Castell’scher Wochenausblick auf die Märkte

Castell’scher Ausblick auf die nächste Woche

Es ist und bleibt spannend an den Märkten. Nachdem die globalen Börsen in der letzten Woche heftige Einbußen hinnehmen mussten, dürften die Investoren auch in der neuen Woche keine Zeit zum Zurücklehnen haben. Die Volatilität dürfte uns erhalten bleiben, wenn auch hoffentlich mit weniger heftigen Ausschlägen.

Berichtssaison in den USA und Europa

In den USA nimmt die Berichtssaison an Fahrt auf: Großbanken wie Goldman Sachs, Morgan Stanley aber auch Alcoa und Netflix, um nur ein paar zu nennen, werden ihre Quartalszahlen vorlegen. In Deutschland startet der Zahlenreigen mit SAP am Ende der Woche. Investoren werden sehr genau in die Gewinnentwicklungen der Unternehmen schauen, vor allem nachdem es nun mehrfach Gewinnwarnungen gegeben hat. Zuletzt hatte BMW die Investoren erschreckt, da die eigenen Ziele nicht mehr haltbar waren. Hauptgrund: der von der Trump-Administration angestoßene Handelskrieg.

Politisches Risiko ist zurück

Am Montag müssen die Italiener nun wirklich einen Budgetvorschlag an Brüssel senden. Bisweilen stießen die Vorschläge an den Märkten auf wenig Begeisterung, da die italienische Regierung mit absolut unrealistischen Wachstumsprognosen hantiert: mit diesem Budget würde der italienische Schuldenberg noch mehr anwachsen. Am Montag müssen die Märkte ebenso den Ausgang der bayrischen Wahlen verdauen. Ein mögliches sehr schlechtes Abschneiden der CSU könnte auch durchaus Auswirkungen auf die Bundespolitik haben. Und last but not least findet nächste Woche auch der – hoffentlich – entscheidende EU- Gipfel zum Thema Brexit statt. Jüngste Entwicklungen stimmen positiv, dass alle Beteiligten allen voran Theresa May zu einem Kompromiss bereit sein könnten.

Anleihemärkte bewegen sich in Richtung Bärenmarkt

Eine landläufige Definition eines Bärenmarkts ist, dass die Kurse um 20 Prozent einbrechen müssen innerhalb einer zweimonatigen Zeitspanne. Die momentane Entwicklung am US-amerikanischen Rentenmarkt geht stark in diese Richtung. Die grundlegende Frage ist nun: war die Reaktion überzogen, um mit Donald Trump zu sprechen: Ist die Fed verrückt geworden? Oder sehen wir nur eine schnelle Anpassung der Investoren an eine neue Realität: zurück in eine Welt mit Inflation und Zinsen, die substantiell über Null sein werden. In Europa sieht es anders aus: Hier bewegen sich die Renditen wie im Falle Italiens aus politischen Gründen, da Investoren ihr Geld abziehen und deutsche Bundesanleihen haben weiterhin Potential als „sicherer Hafen“. Nicht zuletzt werden die Renditen in Europa aber auch noch von der EZB getrieben.