Castell’scher Wochenausblick auf die Märkte (KW 45)

Nach den Midterm Elections in den USA konnten Investoren kurz durchatmen: die Märkte haben sich weltweit erleichtert gezeigt, denn das Ergebnis war so mehr oder wenig erwartet worden. Anleger versuchen ja gerne die Zukunft mit der Vergangenheit zu erklären und somit machte auch schnell die folgende Deutung die Runde: Historisch gesehen ist die Konstellation eines republikanischen Präsidenten und eines „geteilten“ Kongresses am Besten für die Märkte.
Ob dies auch dieses Mal gelten wird, steht in den Sternen, denn nächstes Jahr lässt der fiskalpolitische Stimulus der Steuersenkungen nach und auch die US-Wirtschaft dürfte sich – wenn auch nur leicht – abschwächen.

Nächste Woche schauen die Investoren nach Europa: Italien dürfte wieder spannend werden.

Italien – Deadline am 13. November

Trotz erhöhtem Druck anderer EU Mitgliedstaaten, scheinen die Italiener nicht bereit zu sein klein beizugeben und das Budget an die bestehenden Richtlinien anzupassen. Am kommenden Dienstag läuft die Deadline ab, einen neuen Budgetentwurf in Brüssel einzureichen. Die Weichen stehen auf Konfrontation, das dürfte auch an den Anleihemärkten und bei den Banken nicht ohne Auswirkung sein. Der EU wird wohl nichts anderes übrig bleiben, als ein Defizitverfahren gegen das Land einzuleiten und eventuell Strafen zu verhängen. Die Wachstumsaussichten Italiens haben sich in jedem Fall schon deutlich eingetrübt.

Zentralbanker und Konjunkturdaten

Für Deutschland stehen Konjunkturdaten an: die erste Schätzung fürs BIP-Wachstum im dritten Quartal. Nachdem zuletzt die Wachstumsaussichten von Bundesregierung und Wirtschaftsweisen deutlich nach unten korrigiert worden sind, dürften die Zahlen dies nun bestätigen. Während sich das Wachstum in der Eurozone mehr und mehr eintrübt, ist die EZB weiterhin fest entschlossen den monetären Stimulus zurückzufahren und ihr Anleihekaufprogramm zu beenden. Diese Woche sprechen u. a. Peter Praet, der Chefvolkswirt, und ausgesprochene „Taube“, und EZB-Präsident Mario Draghi bei verschiedenen Veranstaltungen. Insbesondere die Worte Draghis, der am Freitag beim European Banking Congress in Frankfurt auftreten wird, werden von Investoren genauestens analysiert.

Berichtssaison geht weiter in Deutschland

Nächste Woche legen u.a. die Versorger Uniper, Innogy, RWE und E.ON und auch Bayer, Infineon und Merck Zahlen vor. Diese Berichtssaison kann wohl als Wendepunkt gesehen werden. Nach vielen Quartalen des Wachstums und positiver Überraschungen, gab es viele Gewinnwarnungen wie bei Daimler und BMW oder aber auch bei Thyssenkrupp, um nur einige zu nennen.