Castell’scher Marktkommentar

Ausverkauf am Aktienmarkt – Was steckt dahinter?

Ein Ausverkauf von Technologieaktien hat am gestrigen Mittwoch in den USA zum größten Kursrutsch beim S&P 500 seit Februar 2018 geführt. Auch im Februar hatten die Märkte eine kurze aber heftige Korrekturphase, da die Marktteilnehmer auf einmal Sorgen vor einer restriktiveren Geldpolitik in den USA hatten. Beim jetzigen „sell-off“ ist dies auch wieder einer der Hauptgründe. Es ist eine Korrektur auf die viele gewartet haben, aber ähnlich wie im Februar, kam sie nun schnell und heftig und eine solide Bodenbildung ist noch nicht zu erkennen.

Höhere Zinsen in den USA

Ohne Zweifel sind die gestiegenen Anleihezinsen in den USA ein naheliegender Grund für den Umschwung am Aktienmarkt. In der letzten Woche sind die 10-jährigen US-Treasuries quasi sprungartig auf ein Siebenjahreshoch gestiegen. Grund hierfür: Eine sehr optimistisch klingende Fed und damit Sorgen voreinem schnelleren Anziehen der Zinsen. Das war genug, um die Nerven der Aktienanleger bloß zu legen. Aber das ist nicht der einzige Grund für den Ausverkauf und kann auch nicht die Schnelligkeit und Stärke der Verluste erklären.

Aktienrotation

Natürlich sind alle Aktien betroffen, doch am schlimmsten hat es die Technologiewerte und solche Indizes, die von ihnen dominiert sind, getroffen. Aktien, die vorher von Investoren sehr stark gesucht waren und sehr hohe Bewertungen hatten, sind stark verkauft worden. Andere hingegen, die an der 2018 Rally nicht so stark partizipiert hatten, traf es nicht mit der gleichen Härte. Dennoch, auch konjunktursensitive Werte und auch Öl sind nach unten durchgereicht worden.

Konjunkturausblick

Obgleich die US-Wirtschaft sehr stark ist, mehren sich doch in anderen Regionen leichte Abschwächungstendenzen. Die Unsicherheiten, nicht zuletzt wegen des schwelenden Handelskrieges, haben zugenommen und scheinen erneut in den Fokus der Anleger gerückt zu sein. Auch Emerging Markets-Risiken wurden von den Anlegern lange ignoriert. Sehr typisch für Korrekturen ist, dass sich nun ein großer Teil der Marktteilnehmer auf die Abwärtsrisiken konzentriert, obgleich sich am konjunkturellen Ausblick für die Weltwirtschaft seit letzter Woche nicht viel geändert hat.

Castell’sche Positionierung

Angesichts der Verwerfungen haben wir die Aktienquoten in unseren Strategien angepasst und beobachten die Entwicklungen natürlich genau. Bei den defensiven Mandaten haben wir das Aktienexposure auf circa 10 Prozent, bei ausgewogenen Strategien auf etwa 34 Prozent und bei dynamischen auf ungefähr 60 Prozent reduziert. Es hat sich als richtig erwiesen, nicht in Schwellenländern investiert zu sein. Nach vorne heraus ist nun wichtig, wie die Berichtssaison anläuft und insbesondere wie optimistisch die Unternehmen in die Zukunft blicken.