die erfreulich laufende Berichtssaison. Auf der anderen Seite sorgen der ungewisse Ausgang der US-Wahlen, das verschobene US-Konjunkturpaket (Cares-2) und last but not least die stark anziehenden Corona-Infektionen für steigende Unsicherheit. Aus diesem Grund gehen wir mindestens bis zur US-Wahl von volatilen Seitwärtsmärkten aus.

Vor diesem Hintergrund haben wir im Investment-Komitee folgendes entschieden:

  • Wir belassen vorerst unsere Benchmarkgewichtung bei Aktien bis nach den US-Wahlen.
  • Falls es nach den US-Wahlen auch zu einer Abschwächung der Corona-Dynamik kommen sollte, werden wir Aktien übergewichten.
  • Innerhalb der nächsten 12 Monate sehen wir Chance in den konjunktursensitiveren nordischen Ländern Europas und – bei einer Fortsetzung der Erholung – auch für Mid-/Small-Caps. Erste Positionen in Nordeuropa planen wir noch im Laufe des Oktobers – abhängig von der Marktdynamik – aufzubauen.
  • Im Pazifischen Raum mögen wir die Schwellenländer China und Korea. Wir nutzen hier Rücksetzer, um unsere gut gelaufene Position weiter auszubauen.
  • Auf der Rentenseite sehen wir bei Unternehmensanleihen weiter Chancen und planen, auch wieder eine Position im Bereich der Hochzinsanleihen aufzubauen.
  • Wir halten an unserem Engagement in Staatsanleihen wie Portugal und Italien weiter fest.

Konjunkturelle Erholung spiegelt sich auch in den Bilanzen

 In den USA hat die Berichtssaison für das dritte Quartal begonnen und die meisten Unternehmen haben bislang die Erwartungen der Analysten übertroffen. Damit zeigt sich, dass es „nicht nur“ die volkswirtschaftlichen Indikatoren sind, die sich erholen, sondern dies auch in den Bilanzen der Firmen ankommt. Aus makroökonomischer Sicht folgen die Volkswirtschaften der entwickelten Staaten weiter dem typischen Erholungspfad nach einer Rezession. Insbesondere in den USA sind die Erwartungen der Volkswirte für 2020 von -5,3 % auf -4,0 % deutlich nach oben korrigiert worden. Dies lässt auch für das vierte Quartal hoffen, allerdings hängt die Entwicklung stark vom weiteren Verlauf der Corona-Neuinfektionen ab. Falls es zu massiven Lockdown-Maßnahmen kommen sollte, wird das auch erneut die Konjunktur in Mitleidenschaft ziehen.

US-Wahl – der politische Elefant im Raum

 Joe Biden führt momentan in den Meinungsumfragen das Feld an. Allerdings lagen die Meinungsforscher in den letzten Jahren auch oft falsch und hinzukommt, dass das US-amerikanische Wahlsystem nicht unkompliziert ist. So wurde Donald Trump 2016 Präsident, obwohl mehr Amerikaner für Hillary Clinton gestimmt hatten. Viele der US-Bundesstaaten sind traditionell entweder demokratisch oder republikanisch. Um die Wahl zum US-Präsidenten zu gewinnen, muss man die sogenannten Swing States für sich einnehmen.

Welche Staaten sind die Swing States?

Florida gilt als der Jackpot: Mit 29 Wahlleuten ist es einer der wichtigsten umkämpften Staaten. Dahinter folgen die traditionellen „Battleground States“ oder „Swing States“, also jene Bundesstaaten, die mal für einen Republikaner und mal für einen Demokraten stimmen. Dazu gehören Pennsylvania (20 Stimmen) und Ohio (18), genauso wie Michigan, Wisconsin und Minnesota (zusammen 36 Stimmen). Aktuelle Umfragen deuten auch in Georgia (16), North Carolina (15) und Arizona (11) auf einen offenen Stimmausgang hin. Ein wahres Erdbeben wäre es, falls es Biden gelingen würde, Texas zu gewinnen. Der große Staat mit 36 Stimmen geht seit Jahrzehnten an Republikaner – manche Umfragen räumen ihm dort aber zumindest geringe Chancen ein.

Corona – Neuinfektionen steigen stark an

 In Europa, aber auch in den USA und Japan steigt die Zahl der Neuinfektionen stark. Allerdings steigt die Kurve der Todesfälle nicht mit an. Das lässt zumindest vorerst den Rückschluss zu, dass die Medizin mittlerweile Erfahrungen mit dem Virus gesammelt hat und die Therapie erfolgreicher läuft. Falls die Mortalität nicht noch ansteigen sollte, dürfte es auch nicht zu großflächigen Lockdowns kommen.

Investment Komitee Summary – September 2020

Castell-Bank bleibt neutral bei Aktien – Volatilität könnte steigen

Die Erholung der Weltwirtschaft schreitet voran und es sind nicht mehr „nur“ die Stimmungsindikatoren, die eine Verbesserung andeuten, sondern auch die „harten“ Daten wie die Industrieproduktion und der Verbrauch. Auch wenn die zweite Welle der Corona-Infektionen Fahrt aufnimmt, steigen die Todesfälle nicht an. Damit dürfte ein erneuter Shutdown weiter Teile der Wirtschaft unwahrscheinlich sein. Die Berichterstattung der Unternehmen im zweiten Quartal ist im Mittel besser als erwartet ausgefallen, was sich aber auch schon in den Preisen an den Aktienmärkten widerspiegelt. Vor allem in den USA sind die Märkte sehr weit gelaufen, Potenzial für weitere Gewinne gibt es eher in Europa. Wir denken allerdings, dass es aufgrund von jahreszeitlichen Risiken und der anstehenden US-Wahl Anfang November besser ist, abzuwarten. Es könnte in den nächsten Wochen deutlich volatiler an den Märkten werden.

Vor diesem Hintergrund haben wir im Investment-Komitee folgendes entschieden:

  • Wir bleiben bei der neutralen Gewichtung von Aktien
  • Wir bleiben bei der Übergewichtung von europäischen Staatsanleihen der Peripherie (Italien und Portugal) und Unternehmensanleihen mit Investment Grade
  • Wir überlegen, Rohstoffe weiter aufzubauen und warten auf den richtigen Zeitpunkt
  • Wir wollen unser USD-Exposure weiter abbauen

Konjunkturelle Erholung setzt sich fort

Die Erholung der Weltwirtschaft setzt sich fort und gewinnt an Tiefe. Es sind nicht nur die Stimmungsindikatoren, die nach oben deuten, sondern auch harte ökonomische Kennziffern wie die Industrieproduktion oder der Konsum. Auch die Frachtraten für Schüttgut und Container sind wieder auf ihre langfristigen Durchschnitte gestiegen. Die Erholung ist schneller als nach einer „normalen“ Rezession, denn der Einbruch der Wirtschaft wurde durch einen Lockdown bedingt und nicht durch Ungleichgewichte wie verzerrte Preise am Immobilienmarkt oder hohe Verschuldung von Unternehmen. Das bedeutet, dass in der jetzigen Erholung keine Ungleichgewichte abgebaut werden müssen und es deswegen auch schneller wieder bergauf gehen kann. Momentan werden auch Unternehmen noch von den Staatshilfen aus den Rettungspaketen aufgefangen, deren Geschäftsmodell schon vor oder durch die Corona-Krise fraglich war bzw. wurde. Wenn diese Stützungsmaßnahmen auslaufen, wird es zu vermehrten Ausfällen kommen und manches Unternehmen wird diese Krise nicht überleben.

Sektoren, die es hart treffen wird

Diese Krise ist auch deswegen anders, weil sie die Art, wie wir leben, verändert. Durch Corona hat die Digitalisierung einen enormen Anschub bekommen und mit ihr alle Unternehmen, die damit zu tun haben. Der Technologie-Index NASDAQ ist auf neue Rekordstände geklettert, da sich die Aussichten für Unternehmen wie Amazon und Google nochmal deutlich verbessert haben. Die „Old economy“ – der Einzelhandel oder aber auch der gesamte Reise- und Luftfahrtsektor – werden Jahre brauchen, um sich zu erholen bzw. es nie wieder zurück zu den Vor-Corona Volumina schaffen. Die Lufthansa beispielsweise wird deutlich kleiner werden und Unternehmen nutzen diese Krise auch, um an den Kosten zu drehen und Dienstreisen zu reduzieren. Solange es keine zuverlässige Impfung gibt und ein Großteil der Urlaubsgebiete als Risikogebiet klassifiziert ist, wird es auch keine Erholung für die Reisebranche geben. Auf der anderen Seite ist ein anderer Gewinner der Krise sicherlich die Gesundheitsbranche; ein Trend, der sich durch die Überalterung der westlichen Gesellschaft schon vorher abzeichnete, aber nun durch die Krise nochmal verstärkt wird.

Die Dollarschwäche ist „here to stay“

Je robuster die wirtschaftliche Erholung voranschreitet, desto weniger suchen Anleger nach sicheren Häfen. Der Dollar wird in Krisenzeiten immer als ein solcher eingeschätzt und sobald die Krise vorbei ist, nehmen viele Investoren ihr Geld und suchen Anlagen, die ihnen mehr Rendite bringt. Sie gehen wieder mehr ins Risiko. Das belastet die amerikanische Währung. Hinzu kommt nun auch der Strategieschwenk der FED. Die Notenbank hat ihr Inflationsziel grundsätzlich angepasst und wird in Zukunft sogenanntes „overshooting“ der Inflation über 2 Prozent hinnehmen. Sie wird erst dann die Zinsen anheben müssen, wenn im langfristigen Durchschnitt die Inflation bei mehr als 2 Prozent liegt. Das kann dauern, denn in diesem Jahrhundert hat die Inflation in den USA noch nie diese Marke gerissen. Im Umkehrschluss bedeutet das, dass die US-Notenbank die Zinsen wohl für wesentlich längere Zeit als vorher antizipiert auf Rekordtiefen belassen wird und damit ihrem zweiten Ziel, der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit, den Vorrang gibt. Das belastet den Dollar zusätzlich, denn mit steigenden Inflationserwartungen fallen die realen Zinsen.

Investment Komitee Summary – Juli 2020

Castell-Bank ist verhalten optimistisch für Aktien angesichts der lockeren Geldpolitik

Die großen Notenbanken der Welt werden auf absehbare Zeit die Zinsen niedrig halten und die Märkte mit Liquidität über ihre Notkaufprogramme stützen. Angesichts dieser Maßnahmen gepaart mit einer zu erwartenden Erholung der Wirtschaft dürften die Aktien in der zweiten Jahreshälfte weiter gut laufen. Im Sommer reduzieren viele Anleger ihre Risikopositionen, was zu einer kleinen Korrektur führen könnte. Danach wird es sich wieder lohnen einzusteigen, da wir keine zweite Welle von nationalen Shutdowns erwarten und damit keine weitere starke Belastung der globalen Wirtschaft.

Vor diesem Hintergrund haben wir im Investment Komitee im Juli folgendes entschieden:

  • Wir wollen die Aktienquote flexibel anpassen je nach Entwicklung und Möglichkeiten an den Märkten Rücksetzer für Zukäufe nutzen.
  • In Europa wollen wir im Health Care und Material Bereich aufstocken, den breiten Markt (ETFs) hingegen abbauen.
  • In den USA wollen wir Health Care und den NASDAQ aufstocken und ebenso den breiten Markt (S&P500) abbauen.
  • Bei Unternehmensanleihen und Renten aus der Peripherie der Eurozone bleiben wir übergewichtet.
  • Bei Rohstoffen denken wir über Aufstocken nach, da eine zyklische wirtschaftliche Erholung hier unterstützen sollte.


Stand Coronavirus

Die Anzahl der Infektionen steigt in einzelnen Staaten zwar weiterhin an oder wieder an – vor allem in den USA -, aber gleichzeitig gibt es keinen starken Anstieg von Todesfällen wie noch vor Monaten. Das lässt den Schluss zu, dass man es durch die gewonnenen Erfahrungen mit Covid-19 nun besser schafft, therapeutisch mit der Krankheit umzugehen. Damit reduziert sich die Gefahr von nationalen Lockdowns erheblich, was das Schreckensszenario weiterer Wellen deutlich entschärft. In verschiedenen Ländern – Deutschland, Japan und auch Südkorea – wurden lokale Ausbrüche des Virus erfolgreich mit lokalen Shutdowns bekämpft, ohne dass es zu einer nationalen Verbreitung der Krankheit kam. Diese Entwicklung dürfte auch einen „Sorgenfaktor“ von den Märkten nehmen und sich positiv auf die Stimmung im zweiten Halbjahr auswirken.

Ausblick Aktien

Die Erholung der Aktienmärkte ging zwar wirklich schnell und die Bewertungen befinden sich auf recht hohen Niveaus. Wenn man allerdings das im Vergleich zu vor der Krise gesunkene Zinsniveau mit einkalkuliert, sind Aktien nicht unattraktiv. Wir erwarten eine 5- bis 10-prozentige Korrektur in den nächsten 8 Wochen, da viele Investoren vor der Urlaubssaison ihre Risikopositionen reduzieren werden. Nach solch einer „kleinen“ Korrektur dürften die Investoren, die an der Rally nicht teilgenommen haben, wie z.B. viele institutionelle Investoren, einsteigen und die Märkte unterstützen. Angesichts dieser Gemengelage ist es durchaus möglich, dass Aktien in der zweiten Jahreshälfte in Richtung der alten Rekordstände laufen.

Wir gehen nicht mehr von einer zweiten Verkaufswelle – wie sie bei der Weltwirtschaftskrise und auch der Finanzkrise aufgetreten ist – aus. Die Corona-Krise entstand im Unterschied zu diesen nicht aufgrund von Ungleichgewicht im Finanzsystem oder der Wirtschaft, sondern durch eine exogenen Faktor – dem Virus und die Lockdowns. Im Umkehrschluss bedeutet das, dass auch keine Ungleichgewichte abgebaut werden müssen und die Krisenbewältigung deutlich schneller gehen kann.

Renten – Kaufen, was die Notenbanken kaufen…

Die Notenbanken bleiben „the biggest player in town“. Noch nie zuvor wurde so viel Liquidität weltweit bereitgestellt wie momentan. Die EZB kann mit ihrem Notprogramm quasi alle Neuemissionen der Mitgliedstaaten der Eurozone dieses Jahres aufkaufen und engagiert sich ebenso stark bei Unternehmensanleihen mit Investment Grade Bereich. Solange die Notenbanken diese Politik verfolgen, ergibt es auch als Investor Sinn, genau in diesem Bereich zu kaufen. Die Zinsen der Peripherie-Anleihen werden auch deshalb niedrig bleiben, da die Notenbank das klare Ziel hat, keine Fragmentation der Eurozone zuzulassen. Mit anderen Worten, steigende Kapitalmarktzinsen insbesondere von hochverschuldeten Ländern wie Italien werden von der EZB nicht toleriert werden.

Wechsel an der Aufsichtsratsspitze der Fürstlich Castell’schen Bank

Würzburg, 1. Juli 2020
Presse-Information

Wechsel an der Aufsichtsratsspitze der Fürstlich Castell’schen Bank

Der Vorsitzende des Aufsichtsrats der Fürstlich Castell’schen Bank, Credit-Casse AG, Andreas de Maizière (70), beendete zum 30. Juni 2020 planmäßig nach 14 Jahren Mitgliedschaft seine Tätigkeit im Aufsichtsrat. Herr de Maizière leitete das Kontrollgremium der Bank seit 2009. Zuvor war er bereits seit 2006 Mitglied des Aufsichtsrats.

Ingo Mandt (56), seit dem 1. Juli 2020 neuer Aufsichtsratsvorsitzender der Fürstlich Castell’schen Bank, gehört dem Gremium seit 2017 an. Er wurde durch den Aufsichtsrat zum Nachfolger von Andreas de Maizière gewählt.

„Es war mir eine besondere Ehre, diese traditionsreiche Bank und ihre Führungsmannschaft in den vergangenen 11 Jahren als Aufsichtsratsvorsitzender begleiten zu dürfen. In dieser Zeit hat die älteste Bank Bayerns unbeschadet die Finanzkrise und auch die Covid-19-Pandemie gemeistert. Die Unabhängigkeit der für die Region wichtigen Bank konnte gesichert werden“, so Andreas de Maizière.

Ingo Mandt: „Ich freue mich über die Wahl zum Aufsichtsratsvorsitzenden und über das in mich gesetzte Vertrauen. Mit meiner gesamten Erfahrung werde ich die Fürstlich Castell’sche Bank gerne in der weiteren Entwicklung unterstützen.“

„Wir möchten Andreas de Maizière an dieser Stelle unseren tief empfundenen, persönlichen Dank für seine außerordentlichen Verdienste um unsere Bank aussprechen. Zugleich freuen wir uns auf die zukünftig noch intensivere Zusammenarbeit mit Ingo Mandt“, so S.D. Ferdinand Fürst zu Castell-Castell und S.D. Otto Fürst zu Castell-Rüdenhausen.

Ingo Mandt hat in den vergangenen 15 Jahren verschiedene Vorstands- und Aufsichtsratsmandate wahrgenommen. Von 2004 bis 2009 war er als Vorstandsmitglied Chief Risk Officer (CRO) und Chief Financial Officer (CFO) der BHF-Bank. Zwischen 2010 und 2016 gehörte er dem Vorstand der LBBW (Landesbank Baden-Württemberg) an und war anschließend von 2016 bis 2019 Mitglied im Verwaltungsrat der FMS Wertmanagement.

Die Mitglieder des Aufsichtsrats der Fürstlich Castell’schen Bank, Credit-Casse AG sind Ingo Mandt (Vorsitzender), S.D. Ferdinand Fürst zu Castell-Castell (stv. Vorsitzender), S.D. Otto Fürst zu Castell-Rüdenhausen (stv. Vorsitzender), Katharina Gehra sowie Dr. Christoph Schücking. Zudem ist Hans Hermann Reschke Ehrenvorsitzender des Aufsichtsrats.

Link zur Originalnachricht

Investment Komitee Summary – Juni 2020

Die Luft an den Aktienmärkten wird angesichts der sehr hohen Bewertungen dünner

In den meisten Industrienationen werden die Corona-Restriktionen sukzessive gelockert, bislang ohne ein massives Anwachsen der Neuinfektionsraten. Die Auswirkungen des Lockdowns auf die Volkswirtschaften sind allerdings immer noch nicht völlig absehbar. Die Aktienmärkte haben einen Großteil der Verluste wieder wettgemacht oder sogar neue Höchststände erklommen – getrieben von den massiven Interventionen der Notenbanken und den fiskalpolitischen Maßnahmen der Regierungen. Im zweiten Quartal wird wohl der Tiefpunkt der Rezession erreicht sein. Wir erwarten, dass ab dem dritten Quartal von einem niedrigen Niveau eine (dynamische) Erholung beginnt und dass diese auch zu steigenden Zinsen am Rentenmarkt vor allem in den USA führen dürfte.

Vor diesem Hintergrund haben wir im Investment-Komitee folgende Entscheidungen getroffen:

  • Wir haben US-Renten und den US-Dollar verkauft bzw. reduziert.
  • Dadurch haben wir die Kassenbestände erhöht und die Zinssensitivität des Portfolios gesenkt.
  • Wir haben Euro-Unternehmensanleihen im Investment Grade-Bereich aufgestockt.
  • Wir haben die Aktienquote entsprechend des Risikobudgets leicht erhöht, bleiben aber insgesamt defensiv aufgrund des Risikobudgets.
  • Bei den US-Aktien haben wir die Übergewichtung im Nasdaq reduziert zugunsten von US-Mid- and-Small-Caps, um an der erwarteten Erholung der Wirtschaft zu partizipieren.

Konjunktur – wann wird es besser?

Bevor es besser wird, wird es zunächst schlechter. Im zweiten Quartal dürften die großen Volkswirtschaften so stark wie zuletzt im Zweiten Weltkrieg eingebrochen sein. Seit Anfang Juni setzen aber fast überall Lockerungsmaßnahmen ein, der Einzelhandel fährt langsam wieder hoch und selbst die Tourismusbranche erwacht allmählich. Die Einkaufsmanagerindizes haben sich in den meisten Ländern verbessert, vor allem China ist auf Erholungskurs. Wir gehen von einer einsetzenden Erholung ab dem dritten Quartal aus, wirklich dynamisch dürfte die Erholung wohl erst 2021 einsetzen.

Quo vadis Zinsen?

Vor allem in den USA sind die Rentenmärkte gegenüber einer wirtschaftlichen Erholung stark verwundbar und können als überhitzt bezeichnet werden. Sollte eine globale Erholung einsetzen – und davon ist auszugehen – sehen wir die 10-jährigen US-Staatsanleihen mit Renditen von 1 bis 1,2 Prozent bis Jahresende. In der Eurozone hat die EZB noch deutlich aggressiver reagiert und damit dürften sich die Marktzinsen auch weniger nach oben bewegen. Allerdings werden bei einsetzender Erholung sicherlich alle „sicheren Häfen“ wie Gold und auch deutsche Bundesanleihen auf den Prüfstand gestellt. Das war in der Vergangenheit immer der Fall.

Die Notenbanken gehen aufs Ganze

Die großen Notenbanken der Welt – die FED, die EZB, die BOJ und auch die chinesische Zentralbank – haben alle massiv expansiv auf die Krise reagiert und damit das globale Finanzsystem und die Wirtschaft mit Liquidität überschwemmt. Während die FED schneller war als die EZB, hat letztere mittlerweile nachgezogen und „geliefert“. Mit den letzten Entscheidungen, das Notfallprogramm PEPP nochmals zu erhöhen und zu verlängern, kann man die EZB mittlerweile als aggressiver als die US-Notenbank einschätzen. EZB-Präsidentin Christine Lagarde folgt keinem geldpolitischen Dogma, sie ist eine pragmatische Managerin. Aus der Investment-Perspektive ergibt es unserer Meinung nach Sinn, das zu kaufen, was die EZB vor allem kauft: Anleihen der Peripherie wie Italien, Spanien und Griechenland und Unternehmensanleihen mit guter Bonität.

Aktienmärkte sind heiß gelaufen

Während die Wirtschaft die schwerste Rezession seit dem Zweiten Weltkrieg durchläuft, haben die Aktienmärkte einen großen Teil der Corona-Verluste wieder wettgemacht. Manche Märkte, wie der Nasdaq, haben sogar neue Rekordhöhen erklommen. Sollte es doch noch zu negativen Überraschungen kommen, Stichwort zweite Welle oder stark einbrechende Unternehmensgewinne, gibt es hier ein deutliches Rückschlagpotenzial. Momentan setzen die Aktienmärkte auf eine komplette Erholung der Wirtschaft und ein dynamisches Anziehen der wirtschaftlichen Aktivität im zweiten Halbjahr.

Gold könnte interessant werden

Wie schon dargelegt dürften die „sicheren Häfen“, zu denen auch Gold gehört, bei einem synchronen Anspringen der Weltwirtschaft unter Druck geraten. Momentan befindet sich Gold in einer Seitwärtsbewegung, allerdings könnte die wohl kommende wirtschaftliche Erholung das Edelmetall belasten. Es stellt sich die Frage, ab wann es Sinn ergibt, aus Gold herauszugehen und in andere Metalle umzuschichten. Silber – das auch in der Industrie benutzt wird – wäre eine Alternative oder auch Industriemetalle, die von einem Anspringen des verarbeitenden Gewerbes profitieren werden.

Investment Komitee Summary – Mai 2020

Aktienmärkte mit Rückschlagpotential angesichts schwerer Rezession

Die meisten Länder der Welt haben als Antwort auf die Ausbreitung des Coronavirus ihre Volkswirtschaften so gut wie komplett heruntergefahren. Das Ergebnis ist für fast alle Staaten die wohl schwerste Rezession seit dem Zweiten Weltkrieg oder der Großen Depression in den 1930er Jahren. Momentan fangen die unterstützenden Maßnahmen seitens der Notenbanken und der Öffentlichen Hand die negativen Effekte des Shutdowns noch auf. Das dürfte auch so bleiben, solange es nicht zu einer zweiten Infektionswelle kommt.

Vor diesem Hintergrund haben wir im Investment Komitee folgende Entscheidungen getroffen:

  • Wir halten an unserer defensiven Aktienpositionierung fest, da wir von einer spürbaren Gegenbewegung der Märkte ausgehen.
  • Wir halten Investment-Grade-Unternehmensanleihen weiterhin für attraktiv, da es dort zusätzlich ein starkes Engagement der EZB gibt.
  • Wir sind weiter skeptisch gegenüber Schwellenländern und bereinigen die bestehenden Reste in unserem Portfolio. Wir finden Asien/Pazifik und die USA attraktiver.

Corona-Epidemie: Wo stehen wir?

Die Ausbreitung des Coronavirus konnte durch die strenge Abschottungspolitik der meisten Staaten eingedämmt werden. Neuinfektionen und Todesfälle gehen fast überall zurück und viele Länder lockern die Restriktionen langsam wieder. Die nächsten Wochen werden zeigen, ob es wegen dieser Lockerungen zu einer zweiten Welle kommen wird oder aber, ob die Maßnahmen wie Social Distancing und Maskenpflicht ausreichen, um die Ausbreitung kontrollierbar zu halten. Die USA sind mittlerweile der Hotspot der Infektionswelle, in der Eurozone gehen die Zahlen deutlich zurück. Auch wenn eine Impfung wahrscheinlich erst im nächsten Jahr erhältlich sein wird, werden in einzelnen Ländern Medikamente, wie Remdesivir, für die Behandlung von Erkrankten zugelassen.

Gigantische Rettungspakete stützen die Wirtschaft

Sowohl die Zentralbanken als auch die Regierungen haben auf den „whatever it takes“-Modus umgeschaltet. Die Notenbanken pumpen so viel Liquidität wie noch nie zuvor ins Finanzsystem und die Staaten legen gigantische Rettungsprogramme auf. Die Volumina scheinen zum jetzigen Zeitpunkt ausreichend, um die Wirtschaft zu stützen, den Unternehmen Liquidität über das Bankensystem zur Verfügung zu stellen und – last but not least – auch Staatsbeteiligungen einzugehen, wie im Fall der Luftfahrtindustrie. Einzig die Schwellenländer und aber auch die Peripherie der Eurozone müssen wohl noch nachlegen, damit die Wirtschaft genug unterstützt wird. Angesichts dieser massiven Programme gibt es Hoffnung, dass die Wirtschaft im zweiten Halbjahr wieder anspringen könnte. Wie stark, steht allerdings in den Sternen, da die Unsicherheit der Verbraucher, aber auch der Unternehmen, momentan sehr groß ist.

Schwerste Rezession seit dem Zweiten Weltkrieg

Die meisten Staaten werden 2020 wohl die schwerste Rezession seit dem Zweiten Weltkrieg erleben. Die Rettungsprogramme von Notenbanken und Regierungen vermeiden zwar noch Schlimmeres, aber einen starken Einbruch der Wirtschaftsleistung können sie nicht verhindern. 2021 sollte dann eine starke Erholung folgen, vor allem in den USA. In Deutschland und Japan könnte das Niveau des Jahres 2019 erst wieder im Jahr 2022 erreicht werden, wenn überhaupt. Momentan ist es noch schwer abzuschätzen, wie schnell das Vertrauen der Unternehmen und der Verbraucher zurückkommt. Vor allem letztere sind durch einen starken Einbruch der Arbeitsmärkte in Ländern wie den USA unter großem Druck. Die jüngsten US-Arbeitsmarktdaten zeichnen ein sehr drastisches Bild: Die Arbeitslosenquote ist auf 14,7 Prozent, dem höchsten Stand seit dem Zweiten Weltkrieg, gestiegen, allein im April haben 20,5 Millionen Amerikaner ihren Job verloren. Da die US-Wirtschaft mehr als andere von Konsum abhängig ist, könnte das, sollte der Arbeitsmarkt nicht dynamisch zurückkommen, auf eine schwierige Erholung hindeuten.

Globale Rezession, aber Aktienmärkte sind stabil – wie passt das zusammen?

Die Aktienmärkte preisen momentan eine kräftige Erholung im zweiten Halbjahr ein. Wenn man von dem günstigen Szenario ausgeht, dass die Viruszahlen weiter sinken, obgleich die Abschottungsmaßnahmen zurückgenommen werden, dann ergibt für langfristige Investoren sogar momentan ein teilweiser Einstieg in den Markt Sinn. Aber das gilt nur, wenn die Entwicklung linear positiv verläuft und die Stimmungsindikatoren spätestens im Juni wieder anziehen. Wenn die Erholung weniger linear und positiv ausfällt und die Wirtschaft nicht so schnell wieder Tritt fasst, dann sind die momentanen Kurse deutlich zu hoch. Wir erwarten, dass der US-Markt noch einmal die 200 Tageslinie sehen möchte, es aber dann auch zu einem deutlichen Rückschlag kommen kann. Die Aktienmärkte haben zwar 50-60 Prozent der Einbrüche vom Februar und März aufgeholt, doch die Luft wird dünner. Die Bewertungen sind selbst mit normalisierten Gewinnen hoch und unangenehme Überraschungen von Unternehmensseite werden sich zum Teil erst im 2. Quartal zeigen. Das Rückschlagpotential ist in dieser schwierigen Zeit daher für die nächsten 4-8 Wochen hoch.

Investment Komitee Summary – April 2020

Wirtschaftliche Entwicklung wird durch Coronavirus Shutdowns stark gebremst

Der Shutdown weiter Teile der globalen Wirtschaft wird massiv negative Auswirkungen auf das Wachstum mindestes im zweiten Quartal haben. Andere Teile der Welt, wie die USA aber auch UK, werden die Hotspots von Corona werden, da die Regierungen dort zu spät gehandelt haben. Die große Frage ist, wie wird die Erholung nach Corona aussehen, wie lange werden die Maßnahmen in Effekt bleiben müssen und was bedeutet das für die Märkte?

Momentan gehen wir davon aus, dass die Aktienmärkte die Tiefstände von März nochmals testen könnten. Wir erwarten keinen schnellen Turnaround am Markt.

Vor diesem Hintergrund haben wir im Investment Komitee entschieden, unsere Positionierung nicht zu verändern.

  • Wir bleiben vorerst bei einem Aktienexposure nahe Null, d. h. wir haben unser Aktienexpositionen mit Derivaten wie z. B. Futures abgesichert.
  • Wenn auch in den USA die Zeichen wieder auf Erholung stehen, ist mit einer nachhaltigen Erholung an den Kapitalmärkten zu rechnen. Erst dann werden wir Risiken wieder substantiell aufbauen.
  • Bis dahin werden wir vorsichtig positioniert bleiben und nur selektiv Investments mit ausgezeichnetem Chance-Risiko-Profil für unsere Kunden tätigen.

Coronavirus – wo stehen wir?

Die Social Distancing-Maßnahmen fangen an zu greifen: Die Rate der Neuinfektionen in Spanien, Italien und Frankreich geht langsam zurück – das wird (hoffentlich) auch bald in Deutschland zu sehen sein. Die große Frage ist allerdings, bis auf welches Niveau sich die Neuinfektionen reduzieren lassen? Denn an China und Südkorea sieht man, wie schwierig es ist die Rate der Neuinfizierten auf unter 100 zu drücken und sie auch dort festzuhalten. Klar ist, dass es nicht möglich sein wird, das Virus komplett auszurotten. Damit ist die Politik mit der schwierigen Entscheidung konfrontiert, wann man die Social Distancing-Maßnahmen wieder lockern kann, ohne einen starken Anstieg der Neuinfektionen zu riskieren?

Am Beispiel Japans sieht man was passiert, wenn man aus einem Gefühl vermeintlicher Sicherheit zu schnell wieder zur „Normalität“ zurückkehrt: Hier steigt die Zahl der Erkrankten gerade wieder exponentiell. Das sogenannte „Endspiel“ im Kampf gegen das Coronavirus ist momentan nicht klar, denn eine langsame Durchseuchung bis zu 70 Prozent, wie vom Robert-Koch-Institut angeregt, könnte ein bis zwei Jahre dauern.

Die neuen Virus-Hotspots werden vorerst Großbritannien und die USA sein. Beide Länder haben sehr träge reagiert und verfügen über anfällige Gesundheitssysteme.

Wirtschaftliche Auswirkungen des Coronavirus

Mittlerweile ist klar, dass die Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Virus zu einer Rezession der Weltwirtschaft führen werden. Der IMF warnt nun sogar davor, dass die Auswirkungen gravierender als nach der Finanzkrise sein könnten. Kontinentaleuropa befindet sich im Lockdown. Das wird die Wirtschaft mindestens bis ins zweite Quartal dieses Jahres stark belasten und zu deutlichen Einbrüchen führen. Gegen Ende des zweiten Quartals gehen wir davon aus, dass abzusehen sein wird, wie groß der Schaden wirklich ist und wie der „Scherbenhaufen“ aussehen wird.

Die USA stehen wohl vor der tiefsten Rezession seit dem zweiten Weltkrieg. Der US-Arbeitsmarkt ist im freien Fall: Fast zehn Millionen Menschen in den USA haben in den vergangenen zwei Wochen ihren Job verloren. Wie das US-Arbeitsministerium mitteilte, stieg die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe in der vergangenen Woche auf 6,65 Millionen – nach 3,3 Millionen in der Vorwoche. Der Markit-Einkaufsmanagerindex für den Dienstleistungsbereich ist im März so stark wie noch nie gefallen, da die Nachfrage von Haushalten und Unternehmen kollabiert.

Gegenmaßnahmen der Notenbanken und Regierungen

„Whatever it takes“ gilt im Kampf gegen die wirtschaftlichen Auswirkungen der Virus-Eindämmung nun nicht nur für die Notenbanken, sondern auch für die Regierungen der meisten Industrienationen. Weltweit werden Konjunkturprogramme mit beispielloser Größe aufgelegt, was zu einem enormen Anstieg der Staatsverschuldung führen wird.

Die Notenbanken haben ihre Zinsen drastisch gesenkt und injizieren Liquidität. So kauft die EZB so viel Anleihen wie noch nie zuvor und auch die US-Notenbank hat ein unbeschränktes QE-Programm aufgelegt. Primär geht es darum, der Finanzindustrie genug Liquidität zu geben, da Unternehmen ihre Kreditlinien beanspruchen, Kredite nicht mehr bedient werden können und, im worst case, es wieder zu einer Vertrauenskrise kommen könnte. Aber auch die Märkte haben sich durch die Maßnahmen wieder beruhigt und der freie Fall der Märkte ist erst einmal gestoppt.

Wie geht es weiter? Wie könnten wir aus der Krise kommen?

Eine sogenannte V-förmige Erholung ist unserer Meinung nach unwahrscheinlich angesichts der Schwere der Krise. Elementar wird sein, wie die USA aus der Krise kommen. Wir gehen davon aus, dass es dort sicherlich bis Ende April spätestens Mitte Mai dauert, bis die Regierung Corona einigermaßen im Griff hat; in Europa sehen wir hierfür erste Anzeichen, weil schneller und entschiedener reagiert wurde. Wir gehen auf Basis dieses Szenarios von einer sogenannten U-förmigen Erholung aus. Zum Ende des zweiten Quartals werden wir erkennen, wie schlimm der Schaden für die Wirtschaft und wie groß der Scherbenhaufen wirklich ist.

Die Aktienmärkte werden allerdings schon vorher wieder anspringen – wir gehen davon aus, dass die Märkte nochmals in den nächsten Wochen die Tiefstände testen werden, um dann Ende April Anfang Mai wieder anzuziehen.

Investment Komitee Summary – Februar 2020

Investoren lassen Coronavirus-Panik hinter sich, Fokus auf wirtschaftlicher Erholung

Nach einem volatilen Jahresstart an den Aktienmärkten aufgrund der Ausbreitung des Coronavirus ist die Panik wieder verflogen und die Kursverluste sind wettgemacht. Die Castell Bank ist gut aufgestellt ins neue Jahr gestartet, die Aktienaufstockung im Dezember und Januar und auch der Ausbau der italienischen Rentenposition hat sich bewährt. Für die weitere Entwicklung an den Märkten wird nun wichtig, wann der Höhepunkt der Neuansteckungen beim Coronavirus erreicht wird. Davon wird abhängen wie groß die Bremsspuren v. a. der chinesischen Wirtschaft sein werden und wie stark die globalen Produktionsketten beeinträchtigt werden.

Vor diesem Hintergrund haben wir im Investment Komitee folgende Entscheidungen getroffen:

  • Wir stocken italienische Renten auf, um von wahrscheinlichen Spreadeinengungen zu profitieren.
  • Wir bauen Gold aus, da die Preise weiter steigen dürften, auch durch die Unterfütterung der Notenbanken.
  • Wir halten an Aktien aufgrund der hohen Risikoprämien, relativ zu Staatsanleihen und trotz der erhöhten Bewertungen, fest.
  • Wir beobachten die Entwicklung des Coronavirus genau, um schnell reagieren zu können.


Coronavirus hat Märkte verschreckt – wie geht es weiter?

Die weitere Entwicklung des Coronavirus ist ungewiss und die Auswirkungen der Krankheit auf die Weltwirtschaft hängen davon ab, wann der Höhepunkt an Neuansteckungen erreicht ist. Sollte das im Februar/März sein, dürfte nur das erste Quartal darunter leiden und stärkere Verwerfungen der globalen Produktionsketten und damit der Unternehmensgewinne vermieden werden.

Falls es aber noch länger dauert und zu drastischen Maßnahmen wie Hafenschließungen etc. gegriffen werden muss, könnte sich das zuletzt recht positive globale Wachstumsbild eintrüben und die erwartete Erholung ausfallen. Der Virus verbreitet sich zwar leicht, ist aber weniger tödlich als z. B. SARS und scheint eher das Gefahrenpotential einer „normalen“ saisonalen Grippe zu haben.

China leidet primär, aber Rest der Welt ist nicht immun

Primär dürfte die chinesische Wirtschaft unter dem Virus leiden. Wir erwarten, je nach Dauer der Epidemie, eine Reduzierung des Wachstums von 0,1 bis 0,4 % für 2020 – vor allem der Handel und die Tourismusbranche werden betroffen sein. Allerdings, je länger der Peak der Ansteckungen auf sich warten lässt, desto mehr werden auch die globalen Produktionsketten beeinträchtigt.  Hier wäre neben Japan auch vor allem die USA betroffen; Europa dürfte es erst über sogenannte „Zweitrundeneffekte“ treffen. Die Folgen wären eine fortgesetzte globale Industrie-Malaise, die die Preise treiben und gleichzeitig das Wachstum schwächen würde.  Aus diesem Grund ist für die weitere Beurteilung der Märkte eine genaue Beobachtung des Virus-Verlaufs nötig.

Italien – weiteres Potential für Spreadeinengung

Bei den Regionalwahlen in der Lombardei hat Italiens Oppositionschef Matteo Salvini mit seiner rechten Lega verloren und der angeschlagenen Regierung in Rom eine Verschnaufpause verschafft. Die Rentenmärkte reagierten mit deutlichen Spreadeinengungen und Kursgewinnen und wir sehen noch weiteres Potential. Die Wahlniederlage Salvinis hat die politische Stabilität Italiens deutlich verbessert und wir denken die Spreads könnten sich in den nächsten 3 Monaten noch weiter einengen. Neuwahlen sind nun erstmal vom Tisch, aber Italien ist notorisch politisch instabil. Deswegen sehen wir die Aufstockung italienischer Renten auch nur als eine taktische Allokation.

Wirtschaft hellt sich auf – Industrieproduktion mit Trendwende?

Die Stimmung in der US-amerikanischen Industrie hat sich zu Beginn des Jahres ein Stück weit aufgehellt und ist wieder über die Expansionsschwelle gestiegen. Die US-Wirtschaft nimmt endlich wieder an der globalen Erholung teil und verharrt nicht weiter in einer Schwächephase. In anderen Worten: Die größte Volkswirtschaft der Welt scheint wieder anzuspringen.

Hinzu kommt, dass eine Trendwende bei der globale Industrieproduktion begonnen hat. Die Frühindikatoren signalisieren Erholung, der typische 3-Jahresindustriezyklus scheint weitgehend abgeschlossen und die Anzeichen für eine zyklische Wachstumserholung mehren sich. Es gibt allerdings weiter „Schwachstellen“: Die Daten aus Deutschland und Japan sind weiterhin schlecht.

Castell-Bank sieht weiter konjunkturelle Erholung trotz Coronavirus

Der Ausbruch des Coronavirus in China hat die Aktienmärkte auf dem falschen Fuß erwischt und zu einem volatilen Jahresstart geführt. Langsam hat sich die Panik allerdings gelegt, Investoren schauen wieder positiver auf die Märkte und die Kurse haben sich erholt. Nicht zuletzt sind positive Konjunkturdaten aus den USA und eine Erholungstendenz bei der globalen Industrieproduktion Gründe für einen verhaltenen Optimismus.

„Der Impact des Virus muss abgewartet werden, je früher der Höhepunkt der Ansteckungen erreicht und anschließend die Ausbreitung des Virus eingedämmt wird, desto besser für die Wirtschaft,“ erklärt Achim Hammerschmitt, Leiter der Vermögensverwaltung der Fürstlichen Castell’schen Bank. „Wenn dieser im Februar, März erreicht würde, wären die Folgen auf das erste Quartal begrenzt, und je frühzeitiger eine wirksame Bekämpfung des Virus gefunden wird und damit drastische Maßnahmen – wie Hafenschließungen – wieder aufgehoben werden können, desto besser ist es für die Gewinne der Unternehmen und die globalen Supply Chains.“

Die Stimmung in der US-amerikanischen Industrie hat sich zu Beginn des Jahres ein Stück weit aufgehellt und ist wieder über die Expansionsschwelle gestiegen, erläutert Hammerschmitt. „Das bedeutet, dass die US-Wirtschaft endlich wieder an der globalen Erholung teilnimmt und nicht in einer anhaltenden Schwächephase verharrt,“ so Hammerschmitt. Die größte Volkswirtschaft der Welt scheint wieder anzuspringen.

Hinzu kommt, dass eine Trendwende bei der globale Industrieproduktion begonnen hat. Die Frühindikatoren signalisieren Erholung, der typische 3-Jahresindustriezyklus scheint weitgehend abgeschlossen und die Anzeichen für eine zyklische Wachstumserholung mehren sich, erläutert Hammerschmitt.

Auch die Berichtssaison läuft bis dato zufriedenstellend und in Teilen sogar besser als erwartet – auch das treibt die Märkte weiter an. „Die großen Themen – Digitalisierung und Automatisierung – unterstützen weiter vor allem die Technologiewerte. Seit Jahresbeginn hat der NASDAQ die klassischen Indizes deutlich geschlagen,“ betont Hammerschmitt.

Was können Anleger von der FED und der US-Wirtschaft in 2020 erwarten?

Die FED-Sitzung dieser Woche wurde von vielen Kommentatoren als „langweilig“ und „einschläfernd“ bezeichnet. In der Tat gab es nach den Zinssenkungen des letzten Jahres wenig Neues im Januar. Im Kleingedruckten war es dann aber gar nicht so banal: Die Fed will sichergehen, dass die Inflation auch überschießt und hat sich explizit für ein symmetrisches Inflationsziel von 2 Prozent ausgesprochen.

Das bedeutet, dass die US-Notenbank ihre lockere Geldpolitik beibehalten wird, bis die Inflation über 2 Prozent und nicht nur relativ nahe am Ziel liegt. Das wird nach aller Voraussicht noch etwas länger dauern, was bedeutet, dass Zinserhöhungen weiter in die Zukunft verschoben werden. Momentan sieht es angesichts der Schwäche der US-Ökonomie sowieso nach Stillhalten oder eventuell weiterer Lockerung aus.

Auch wenn die Fed ihr Quantitative Easing-Programm schon lange beendet hat, wächst die Bilanz seit September wieder deutlich, denn die Zentralbank pumpt aus Gründen der Geldmarktstabilität Geld in die Märkte und sorgt damit für mehr Liquidität.

Zur Beruhigung des Marktes, der zuvor zehn Jahre lang ohne größere Turbulenzen funktioniert hatte, griff die Federal Reserve ein, indem sie kurzlaufende US-Staatsanleihen (T-Bills) kaufte, um für zusätzliche Liquidität zu sorgen. Und ein Ende ist nicht in Sicht. Zwar haben sich vereinzelt Fed-Gouverneure für ein Ende im April ausgesprochen, doch Fed-Chef Powell hat bei der Januar Sitzung des Offenmarkt-Ausschusses kein Ende in Sicht gestellt.  Niemand nennt das Programm offiziell „Quantitative Easing“, kurz QE, aber viele Kommentatoren merken an: “Es läuft und quakt wie QE also ist es QE“.

Die US-Wirtschaft ist vor Kurzem in eine Schwächephase eingetreten, die Einkaufsmanagerindizes für das verarbeitende Gewerbe sind unter die magische Marke von 50 gesunken. Werte unterhalb von 50 deuten eine Kontraktion in diesem Bereich der Wirtschaft an. Der jüngste Phase-One-Handelsdeal zwischen China und den USA könnte vielleicht die Bremsspuren beheben. Die kommenden Wochen und Monate werden zeigen, ob es nur ein kurzfristiger Absacker ist, den man momentan sieht, oder ob die USA sich nun nachhaltig abschwächen.

Sollte letzteres der Fall sein, dürfte dies auch maßgebliche Auswirkungen auf den Rest der Welt und die Entwicklung der Märkte haben, denn damit würde sich auch die Gewinnsituation der Unternehmen verschlechtern. Angesichts dieser Ungewissheiten und der hohen Bewertungen ist in jedem Fall eine gewisse Vorsicht angesagt.